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15 Menschen starbenZehn Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden

Am Vormittag des 11. März 2009 war ein ehemaliger Schüler in die Albertville-Realschule eingedrungen und hatte mit der Pistole seines Vaters ein Blutbad angerichtet.

Zehnter Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden
Zehnter Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden © (c) APA/dpa/Sebastian Gollnow (Sebastian Gollnow)
 

Die Bewohner der Stadt Winnenden nahe Stuttgart gedachten am Montag zum zehnten Mal den Opfern des Amoklaufs. Am Vormittag des 11. März 2009 war ein ehemaliger Schüler in die Albertville-Realschule eingedrungen und hatte mit der Pistole seines Vaters ein Blutbad angerichtet. 15 Menschen starben, ehe sich der 17-Jährige selbst erschoss.

Amoklauf

Der ehemalige Schüler Tim K. war in die Schule eingedrungen und hatte mit der Waffe seines Vaters während des Unterrichts acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen ermordet. Auf seiner mehrstündigen Flucht nach Wendlingen erschoss der 17-Jährige drei weitere Menschen. Nachdem er von der Polizei gestellt wurde, beging K. Selbstmord.

Die Grausamkeit der Tat wurde deutlich, als während der Pressekonferenz in der Schulsporthalle der damalige Innenminister Heribert Rech (CDU) und Landespolizeipräsident Erwin Hetger vor laufenden Kameras in Tränen ausbrachen. Was sie gesehen hatten, verschlug ihnen fast die Sprache. Die Szenen seien mit nichts vergleichbar, was er in seinen Jahren als Polizeibeamter sah, sagte er heute. "Es gibt Nächte, in denen ich wach werde und ich bin in Winnenden."

Zehnter Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden
Zehnter Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden Foto © APA/dpa/Sebastian Gollnow

Denn im Schulgebäude saßen zu diesem Zeitpunkt noch acht Schülerinnen in ihren Bänken, mit tödlichen Kopfverletzungen, ein weiterer ermordeter Schüler war von seinem Sessel gerutscht. Eine Lehrerin lag tot in einem Fachraum, nachdem Kugeln dessen Tür durchschlagen hatten. Zwei Referendarinnen waren tot zusammengesunken im Gang, vermutlich weil sie dort nach dem Rechten sehen wollten. Elf Schüler sowie zwei Lehrerinnen wurden verletzt.

Doch nicht nur in der Schule wütete der 17-Jährige, auf seiner Flucht erschoss er einen Gärtner in einem Park, kidnappte einen Autofahrer, tötete schließlich in einem Wendlinger Autohaus zwei Menschen, verletzt zwei Polizisten schwer, bevor er sich selbst das Leben nahm.

Nach der Tat drehte sich die öffentliche Diskussion vor allem um den Täter, seine Motive und wie er so leicht Zugang zu der Beretta hatte, mit der er schon im Sportschützenverein seines Vaters trainiert hatte. Diese Waffe hatte der Vater im Kleiderschrank unverschlossen deponiert. Die Munition wurde im Nachtisch gelagert. Tim K. führte zu Beginn des Amoklaufs 285 Kugeln mit sich. Anfang 2013 wurde der Vater des Amokläufers deshalb unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Nach dem Amoklauf wurden die deutschen Waffengesetze mehrfach verschärft. Knapp fünf Monate nach der Tat trat Ende Juli 2009 ein rigideres Waffenrecht in Kraft. Waffenbesitzer müssen nun mit unangekündigten Kontrollen rechnen. Ohne konkreten Verdacht kann geprüft werden, ob die Waffen sicher gegen fremden Zugriff aufbewahrt sind. Ist das nicht der Fall, drohen höhere Strafen als zuvor - möglich sind seither bis zu drei Jahre Gefängnis.

Im Zuge der Waffengesetz-Änderung stieg 2009 die Altersgrenze von 14 auf 18 Jahre, um mit Großkaliberwaffen schießen zu dürfen. Ein von Winnenden-Hinterbliebenen gefordertes komplettes Verbot, Schusswaffen in Privatwohnungen aufzubewahren, gibt es nicht.

 

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