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Indische MondlandemissionKontakt zu Raumsonde Chandrayaan-2 abgebrochen

Chandrayaan-2 sollte am Samstag auf dem Südpol des Erdtrabanten landen.

Die Raumsonde Chandrayaan-2 sollte am Samstag auf dem Südpol des Erdtrabanten landen
Die Raumsonde Chandrayaan-2 sollte am Samstag auf dem Südpol des Erdtrabanten landen © APA/AFP/Manjunath Kiran
 

Die indische Mission zur Landung auf dem Mond steht offenbar vor dem Scheitern. Wie die indische Raumfahrtagentur in der Nacht auf Samstag mitteilte, ist der Kontakt zur Raumsonde Chandrayaan-2 abgebrochen. Der Orbiter hätte am Samstag auf dem Südpol des Mondes landen sollen. Indien will das vierte Land nach den USA, Russland und China werden, dem eine Mondlandung gelingt.

Der indische Premierminister Narendra Modi, der in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) mit seinen Wissenschaftlern mitfieberte manifestierte indes: "Unsere Entschlossenheit den Mond zu erreichen, wurde noch stärker."

Die unbemannte Sonde war am 20. August nach einer vierwöchigen Reise durch das Weltall in die Mondumlaufbahn eingetreten. Indien entwickelte nahezu alle Komponenten der "Chandrayaan-2"-Mission selbst. Die Kosten dafür waren mit umgerechnet rund 126 Millionen Euro im Vergleich zu anderen Mondprogrammen niedrig. Das Weltraumprogramm Indiens gilt als besonders kostengünstig - unter anderem wegen vergleichsweise niedriger Lohnkosten - und viele Satelliten anderer Länder werden von dort aus ins All geschossen.

Bei Indiens erster Mondmission im Jahr 2008 hatte die Sonde "Chandrayaan-1" den Erdtrabanten lediglich umkreist, war aber nicht gelandet.

Mission teilweise erfolgreich

Trotzdem - ein Teil der unbemannten 142 Millionen Dollar-Mission (rund 126 Millionen Euro) "Chandrayaan-2" war laut den Wissenschaftern erfolgreich. Der Orbiter fliege um den Mond, sende Bilder und mache Messungen - ähnlich wie die erste indische Mondsonde "Chandrayaan-1", die wichtige Daten zu Wasser auf dem Erdtrabanten lieferte. "Daher kann man sagen, dass das indische Satellitenprogramm durchaus stabil läuft", sagte Professor Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Landungen auf fremden Himmelskörpern seien besonders schwierig und in die Landung könne man von der Erde aus kaum eingreifen. "Der Bordcomputer muss hier die gesamte Steuerung übernehmen", sagt Jaumann. Dieses Jahr war im Frühling eine israelische Sonde beim Landeversuch auf dem Mond nach einem technischen Fehler zerschellt.

"Space Race" wie im kalten Krieg?

Indien und Israel sind mit ihrem Traum auf dem Mond zu landen nicht allein: Auch China, Japan, Südkorea, die europäische Raumfahrtagentur ESA, die USA und Russland arbeiten daran, Missionen zum Mond zu schicken - 50 Jahre nachdem der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch dort stand. Die technisch hoch komplexe Landung zu meistern, bringe viel Prestige, sagt der indische Sicherheitsexperte Ajey Lele vom Institut for Defence Studies and Analyses.

Eine Mondmission könne außerdem viele andere technische Entwicklungen vorantreiben - etwa für den Alltag, so Jaumann. Bei ihren Apollo-Missionen entwickelten NASA-Forscher etwa den Strichcode, den wir in jedem Supermarkt benutzen, weil sie beim Raketenbau jedes Teil klar identifizieren mussten. Auch könne die Forschung auf dem Mond künftigen Generationen viel bringen - beispielsweise weil es dort Rohstoffe gebe, sagte Lele.

Wenn sich Länder zunehmend für Weltraumtechnologie interessieren, gibt es wieder ein "Space Race" wie damals im Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion? Die Gefahr eines Wettrüstens bestehe, sagte Weltraumexpertin Rajeswari Pillai Rajagopalan von der indischen Observer Research Foundation.

Wenn im Weltraum Krieg herrscht

Weltraumtechnologie könne oft auch militärisch verwendet werden. Einige Experten, etwa in der NATO, fürchten, dass Kriege künftig auch im Weltraum entschieden werden könnten - etwa mit Angriffen auf strategisch wichtige Satelliten oder mit einem Einsatz von Waffen im All.

Länder, die es erfolgreich auf den Mond schafften, hätten ihre Fähigkeiten für Weltraumkriege erheblich ausgebaut. Indien testete zuletzt im Frühjahr durch das Abschießen eines eigenen Satelliten erfolgreich eine Anti-Satelliten-Rakete. Auch der dadurch entstandene Weltraumschrott wird als Gefahr gesehen. Teile könnten zum Beispiel die Internationale Raumstation ISS beschädigen.

Bei Indiens Mondmission "Chandrayaan-2" geht es aber nach Einschätzung vieler Experten um die zivile Raumfahrt. "Chandrayaan" bedeutet auf Sanskrit "Mondfahrzeug". Daneben hat das Land noch weitere ehrgeizige Weltraumpläne und diese werden nach Einschätzung des Sicherheitsexperten Lele vom jetzigen Rückschlag kaum beeinträchtigt: 2021 will Indien Astronauten ins All schicken. Und später soll es eine Mission zur Venus und eine eigene Weltraumstation geben.

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