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Coronavirus Zweifel an offiziellen Opferzahlen

Der Kampf gegen das Virus ist in vollem Gange, indes werden Zweifel an den Opferzahlen laut. Diese müssten laut einigen Ärzten deutlich höher sein.

© (c) AP (Tatan Syuflana)
 

Die chinesischen Behörden bemühen sich um die Eindämmung des Coronavirus. In mehr als einem Dutzend Städte wurde der öffentliche Verkehr ausgesetzt, mehr als 41 Millionen Einwohner waren davon betroffen. Ungeachtet des chinesischen Neujahrsfests wurde die Schließung eines Abschnitts der Chinesischen Mauer, des Olympia-Stadions in Peking und von Disneyland in Shanghai angeordnet.

In den Städten Xianning, Xiaogan, Enshi und Zhijiang wurde am Freitag der öffentliche Verkehr ausgesetzt. Wie die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, von der das Virus ausging, liegen sie in der Provinz Hubei. Damit stehen mittlerweile 13 chinesische Städte wegen des Erregers 2019-nCoV de facto unter Quarantäne.

Zweifel an offiziellen Zahlen

Zweifel laut, ob die offiziellen Angaben das wahre Ausmaß der Infektionswelle im Land wiedergeben. Ärzte in Wuhan äußerten, dass sich ihrer Meinung nach schon wesentlich mehr Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben könnten als offiziell zugegeben. Auch sei weitaus mehr Krankenhauspersonal als die offiziell bekannten 15 Mitarbeiter betroffen.

"Es lassen sich infizierte Krankenhausmitarbeiter in fast allen größeren Krankenhäusern in Wuhan finden", sagte ein Arzt der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Den chinesischen Behörden zufolge liegt die Zahl nachgewiesener Infektionen im Land derzeit bei rund 900. Mehr als 25 der Patienten sind gestorben, zumeist ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Da Dutzende sehr schwer erkrankte Menschen in den Kliniken liegen, sind weitere Todesfälle zu erwarten.

Isoliert und behandelt

Internationale Wissenschafter gehen von mehreren tausend Infizierten in der Volksrepublik aus. Einzelne Infektionen wurden auch in Hongkong, Macau, Taiwan, Thailand, Japan und Südkorea bestätigt. In den USA wurden bereits zwei Fälle bestätigt. Laut aktuellen Angaben hatten alle betroffenen Personen einen Reisebezug zur Millionen-Metropole Wuhan. Die erkrankten Personen werden in den sieben Staaten in medizinischen Einrichtungen isoliert und behandelt. Das österreichische Außenministerium riet von nicht notwendigen Reisen in die zentralchinesische Provinz Hubei ab. Wie Ministeriumssprecher Peter Guschelbauer in Wien mitteilte, wurde für Hubei ein hohes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 3) angenommen.

"Dieses Jahr haben wir ein sehr unheimliches Neujahr", sagte ein Taxifahrer in Wuhan der Nachrichtenagentur AFP. In mehreren Krankenhäusern in Wuhan waren die Wartezimmer voller Menschen mit Fieber und Erkältungssymptomen, die eine 2019-nCoV-Infektion befürchteten. "Ich habe Fieber und Husten, ich habe Angst, mich angesteckt zu haben", sagte eine 35-Jährige. In Peking waren Metro-Mitarbeiter in Ganzkörper-Schutzanzügen im Einsatz, um mit Fiebermessen mögliche Erkrankte unter den Fahrgästen aufzuspüren.

Neujahrsfest abgesagt

Der Leiter von Chinas Zentrum für Seuchenkontrolle, Gao Fu, rief die Bevölkerung auf, dieses Jahr auf Neujahrsveranstaltungen zu verzichten. "Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir das Virus in Wuhan eindämmen und den Export weiterer Fälle aus Wuhan verhindern", sagte Gao im Staatsfernsehen.

Wie in Wuhan wurden auch in Peking Großveranstaltungen anlässlich des chinesischen Neujahrsfests am Samstag abgesagt. Am Freitag kamen weitere Touristenattraktionen hinzu, die wegen des Coronavirus vorsichtshalber geschlossen werden. Die Schutzvorkehrungen betrafen unter anderem ein Symbol der Stärke des Landes. Teile der Chinesischen Mauer werden geschlossen. Auch die Ming-Gräber und die Yinshan-Pagode blieben ab Samstag vorsichtshalber geschlossen, teilte die für die Verwaltung dieser historischen Stätten zuständige Behörde mit.

Das "Vogelnest"-Stadion der Olympischen Spiele 2008 in Peking ist seit Freitag nicht mehr zugänglich. Zuvor war bereits die vorübergehende Schließung der Verbotenen Stadt und anderer Sehenswürdigkeiten in Peking verkündet worden.

Der Vergnügungspark Disneyland in Shanghai schließt auf unbestimmte Zeit seine Pforten. Auch der weltbekannte kanadische Zirkus Cirque du Soleil sagte seine festen Shows in Hangzhou bis auf Weiteres ab.

Impfstoff ab Sommer in Testphase

Die Chefin des Weltreise- und -tourismusrates (WTTC), Gloria Guevara, warnte vor "anhaltenden wirtschaftlichen Folgen" des Virus. "Die Eindämmung von unnötiger Panik ist genauso wichtig wie das Virus selbst zu stoppen", erklärte sie in London.

Ursprünglich wurde das neue Coronavirus wahrscheinlich von Tieren übertragen, es wird aber auch von Mensch zu Mensch weitergegeben. Trotz des sprunghaften Anstiegs der Fallzahlen in China hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag gegen die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands entschieden. Dazu sei es noch zu früh, teilte die Organisation mit. Bisher gebe es keine Hinweise für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus außerhalb Chinas.

Das internationale Impfbündnis Cepi teilte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, ein Impfstoff gegen 2019-nCoV könne voraussichtlich im Sommer in die Testphase gehen.

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