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InitiativeTürken kaufen U-Bahn-Tickets mit Plastikmüll

Auf dem Umweltindex des Yale Zentrums für Umweltrecht und Politik landet das 81-Millionen-Einwohner-Land nur auf Platz 108 von 180. Das soll sich ändern.

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© (c) APA/AFP/BULENT KILIC
 

Seit kurzem gibt es in der Istanbuler Metro neue Automaten, in die Kunden leere Flaschen und Dosen werfen können, um ihre elektronischen Fahrkarten aufzuladen. Für ein großes Sackerl voll Leergut bekommt man so eine Freifahrt.

"Ich bringe jeden Tag meine Plastikflaschen, früher hätte ich sie in den Müll geworfen", sagt die Rentnerin Tulay Gercek, während sie an der U-Bahnstation Sishane Dosen und Flaschen in den Automaten steckt. "Dies ist ein sehr gutes Projekt. Es sollte mehr davon geben."

Bisher stehen die Flaschenautomaten in der Bosporus-Metropole nur an drei U-Bahnstationen, doch will die Stadtverwaltung das Pilotprojekt bald ausweiten. Umweltaktivisten fordern schon lange von der Regierung, mehr fürs Recycling zu tun und die Gesamtmüllmenge zu reduzieren. Bisher landet ein viel zu großer Teil des Mülls ungenutzt unter der Erde, wenn er nicht gar wild in der Natur oder im Meer entsorgt wird.

Nach zwölf Minuten im Müll

Laut Oya Güzel von der Stiftung Cöpüne Sahib Cik (Kümmere Dich um Deinen Müll) werden von den jährlich 31 Millionen Tonnen Müll in der Türkei nur elf Prozent recycelt. Auf dem Umweltindex des Yale Zentrums für Umweltrecht und Politik landet das 81-Millionen-Einwohner-Land auf Platz 108 von 180. Auf den ersten Plätzen liegen die Schweiz, Frankreich und Dänemark.

"Wir verschmutzen die Erde mit Plastik, Metall und Glas, das auf Jahre in der Natur bleibt", beklagte Güzel. Ihr Ziel sei, binnen fünf Jahren die Recyclingquote auf 35 Prozent zu steigern. Dies sei zwar auch noch niedrig, wäre aber eine Verbesserung. "Wir benutzen Plastiktüten im Schnitt für zwölf Minuten", kritisierte Güzel. Danach landeten sie im Müll. Die Verbraucher müssten zusehen, dass sie auf Einwegware verzichteten.

Bisher steht Umweltpolitik bei der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht sehr weit oben auf der Agenda, doch immerhin hat Umweltminister Murat Kurum angekündigt, ab Jänner 2019 eine obligatorische Abgabe auf Plastiksackerl einzuführen, wie es sie in europäischen Ländern längst gibt. Laut Kurum soll damit langfristig der jährliche Plastiktütenverbrauch von 440 Stück pro Kopf auf 40 reduziert werden.

In einer Recyclinganlage der städtischen Müllabfuhr in Istanbul trennen Arbeiter per Hand den Abfall. Bioabfälle werden kompostiert und zur Düngung der städtischen Parks und Grünanlagen verwendet, Plastik, Papier und Glas werden wiederverwertet. Der Chef der Anlage, Ibrahim Halil Turkeri, fordert von den Bürgern aber mehr Engagement bei der Mülltrennung, um die Wiederverwertung zu erleichtern.

Keine Tonnen

Mehr und besseres Recycling würde auch der Firma Istac helfen, die organische Abfälle verbrennt, um daraus Strom zu gewinnen. "Im vergangenen Jahr haben wir sieben Millionen Tonnen Abfall entsorgt und 400 Millionen Kilowattstunden Elektrizität gewonnen", sagt der Umweltingenieur Ahmet Hamdi Zembil. Dies reiche für 1,2 Millionen Einwohner. Würde der Müll besser sortiert, wäre die Arbeit aber noch effizienter.

Zumeist fehlen in Istanbul zur Mülltrennung allerdings die Tonnen. In vielen Vierteln gibt es nur einen Container für alles, und oft wird der Müll direkt am Straßenrand abgelegt. Einen wichtigen Beitrag zum Recycling leisten da die informellen Müllsammler, die mit ihren Handkarren durch die Straßen ziehen, um Plastik, Pappe und Glas einzusammeln. Besonders in Geschäftsvierteln wird so ein Großteil der Verpackungsreste verwertet.

Sobald die großen Säcke voll sind, bringen die Müllsammler sie zu zentralen Sammelstellen, von wo sie zu privaten Recyclinganlagen außerhalb der Stadt transportiert werden. Die Müllsammler, zumeist Roma, afghanische Migranten oder syrische Flüchtlinge, verdienen nur wenige Lira mit ihrer Arbeit, doch für die Recyclingfirmen steckt viel Geld in dem Geschäft. Sie zumindest haben an der Müllvermeidung kein Interesse.

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