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Bub vor Zug gestoßenMann hat selbst drei Kinder und wurde gesucht

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat im Fall eines vor einen Zug gestoßenen Buben Haftbefehl wegen Mordes beantragt.

Der Verdächtige nach der Haftvorführung nach der tödlichen Attacke in Frankfurt
Der Verdächtige nach der Haftvorführung nach der tödlichen Attacke in Frankfurt © (c) APA/dpa/Christoph Reichwein (Christoph Reichwein)
 

Nach der tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof geht die Suche der Ermittler nach dem Motiv des Tatverdächtigen weiter. Der 40-Jährige aus Eritrea, der am Montag einen achtjährigen Buben vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestoßen haben soll, wird laut Staatsanwaltschaft Frankfurt die Untersuchungshaft beantragt. Bisher hat er sich nicht zu dem Fall geäußert, erklärte die Ermittlungsbehörde.

Der Beschuldigte schweige bisher zu der Tat. Täter und Opfer hätten sich nicht gekannt. Ein Test habe zudem ergeben, dass der Mann keinen Alkohol getrunken habe. Es gebe auch keine Hinweise auf Drogen und keine Erkenntnisse über eine Verbindung zu einer Tat im hessischen Wächtersbach. Dort hatte ein Deutscher offenbar aus rassistischen Motiven einen Eritreer mit einem Bauchschuss schwer verletzt und sich anschließend selbst getötet.

Näheres zum Täter

Der mutmaßliche Täter vom Frankfurter Hauptbahnhof hat bis zuletzt im Kanton Zürich in der Schweiz gelebt. Wie die Schweizer Polizei am Dienstag mitteilte, war der Mann mit eritreischer Staatsbürgerschaft im Besitz einer Niederlassungsbewilligung. Eine Niederlassungsbewilligung wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht. Er ist verheiratet und hat selbst drei Kinder.

Wie nun bekannt wurde, wird der Mann von der Schweizer Polizei gesucht. Er habe seine Nachbarin mit einem Messer bedroht, gewürgt und eingesperrt und sei dann geflohen. Daraufhin sei er in der Schweiz zur Festnahme ausgeschrieben gewesen, gaben die deutschen Behörden am Dienstagnachmittag bekannt.

"Er war auch im Vorfeld mit entsprechenden Delikten bereits in der Schweiz auffällig", sagte der deutsche Bundespolizeipräsident Dieter Romann am Dienstag in Berlin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Holger Münch, Präsident des deutschen Bundeskriminalamts (BKA). 

"Er besitzt seitdem in der Schweiz die Niederlassungsbewilligung der Kategorie C, das heißt gut integriert", sagte Romann. Der Verdächtige sei einer festen Arbeit nachgegangen, "aus Sicht der Ausländer- und Asylbehörden in der Schweiz vorbildlich". Der Mann sei in Publikationen sogar als Beispielfall gelungener Integration genannt worden, sagte Innenminister Horst Seehofer.

Seehofer will sich "angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" am Dienstag in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden beraten. Bei dem Treffen soll es nach dpa-Informationen neben der Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof auch um Angriffe und Drohungen gegen Vertreter der Linkspartei gehen, um Bombendrohungen gegen Moscheen sowie den rassistisch motivierten Angriff auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach.

Wie eine Polizeisprecherin über den Frankfurter Fall sagte, hatte ein Mann Zeugenaussagen zufolge den Achtjährigen und seine Mutter in der Früh am Bahnsteig vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Das Kind wurde von dem Zug erfasst und erlitt tödliche Verletzungen. Der Tatverdächtige flüchtete zunächst, wurde aber von Passanten verfolgt und später von der Polizei außerhalb des Bahnhofs festgenommen.

Sicherheitskonzepte der ÖBB

Ein Delikt wie die Tötung eines Kindes auf dem Bahnhof Frankfurt ist vom Bahnbetreiber nur sehr schwer zu verhindern. Die ÖBB verfügen aber über eine System an Risikoeinstufungen mit darauf ausgelegten Sicherheitskonzepten (z.B. Notrufsäulen an den Bahnsteigen, Videokameras, Sicherheitsbestreifung sowie Security-Personal am Ort). Diese werden stetig Evaluierungen und Verbesserungen unterzogen.

Der mutmaßliche Täter und seine Opfer kannten sich den Ermittlungen zufolge nicht. Die Mutter des Buben wurde in ein Krankenhaus gebracht und notfallmedizinisch versorgt. Die Deutsche Bahn kündigte an, eine Sonder-Telefonnummer zur psychologischen Betreuung für Zeugen des Vorfalls freizuschalten. Der Frankfurter Hauptbahnhof gehört zu den größten Bahnhöfen in Deutschland und wird täglich von fast 500.000 Menschen besucht.

Unfall im Frankfurter Hauptbahnhof
Foto © APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Geschockte Augenzeuge

"Die Leute sind heulend zusammengebrochen", meinte eine Augenzeugin, die in dem einfahrenden ICE 592 aus Düsseldorf saß. Das berichtet die Hessenschau. Mehrere Reisende mussten medizinisch versorgt werden. Der Bahnsteig sei voller Kinder gewesen, sagte die Zeugin dem hr. Eine Schaffnerin, die die Tat aus dem Zug heraus mit ansehen musste, habe geschrien, berichtete die Frau. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an.

Ähnlicher Vorfall endete tödlich

Erst vor etwas mehr als einer Woche hatte ein 28-jähriger Mann am Bahnhof im niederrheinischen Voerde eine 34-jährige Frau vom Bahnsteig vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Die Frau aus Voerde sei am Samstagmorgen ins Gleisbett gestürzt und von dem Regionalexpress überrollt worden, berichtete ein Sprecher der Duisburger Polizei. Trotz der Rettungsbemühungen sei sie noch vor Ort gestorben.

Der 28-Jährige wurde von Zeugen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Er soll noch am Wochenende dem Haftrichter vorgeführt werden. Zu den Hintergründen der Tat konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen. Der Mann stamme aus Hamminkeln und sei polizeibekannt, hieß es. Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Für die Spurensicherung wurde die Bahnstrecke mehrere Stunden lang gesperrt.

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