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"Nicht religiös verankert"Weltlich eingestellte Muslime in Deutschland und Schweiz für Kopftuchverbot

"Wie können wir als offene Zivilgesellschaft akzeptieren, dass eine Religionsgemeinschaft sagt, sobald unsere weiblichen Mitglieder geschlechtsreif werden, müssen sie sich verhüllen? Das macht die Mädchen zu Sexualobjekten."

© (c) APA/HERBERT P. OCZERET
 

Säkulare Muslime in Deutschland und der Schweiz unterstützen laut dem Linzer "Oö. Volksblatt" (Samstag-Ausgabe) das von der ÖVP forcierte Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen. Die Berliner Imamin Seyran Ates sieht Kritiker wie den Wiener Theologen Paul Zulehner in einem "extremen Widerspruch", weil dessen Liberalismus die Fraktion der illiberalen Muslime stütze.

"Genau die, die wie Grüne und Linke für mehr Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen, unterstützen in einer anderen Religion die Orthodoxie", sagte die Initiatorin Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, wo sie - wegen vieler Morddrohungen unter permanentem Polizeischutz - einen säkularen Islam predigt, dem "Volksblatt". In Sachen Kopftuch sei ihre Position klar, so die ÖVP-nahe Regionalzeitung: "Wie können wir als offene Zivilgesellschaft akzeptieren, dass eine Religionsgemeinschaft sagt, sobald unsere weiblichen Mitglieder geschlechtsreif werden, müssen sie sich verhüllen? Das macht die Mädchen zu Sexualobjekten." Abgesehen davon sei das Kopftuch "absolut nicht religiös verankert". Denn der Islam kenne keine Symbolik, lehne Symbole sogar ab.

Die Heranwachsenden in sind der Machtsphäre der Eltern und Familienclans. Deshalb ist es so wichtig, dass diese Mädchen wenigstens einen Raum haben, nämlich die Schule, wo sie ausprobieren können, wie es ist, nicht verhüllt zu sein.

Die Berliner Imamin Seyran Ates

Die Position der Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), wonach das Kopftuch eine freie Entscheidung der Trägerin sei, wies Ates im "Volksblatt"-Gespräch als "Scheinargument" zurück. "Weil die Heranwachsenden in der Machtsphäre der Eltern und Familienclans sind". Deshalb sei es "so wichtig, dass diese Mädchen wenigstens einen Raum haben, nämlich die Schule, wo sie ausprobieren können, wie es ist, nicht verhüllt zu sein".

Verbot seit Schuljahr 2019/2020

Seit Beginn des Schuljahres 2019/2020 ist an Volksschulen "Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist", verboten. Die Regierung will dies auf bis zu 14-jährige Mädchen ausweiten. Die neue Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) sieht zudem ein ebensolches für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen als "möglichen nächsten Schritt". Während sie am vergangenen Dienstag im "Ö1-Morgenjournal" in der türkis-grünen Regierung einen "breiten Konsens" dafür ortete, bezeichnete Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) dies kurz darauf als "nicht vorstellbar".

 

Diesen Schutzraum hält auch die Schweizer Menschenrechtsaktivistin Saida Keller-Messahli für unerlässlich: "Die öffentliche Schule ist möglicherweise der einzige Ort wo ein muslimisches Mädchen die Erfahrung von Freiheit und Gleichberechtigung machen kann. Diesen Raum gilt es vor religiösen Begehrlichkeiten zu schützen", so die aus Tunesien stammende Mitunterzeichnerin der "Freiburger Deklaration säkularer Muslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz" (2016).

Auch ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen hielte sie wie Ates für richtig. "Eine Lehrperson vermittelt den Kindern ein lebendiges Beispiel dafür, dass Frau und Mann gleichwertig sind, während ein Kopftuch für das Gegenteil steht, nämlich, dass die Frau dem Mann nicht ebenbürtig ist". Das Vorgehen der IGGÖ gegen das bestehende Verbot offenbart für Keller-Messahli "die Verbissenheit, mit der Repräsentanten des politischen Islams kämpfen, wenn es um Mädchen und Frauen geht". Die Klage betrachtet sie daher als "schamlosen Übergriff."

Religiöse Symbole haben in der Schule nichts zu suchen.

Islamwissenschafter Abdel-Hakim Ourghi

Auch der aus Algerien stammende Islamwissenschafter Abdel-Hakim Ourghi findet: "Religiöse Symbole haben in der Schule nichts zu suchen". Der Leiter des Fachbereich Islamische Theologie/Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg habe ein Buch mit dem unzweideutigen Titel "Ihr müsst kein Kopftuch tragen" verfasst (erschienen im Claudius-Verlag, ISBN 978-3-532-62821-8), wie das "Volksblatt" festhielt. Auch er verwies darauf, dass das Kopftuch "keine religiöse Vorschrift ist, sondern eine kulturelle und gesellschaftliche Vorschrift, die männliche Herrschaft, unterstützt von Vertretern des politischen und konservativen Islam, realisieren will".

Ourghi zum "Volksblatt": "Es ist wirklich traurig: Im Iran und einigen nordafrikanischen Ländern demonstrieren Frauen gegen das Kopftuch als Symbol der Unterwerfung und gegen die Herrschaftsstrukturen der Männerwelt und hier bei uns wird im Namen einer missverstandenen Toleranz die Freiheit mit Unterdrückung verwechselt".

Die Islamische Glaubensgemeinschaft brachte laut "Kurier" Beschwerde gegen das Kopftuchverbot beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) ein. Die IGGÖ sieht durch das bereits unter Türkis-Blau beschlossene Verbot in Volksschulen Grundrechte wie Religionsfreiheit und das Vorrecht der Eltern auf die Erziehung verletzt. Der Beschwerde liegen zwei Fälle aus Wien zugrunde.

Der Theologe Zulehner hatte argumentiert, die von der neuen Regierung fortgesetzte "Kopftuchkränkung" gegenüber Muslimen in Österreich sei "kein Dienst am religiösen Frieden" in Österreich. Mit der Ausweitung des Kopftuchverbots würden "rassistische Vorurteile bestärkt, die bei einem Teil der Bevölkerung ausgeprägt vorhanden sind", so der Werteforscher.

Kommentare (44)

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Popelpeter
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Außerdem

is es nicht Basti allein! Jetzt beschließt ja grün auch alles mit! Vom Kopftuchverbot bis zur Sicherungshaft!!!

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Irgendeiner
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Und, die müssen verantworten was sie mittragen und Basti was er tut

so ist das im Leben,irgendwann ist immer Zahltag,für die Handelnden wie für die Propagandisten, that ´s life,that´s what all the people say.

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X22
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"Oö. Volksblatt" ist ja im Eigentum der Oberösterreichischen Volkspartei.

Jetzt mal ehrlich, eine gewisse Unabhängigkeit in der Berichterstattung sollte man schon einhalten, ohne auf den Inhalt einzugehen, sollte diese "Zeitung" auch die andere Seite zum Wort kommen lassen, der Beitrag vermittelt in gewisser Weise den Eindruck, dass die IGGÖ gleichzusetzen ist mit den Systemen die in Teilen von islamischen Ländern herrschen.

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tomtitan
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Dann googeln's einfach mal - Einfluss der Türkei

und des Weiteren sind die Muslimbrüder auch nicht fern...

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Balrog206
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Ja

die Iggö usw sind natürlich komplett unabhängig von ihren Herkunftsländern 🙈

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X22
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@ Tom+Bal Es geht nicht um Parteiergreifung für eine Seite, sondern um den Diskurs

Da der IGGÖ als Körperschaft öffentlichen Rechts, die offizielle Vertretung und zuständig Stelle für Glaubensangelegenheiten der in Österreichlebenden Muslime ist, soll man diese auch mit einbinden, genau dies habe ich damit gemeint.
Ums vergleichend hinzuschreiben, wenns um Belange der gesamten katholischen Kirche geht, wird man nicht nur einige private Meinungen einer kleinen Gruppe als Maß der Dinge ansehen, sondern die katholische Kirche damit konfrontieren.
Und wie schauts mit der Unabhängigkeit der katholischen Kirche aus

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adabei11
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Kopftuch

Und wie schauts mit der Unabhängigkeit der katholischen Kirche aus
Wer ist von der Kirche abhängig?

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tomtitan
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Sie haben recht, auch die katholische Kirche wird gesteuert

Und zwar vom Vatikan :-)))

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X22
2
2
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a gehts um die "Körperschaft des öffentlichen Rechts"

Egal welchen von beiden Glaubensrichtungen man nimmt, jede ist nach österreichischem Recht, die juristische Person, die rechtlich gesehen der Ansprechspartner ist und
b ich bin nicht der Ansprechpartner für die Kirche, ich habe nur die Frage gestellt

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Irgendeiner
17
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Also meine Damen,erstens einmal werd ich hier grundsätzlich kein

bodenständiges Kleidungsstück verbieten lassen,auch wenn einer drüber rotzfrech gelogen hat und zweitens meine Damen,lassen wir auch keine Agnostiker und Atheisten entscheiden, ob am Rosenkranz gewuzzelt werden darf, das Ergebnis wäre nämlich bei jungen Feuerköpfen absehbar,hab ich übrigens auchmal so gedacht.Der Weg des liberalen Rechtstaates ist eben, niemanden was zu verbieten das niemandem anderen was tut,über den Körper drappieren soll sich jeder was er will, das geht andere nichts an, daß Erwachsene nicht gezwungen werden dürfen sichert der Rechtsstaat, außer in Berufen wo es einen schwer idiotischen Zwang zum Kulturstrick gibt,warum auch immer.Und wenn sie Minderjährige ansprechen reden sie vom Elternrecht und wenn sie das in ihrem Bereich aushöhlen tun sie es auch in meinem und die Büchse der Pandora ist offen,was meine Kinder anziehen und was nicht war stets Sache ihrer Eltern, da werden mir irgendwelche taulosen Bastis auch nicht reinpfuschen.Halten Sie sich an die Regeln, sie tragen was sie wollen und andere tuns auch.

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clawjelly
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In Österreich

wurden schon viele Gesetze gegen den Protest der katholischen Kirche durchgesetzt. Daran werden sich auch Muslime gewöhnen müssen, wenn sie hier leben möchten. Willkommen in der säkulären Demokratie.

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Irgendeiner
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Addendum:Kleiner Hinweis für die Strichler,

ihr habt Vorderextremitäten mit Phalangen dran und vor Euch liegt eine Tastatur mit vielen Buchstaben und Ziffern,kombiniert das.Und werft vorher das an was Aristoteles für ein Kühlorgan des Körpers hielt, er soll doch unrecht behalten, nicht,man lacht.

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Irgendeiner
14
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Addendum II:Ach ja,man wird nicht verstanden,

das schmerzt so, einsam stricheln meine Glieder sozusagen. Grundsätzlich ist es ja so, daß ein Diskussionsforum dem Meinungsaustausch dient,meine kennt ihr aber ich hab so Sehnsucht nach Eurer,weil mir das Rot zeigt ihr wollt mir nicht so recht folgen.Ist ja nur ein alter Mann,also, einen Ruck geben.

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Balrog206
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Du

Hast schon recht bzgl persönlicher Freiheit der Kleidung , aber sehr oft sind diese halt nicht frei in ihren Entscheidungen ! Warum haben die Reichen schicki Micky Araber Damen über ihren sünd teuren Designer Klamotten einen Schwarzes Leintuch an ? Weil sie es so hübsch finden ?

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Irgendeiner
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Ich protestiere gegen die Löschung meines Postings das reine und ausschließlich wahre Sachverhalte enthielt,

über mich,über den ich immer alles und jedes sagen kann weil ich mich selbst nicht beleidigen, herabsetzen oder verspotten kann,über die Tradition von Kleidungstücken und was wir hier so tragen oder anderswo, Fundoshi ist nichts ehrenrühriges, da kann man auch nachsehen.Und wenn ich gefragt werde, dann antworte ich und auch noch auf genau die Frage, das nennt man Kommunikation und ich jedenfalls kann das ohne daß meine Nerven auslassen.Ist die Gelassenheit des Alters.

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wjs13
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Die Islamisten und Linken die die eigenartige Textilie verteidigen

sollen einmal die Stelle im Koran zeigen auf die sie sich berufen

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schteirischprovessa
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Diese Stelle wird gut 1300 Jahre gesucht,

wurde aber bis heute nicht gefunden.
Das Verschleierung von Frauen hat genau so wenig mit Mohammed zu tun wie der Zölibat mit Jesus.

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gerhardkitzer
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Schön am Köcheln halten.

Die ÖVP hat offensichtlich Interesse daran, dass das eher sekundär wichtige Thema am Köcheln gehalten wird. Die "Hausblätter" spielen brav mit.

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Irgendeiner
6
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Naja,Basti hat nichts anderes,

aber stellen tut er sich nicht,keinen Tau, das genau,wie immer halt.

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