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155 Datenträger vermisstSkandal um verschwundene Beweise nach Missbrauch auf Campingplatz

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe sollen über Jahre mindestens 31 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren missbraucht und gefilmt worden sein.

Spurensucher auf dem Campingplatz in Lügde
Spurensucher auf dem Campingplatz in Lügde © APA/dpa/Christian Mathiesen
 

In Deutschland tobt ein Streit um verschwundene Beweisstücke nach einem massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen). Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) erhebt Vorwürfe gegen die nordrhein-westfälische Landesregierung. "Seit mehreren Jahren weisen meine Kollegen in Lippe darauf hin, dass sie am Limit arbeiten", sagte Vorsitzender Sebastian.

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe sollen über Jahre mindestens 31 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren missbraucht und gefilmt worden sein. Drei Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass in der Kreispolizeibehörde Lippe mit Sitz in Detmold schon seit Wochen Beweismaterial verschwunden ist. Ein Alukoffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern würden vermisst, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) und sprach von "Polizeiversagen". Die rot-grüne Landtagsopposition kündigte eine Sondersitzung des Innenausschusses in der nächsten Woche an. Die SPD sieht in dem Ermittlungsskandal sogar genug Stoff für einen weiteren parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

"Kripo ist ausgeblutet und liegt am Boden"

BDK-Chef Fiedler sagte, die Kripo sei ausgeblutet und liege am Boden, im vergangenen Jahr hätten 60 Leute gefehlt. Nun zeige sich, was Personalmangel bedeute.

Mehrere Sonderermittler des Landeskriminalamts sind im Einsatz, um das Verschwinden der Datenträger aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft Detmold teilte am Freitag mit, man gehe davon aus, dass die Asservate aufgrund nachlässigen Umgangs nicht auffindbar seien und nicht entwendet wurden. Ein Diebstahl sei aber nicht auszuschließen.

Nur drei CDs aus dem verschwundenen Beweismaterial seien ausgewertet worden, hatte Reul am Donnerstagabend gesagt. Auf ihnen sei nichts Verdächtiges gefunden worden. Ob auf den CDs und DVDs mit insgesamt 0,7 Terabyte Datenvolumen kinderpornografisches Material war, sei nicht auszuschließen. "Auch bei der Auswertung ist es zu schweren handwerklichen Fehlern gekommen." Normalerweise müssen von Datenträgern, die als Beweismaterial gelten, Kopien gemacht werden. Aber nur von den drei CDs seien Kopien gezogen worden.

Auch Ermittlungen gegen Polizisten

In dem Missbrauchsfall sitzen ein 56-Jähriger aus Lügde, ein 33-Jähriger aus Steinheim (Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen) und ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von Kinderpornografie in Untersuchungshaft. Das noch vorhandene Material reiche aus, um die Verdächtigen zu überführen, so Reul.

Zusätzlich zu den Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen und mehrere Jugendämter wird auch gegen eine Polizeibeamtin und einen Beamten wegen Strafvereitelung ermittelt. Bereits 2016 sollen zwei Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei der Polizei Lippe eingegangen sein. Die Beamten leiteten die Hinweise lediglich an das Jugendamt weiter. Weitere Schritte blieben aus.

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