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Notre-DameAugen auf bei Spenden für den Wiederaufbau

Nach dem Feuer in der Kathedrale ist schon fast eine Milliarde Euro an Spenden eingegangen. Viele Menschen äußern aber auch Kritik in den sozialen Medien.

Abgesperrt und gut bewacht: die teilweise zerstörte Notre Dame
Abgesperrt und gut bewacht: die teilweise zerstörte Notre Dame © (c) APA/AFP/POOL/MICHEL EULER (MICHEL EULER)
 

Bei einem von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron anberaumten Treffen zum Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame haben mehrere Teilnehmer einen sehr ambitionierten Zeitplan von fünf Jahren als "machbar" eingeschätzt. "Fünf Jahre bis zur Wiedereröffnung von Notre-Dame ist absolut plausibel", sagte etwa der Regierungsbeauftragte für Kulturgüter, Stéphane Bern, nach dem Treffen im Elysée-Palast.

Der Präsident machte die Notre-Dame-Katastrophe zur Chefsache und ernannte den General Jean-Louis Georgelin zu seinem Sonderbeauftragten, um den Wiederaufbau zu beaufsichtigen. Der 41-Jährige empfing am Donnerstag rund 300 Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Polizisten im Elyseepalast. "Das Land (Frankreich) und die ganze Welt haben uns zugeschaut, und Sie waren beispielhaft", sagte Macron laut Nachrichtenagentur AFP.

Hidalgo und Innenminister Christophe Castaner lobten bei einem Festakt vor dem Pariser Rathaus die rund 500 Feuerwehrleute, die am Montagabend eingesetzt waren. Sie habe "Mut ohne Grenzen" gesehen, sagte die Bürgermeisterin. Castaner sagte zu den Feuerwehrleuten: "Sie haben Ihr Leben riskiert, um Notre-Dame zu retten." Die Kathedrale gehöre der ganzen Welt. "Sie wird sich wieder aufrichten." Hunderte Menschen applaudierten Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet.

Es ist weiter unklar, wie lange die Kathedrale geschlossen bleiben muss. Kirchen-Direktor Patrick Chauvet brachte für die Zeit des Wiederaufbaus eine Holzkirche auf dem Vorplatz ins Spiel. "Wir dürfen nicht sagen, die Kathedrale ist für fünf Jahre geschlossen, und das war's", sagte er dem Sender CNews.

Es sei möglich, dass die Kathedrale schon bald wieder geöffnet werde, falls es die Sicherheit des Gebäudes erlaube, sagte eine Sprecherin der Pariser Diözese. Allerdings sei es noch zu früh, um darüber eine verlässliche Aussage zu treffen. Sie reagierte damit auf Spekulationen, wonach der Kirche bis zu sechs Jahre lang geschlossen sein könnte.

Hidalgo zeigt sich zuversichtlich, dass der Wiederaufbau bis 2024 zu machen sei. "Üblicherweise gibt es bei solchen Vorhaben Schwierigkeiten, die nötigen Mittel zusammenzubekommen", sagte sie der römischen Zeitung "La Repubblica". Angesichts der nationalen und internationalen Solidarität existiere dieses Problem bei Notre-Dame allerdings nicht.

Eine Milliarde Euro an Spenden zugesagt

Es kamen bisher annähernd eine Milliarde Euro für den Wiederaufbau aus privaten Mitteln, Stiftungen etc. zusammen.

Mehrere französische Milliardärsfamilien hatten kurz nach dem Brand Spenden über Hunderte Millionen Euro versprochen - darunter die Familien Arnault, Bettencourt und Pinault. Die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine hat eine Spendensammlung gestartet und eine entsprechende Webseite eingerichtet. Sie brach zwischenzeitlich zusammen.

Der Premierminister Edouard Philippe  kündigte einen internationalen Architekten-Wettbewerb für die Instandsetzung der gut 850 Jahre alten Kathedrale an. Dabei soll es um die Neugestaltung des Spitzturms gehen. 

Augen auf bei Spenden für den Wiederaufbau

Wer für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre Dame spenden will, sollte sich vor Betrügern hüten: Darauf weist die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine hin, die offiziell mit dem Spendensammeln betraut ist. Die private Stiftung teilte am Mittwochabend in Paris mit, in Frankreich wie im Ausland versuchten Kriminelle in ihrem Namen, an Geld zu kommen.

Wer eine Mail oder einen Brief im Namen der Fondation du Patrimoine erhalte oder einen Anruf, sitze einem Betrüger auf, warnte die Stiftung. Spenden für Notre-Dame seien außerhalb von Frankreich ausschließlich über die Webseite don.fondation-patrimoine.org möglich, die es auch auf Englisch gibt.

Die Fondation du Patrimoine ist eine von vier Organisationen, die von der französischen Regierung offiziell mit dem Geldsammeln für den Wiederaufbau beauftragt sind. Die Stiftung hat nach dem Großbrand der Kathedrale bereits rund 145 Millionen Euro an Spenden empfangen: Fast 14 Millionen von Privatleuten und weitere 131 Millionen von Unternehmen und großen Mäzenen.

Kritik an Spendenflut

Neben der beispiellosen Solidarität um den Wiederaufbau der verwüsteten Kathedrale wird im Internet aber auch heftig darüber diskutiert. Viele Menschen heißen die Hilfsbereitschaft gut, finden aber, dass die Not von Menschen trotz allem an erster Stelle stehen sollte. 

Auch der Chef der mächtigen Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, kritisierte die Großspenden durch die Milliardärsfamilien Arnault und Pinault, die 200 beziehungsweise 100 Millionen Euro zugesagt hatten. Dies verdeutliche die "Ungleichheit in diesem Land", sagte Martinez.

Kritik wurde auch von Vertretern der "Gelbwesten" laut, die seit fünf Monaten für mehr soziale Gerechtigkeit demonstrieren. "Das gute Gewissen kaschiert nicht das Elend und die Sparpolitik" unter Präsident Macron, schrieb der Aktivist Benjamin Cauchy auf Twitter. Der Arbeitgeberverband Medef nannte es dagegen "lächerlich, alte Steine gegen Menschen aufzurechnen, da diese Steine immerhin die Menschen ernähren".

 

Kommentare (32)

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Stefan123
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ich finde es befremdlich

Wenn es mir ein Anliegen ist, für den Aufbau einer Kirche etwas zu spenden, so ist dies meine persönliche Entscheidung.
Wenn all jene, die sich über diese Spenden so lautstark entrüsten, für die armen Menschen Spenden würden, wäre es schon ein guter Zugang.
Aber Hand aufs Herz, bei den meisten kommt weder da noch dort etwas.
Ach ja; es sollen die REICHEN Spenden!

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KnairolF
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Verzerrte Wahrnehmung

Der Vorwurf Menschen würden für den Wiederaufbau spenden, aber gegen Hunger, oder für Flüchtlinge ist falsch. Als ob nicht schon Aber-Milliarden dafür gespendet worden sind. Es ist eine Tatsache, dass lieber für konkrete Projekte als für bodenlose Fässer gespendet wird. Wenn du 1 Mrd. für den Wiederaufbau einer Kathedrale zahlst, steht nacher eine Kathedrale da. Bei Spenden gegen den Hunger, ist es weit weniger konkret und transparent.

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Church-Hill
1
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Wenn jeder, der kann,

bloß in seiner Nachbarschaft Armen hilft, ist an alle Armen gedacht und niemand muss sich über den Reibungsverlust durch Organisationen (zu recht) aufregen. Den reichen muslimischen Fürstentümern würde es ebenfalls gut anstehen, anstatt die nächste Hotelinsel im Meer mit vergoldetem Interieur zu bauen, den in Not geratenen Glaubensbrüdern zu helfen.

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gerbur
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@KnairolF

Bei solchen Gedankengängen wundert es mich gar nix mehr! Zum Erbrechen!

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hansi01
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@gerbur

im afrikanischen Kontinent werden Kinder entführt, in Bruchbuden untergebracht dann Hilfsorganisation erschaffen um Geld zu organisieren welches diese Kinder nie sehen werden. Keiner sagt dazu was, denn mit diesem Geld werden Waffen gekauft

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bluebellwoods
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Wahrzeichen

Ich denke, dass es der größeren Menge an Spendern eher um den Erhalt eines Wahrzeichens und weniger um den religiösen Bezug geht.
Und - egal wie man zu Kirche steht - aber in vergangenen Jahrhunderten wurden wechselnde Baustile vorwiegend an Kirchen präsentiert, was sie zu einem enormen Kulturgut macht, dessen Erhalt wichtig ist.

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differentialrechnung
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Vielschichtig.

Notre Dame symbolisierte etwas, das es nicht mehr gibt: das (christliche) Abendland. Ein "Wiederaufbau" gliche dem "getünchten Grab", oder dem Produkt eines "funeral parlors" im Stil des "sieht aus, als lebte er/sie". Weiteren Verfall verhindern (auch schwierig und teuer nur weniger spektakulär), schiene mir eher der Situation zu entsprechen.

Über die Sinnhaftigkeit bloßer "Spendet für die Armen" Aktionen kann man auch unterschiedlicher Meinung sein.

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schadstoffarm
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da will einer eine

Bauruine im Herzen von Paris.

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tturbo
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Kleinkariertes Denken

Wenn Private in drei Tagen eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen, dürfte es den Franzosen ein Anliegen sein, dass dort eine Kirche steht. Würde in Wien der Stephansdom abbrennen, werden sie ihn auch wieder aufbauen. So wie die Sophiensäle in der Hofburg.

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rubberduck34
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Bereits passiert

Ist beim Stefl ja bereits passiert. Den hats 1945 viel ärger erwischt als nun Notre Dame de Paris.
Und damals gabs in Österreich mehr arme als heute in Frankreich.

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AnOnYm10
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Hmm

Schön, jetzt habt ihr über dieses Notre-Dame genug berichtet.

Es brennt dieses Gebäude ab, alle Medien der Welt stürzen sich darauf und berichten vor Ort, die besten Livebilder, Livevideos, Interviews usw. die besten Berichte kratzt Ihr zusammen. Jeder weiß gleich: was wie wo wer

Frage:
Wo sind die Livebilder, Livevideos Interviews und Berichte, was sonst so in Frankreich abgegangen ist in den letzten 4 bis 8 Monaten???
Oder täusche ich mich und ist dieses Notre-Dame das einzige Problem das die Franzosen zur Zeit haben??

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Planck
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Das Spiel läuft immer gleich ab.

Wenn es irgendwas gibt, was einer für unnötig erachtet, sei es die bemannte Raumfahrt, seien es Forschungsgelder für eine 'Weltuntergangsmaschine' wie den LHC undsoweiteradinfinitum-- immer fällt dann irgendwem der Hunger in der Welt ein.
Das mag ja richtig sein, aber das Interesse an den Baustellen dieser Erde ist immer nur punktuell und zeitlich sehr begrenzt.
Wäre das nicht so, dann würde man auch den Rest des Jahres darauf drängen; und man würde zum Beispiel einmal fragen, wie es sein kann, dass Aktienmärkte täglich Milliarden scheffeln, einfach dadurch, dass sie (virtuelles) Geld zwischen den einzelnen Börsen hin- und herschieben. Und so weiter.
Dann käme man drauf, dass Ghandi recht hatte, als er sagte, die Welt habe genug für die Bedürfnisse aller, aber weit zu wenig für die Gier einiger weniger.

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Church-Hill
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Auch das ist ein alter Hut.

Schon vor Jahrhunderten kam es in erster Linie darauf an, das Vorhandensein von ausreichend Geld vorzutäuschen und dafür zu sorgen, dass es immer, wenn einer nachschaut, gerade auf dem richtigen Platz ist.

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gerbur
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@Planck

Da habens schon recht, nur die angeführten Beispiele Raumfahrt und LHC haben bis jetzt immer noch teils indirekt konkrete, für die Menschheit nutzbare Ergebnisse gebracht. Zumindest die Chance auf Linderung der Not und des Hungers in der Welt besteht durch Forschung auf diesem Level, Spenden für den Wiederaufbau einer Kathedrale haben dieses Potential eher nicht.

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DavidgegenGoliath
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@gebur

Sie können ihr gesamtes Geld für die Armen spenden, ich hoffe sie tun es.
Was aber andere Menschen mit ihren Geld machen, soll nicht ihre Sorge sein!

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Church-Hill
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Den Hunger in der Welt

hätte man schon längst beseitigen können.

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Planck
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*Soifz*

Es gibt Dinge, die keinen 'Nutzen' im utilitaristischen Sinn haben, aber trotzdem von 'Wert' sind.

Wenn Sie scharf nachdenken, fällt sicher sogar Ihnen etwas ein, worauf diese Beschreibung passt ...

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gerbur
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@planck

Ja schon, dass z.B. der Wert eines Menschenleben nicht von seiner Dauer abhängt! Und das dürfte erst recht für die Lebensdauer eines Gebäudes zutreffen.

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Planck
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Na wunderbar.

Aber wissen S', es is wurscht.
Weil Notre Dame wieder aufgebaut wird, was ich für wichtig halte und Sie nicht.
Punkt, des war's.
Ändert exakt null an der Realität.

Also hören S' auf, herumzumaulen und kümmern Sie sich um den Hunger in der Welt, das ist nämlich auch äußerst wichtig.
E.o.d.

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Church-Hill
3
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Es geht nicht darum,

Notre Dame nicht mehr aufzubauen, im Gegenteil. Die sozialen Aspekte darf man aber nicht außer Acht lassen.

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gerbur
9
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@Planck

Bitte nicht, mir macht langsam die Begegnung mit einer Sauertopf Mentalität Freude! Erinnert mich an meinen Religionsunterricht!

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77ebb8cbcdcaeb9db3ad652831220f4b
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Da will Macron doch glatt auskommen mit seinen Zusicherungen für Arme!

So gehts nicht, Emanuel! Nutzt die Gunst der Stunde, hängt sich voll rein in den Brand und sagt dem französischen Volk direkt ins Gesicht: „Jetzt haben wir was wichtigeres zu tun, als euch zu helfen.“ so nicht!

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fred4711
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super....für die künftig beteiligten

firmen....die wissen schon vor Baubeginn genau, was sie dafür verlangen können....hätte ich als baumensch auch immer gern gehabt....

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eleasar
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Man sollte nicht den Faktor "Hoffnung" unterschätzen,

den der Wiederaufbau der Kathedrale gerade auch zu den Menschen am Rande bringt. Man muss ja nur mal schauen, wer alles spendet. Es sind nicht nur die Reichen. Auch die ehemaligen Kolonien Frankreichs, wie die Elfenbeinküste, beteiligen sich - also vergleichsweise arme Länder. Und wohl auch viele kleine Einzelspender. Leider fehlen hier noch die genauen Zahlen.

Aber das hat eine tiefe Symbolik! Jeder Einzelne kann sich hier an etwas beteiligen, das größer ist als sie/er selbst. Und wird dadurch gewissermaßen ein vollwertiger Teil der Gesellschaft. Denn der Akt des Gebens birgt in sich eine große Würde. Wer gibt, verlässt seine Opferrolle und wird zum aktiven Gestalter. Und jeder kann etwas geben.

Es geht auch gar nicht um den Betrag, den man spendet. Wenn ein Reicher viele Millionen spendet, sieht das spektakulär aus, es tut ihm aber nicht wirklich weh. Wenn ein Sozialhilfeempfänger von seinem wenigen gibt, hat das einen anderen Stellenwert. Nicht umsonst lobt Jesus die arme Witwe, die nur zwei kleine Münzen in den Opferkasten wirft. Das war geldmäßig gar nichts. Aber es war alles, was sie hatte. Es geht um die Herzenshaltung. Der Wiederaufbau ist vielen ein Herzensanliegen. Die Möglichkeit der Beteiligung sollte ihnen nicht genommen werden.

Und natürlich muss man den Armen helfen. Aber wie Jesus gesagt hat: Die Armen haben wir immer bei uns und wir können ihnen Gutes tun, so oft wir wollen. Der Wiederaufbau einer so einmaligen Kathedrale ist aber relativ selten.

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Balrog206
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Eleasar

Die Elfenbeinküste hat den Franzosen wohl oder übel schon genug gegeben !
Das ein armes Land etwas spendet , damit wir das dann besichtigen können ist schon etwas abartig !

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gerbur
27
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Wie bitte?

"...wird dadurch gewissermaßen ein vollwertiger Teil der Gesellschaft". In welchem Jahrhundert leben Sie eigentlich?
Dieses schwulstige Gesülze ist eine Beleidigung für einen aufgeklärten Menschen!

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