AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Klimawandel in SibirienBöden tauen, Gebäude brechen ein

"Nichts, was auf Permafrost gebaut wurde, wurde in der Erwartung gebaut, dass es tauen wird. Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten", warnt das sibirische Permafrost-Institut.

© (c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV
 

Der Stützbalken senkt sich bedrohlich, er droht zu brechen. Das neunstöckige Wohnhaus in der russischen Stadt Jakutsk ist in Gefahr. Nicht nur der Zahn der Zeit nagt an dem maroden Sowjet-Bau. Auch der Temperaturanstieg in dieser klimatisch extremen Permafrostregion setzt Tragwerk und Wänden zu.

Klimawandel allerorts

Jakutsk liegt im tiefsten Sibirien, die Stadt zählt bisher zu den kältesten der Erde. Kaum irgendwo bekommen die Menschen die Folgen des Klimawandels so unmittelbar zu spüren wie hier. Auch von Jakutsk aus blicken sie dieser Tage daher angespannt nach Katowice (Kattowitz), wo es bei der UN-Klimakonferenz (COP24) um konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens geht. Dieses sieht die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Grad vor.

Klimawandel im Permafrost-Gebiet: Es taut in Sibirien

"Nichts, was auf Permafrost gebaut wurde, wurde in der Erwartung gebaut, dass es tauen wird. Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten": Forscher vom Melnikow Permafrost-Institut bringen auf den Punkt, was offensichtlich ist.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Der Temperaturanstieg setzt mittlerweile auch der klimatisch extremen Permafrostregion in Sibirien zu, in der russischen Stadt Jakutsk sind Gebäude in Gefahr.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Russlands Umweltministerium warnte in einem Bericht, dass die Verschlechterung des Zustands der Permafrostböden viele Gefahren für Mensch und Natur berge.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Als arktisches Land ist Russland besonders von der Erderwärmung betroffen. Sie schreitet dort zweimal schneller voran als anderswo.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Rund 65 Prozent des russischen Staatsgebiets haben einen Permafrostboden.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Das Gebiet der Region Jakutien im Nordosten Sibiriens ist fast ausschließlich eine Permafrostbodenregion.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Grad wäre das Mindestziel.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Diese Marke hat Jakutsk längst überschritten. Um zweieinhalb Grad Celsius ist die Durchschnittstemperatur hier allein im vergangenen Jahrzehnt angestiegen.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Viele der Sowjet-Bauten in Jakutsk wurden aus Betonteilen gebaut. Sie stehen auf Pfählen, darunter eine Schicht aus einem Zement-Erde-Gemisch.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Säßen sie direkt auf dem Boden auf, ließe die Wärme übertragende Bodenplatte den Permafrostboden tauen. Das Fundament würde instabil.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Forscher suchen nun nach neuen oder verbesserten Bautechniken und Methoden, um den Boden gefroren zu halten.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

Die Entwicklung zudem bedrohe Grund- und Abwasser, Ölpipelines sowie unterirdische Lager von chemischen, biologischen und radioaktiven Stoffen.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)

"Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten", so Michael Grigorjew, Vizechef des Permafrost-Instituts.

(c) APA/AFP/MLADEN ANTONOV (MLADEN ANTONOV)
1/13

Diese Marke hat Jakutsk längst überschritten. Um zweieinhalb Grad Celsius ist die Durchschnittstemperatur hier allein im vergangenen Jahrzehnt angestiegen, wie die Wissenschafter am Melnikow Permafrost-Institut sagen. Weil die Böden langsam auftauen, beginnen Gebäude zu wanken. "Seit dem Vorjahr hat das Haus Schlagseite und sich um 40 Zentimeter geneigt", sagt Eduard Romanow neben dem Wohnblock mit dem gefährdeten Stützbalken. "Es besteht die Gefahr, dass es sich weiter neigt", sagt der Bauarbeiter und Umweltschützer. Schon mussten mehrere Gebäude in der Stadt abgerissen werden, andere sind übersät mit Rissen.

Die Forscher vom Melnikow-Institut sehen die Entwicklung mit Sorge. Noch vor zwei Jahrzehnten gab es in der 300.000 Einwohner zählenden Stadt und der Region schulfrei, wenn die Temperaturen auf minus 55 Grad fielen. Doch das kommt kaum noch vor. Viele der Sowjet-Bauten in Jakutsk wurden aus Betonteilen gebaut. Sie stehen auf Pfählen, darunter eine Schicht aus einem Zement-Erde-Gemisch. Säßen sie direkt auf dem Boden auf, ließe die Wärme übertragende Bodenplatte den Permafrostboden tauen. Das Fundament würde instabil.

Doch nun lassen steigende Temperaturen im Sommer den Boden tauen. Alles sackt ab, was auf ihnen steht. "Ganz Jakutsk ist in Gefahr", warnt Romanow. "Die Eigentümer sind in Gefahr, ihren Besitz zu verlieren, und niemand ist darauf vorbereitet." Diese Probleme nähmen in Zukunft zu. "Wir müssen sie bereits heute angehen." Der Vizechef des Permafrost-Instituts, Michael Grigorjew, sagt: "Nichts, was auf Permafrost gebaut wurde, wurde in der Erwartung gebaut, dass es tauen wird. Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten."

Russlands Umweltministerium warnte dieses Jahr in einem Bericht, dass die Verschlechterung des Zustands der Permafrostböden viele Gefahren für Mensch und Natur berge. Die Entwicklung bedrohe Grund- und Abwasser, Ölpipelines sowie unterirdische Lager von chemischen, biologischen und radioaktiven Stoffen. Als arktisches Land ist Russland besonders von der Erderwärmung betroffen. Sie schreitet dort zweimal schneller voran als anderswo. Rund 65 Prozent des russischen Staatsgebiets haben einen Permafrostboden. Das Gebiet der Region Jakutien im Nordosten Sibiriens ist fast ausschließlich eine Permafrostbodenregion.

Schwund an der Küste

Fünfmal so groß wie Frankreich, hat Jakutien auch eine lange Atlantikküste. Auch dort zeigen sich die Probleme. Die arktische Küste verliere jährlich rund zwei Meter, sagt der Regionalpolitiker Wladimir Prokopjew. Die Region ist die erste in Russland, die ein Gesetz zum Schutz des Permafrosts erließ. In Moskau versuchen Regionalpolitiker das Problembewusstsein der russischen Regierung zu schärfen. Doch Prokopjew beklagt deren Zögerlichkeit. "Wir brauchen ein nationales Gesetz", fordert er.

In Jakutsk forschen die Wissenschafter in ihren unterirdischen Laboren unterdessen an Methoden, die schneller wirken, als die bürokratischen Mühlen mahlen. Sie suchen nach neuen oder verbesserten Bautechniken und Methoden, um den Boden gefroren zu halten. Schon verfügbar sind vertikal in den Boden versenkbare Rohre, die mit Kältemitteln wie Freon oder Kerosin gefüllt sind. Diese frieren nicht und verdunsten bei Kälte, ihr Niederschlag hält den Boden frostig. Die Erderwärmung aufhalten können sie jedoch nicht.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

catdogbeba
0
0
Lesenswert?

Wie

kommt der Mensch auf die irrige Idee, bestimmen zu können, wieviel Grad es irgendwo hat? Selbst wenn wir alle zum Mars fliegen würden, läge es nicht in unserer Macht.

Antworten
umo10
6
4
Lesenswert?

Alles weit weg

Mein Haus steht auf solidem Grund. Mein Auto ist groß genug, dass mir bei einem Zusammenstoß nix passiert. Meinen Urlaub mach ich mit dem Flugzeug. Der Dreck dort stört mich nicht besonders; kann man locker 14 Tage aushalten

Antworten
Mein Graz
1
6
Lesenswert?

@umo10

Ein bisschen schwach als Satire, aber man kannst grad noch so durchgehen lassen.

Antworten
Planck
3
10
Lesenswert?

Der Tanz auf dem Vulkan soll ja auch ein wenig unterhaltsam sein, nicht wahr?

Allein die im Permafrost der Nordhalbkugel gespeicherte Menge an organischem Kohlenstoff wird auf 1330 bis 1580 Milliarden Tonnen geschätzt, das ist etwa das Doppelte des Kohlenstoffgehalts der Atmosphäre.
Da reden wir noch nicht von vom submarinen Permafrost der arktischen Schelfgebiete, der sich aufzulösen beginnt, wenn Meerwasser in ihn einsickert.

Ich sag's nur, damit man's hätte wissen können, falls einem nicht ein paar Ausländer wichtiger gewesen wären.

Antworten
Irgendeiner
1
1
Lesenswert?

Ja,sehr richtig und dann, naja,wird

wieder das Methanhydrat instabil und Methan ist noch viel lustiger zur Erwärmung,hatten wir schonmal an der Perm-Trias Grenze aber wegen natürlicher Ursachen, drei Viertel der landlebenden Organismen sind ausgestorben und fast alle marinen,diesmal schaffma sicher mehr und ihr dürft dabei sein.Aber ihr müßt gar keine Angst haben,denn den Flüchtlingen gehts auch an den Kragen und das ist doch was zählt,nicht.Ich persönlich seh das so,unter Trotteln zu leben ist eine Last aber mit und durch sie zu sterben eine ungeheure Zumutung,ich hoffe doch, daß mir das Alter da doch noch eine Solonummer ermöglicht.

Antworten
pesosope
3
1
Lesenswert?

Natürlich ist da der Klimawandel schuld, die Häuser in Sibirien sind ja alle vorzüglich gebaut, maximal 70 Jahre alt und werden auch ständig gepflegt

Allein das Foto zeigt die hervorragende Baustruktur dort und daher kann das Unglück ja nur vom Klimawandel kommen :-(

Antworten
walterkaernten
7
13
Lesenswert?

klimawandel

Der KLIMAWANDEL ist einfach tatsache.
Ist schlimm für SIBIRIEN und auch für andere extremgebiete.

Die menschheit wird sich anpassen müssen, sonst dreht sich die welt ohne menschen weiter.

Wenn ALLE nach westlichem standard leben wollen, dann sind einige millarden menschen zu viel auf der welt.

ABER das schlimmste ist, dass alle ATOMKRAFTWERKE und ATOMMÜLLLAGER eine grosse gefahr für die gesamte welt darstellen.
Wenn es grossen änderungen im klima kommt, dass sind die anlagen AUSSER KONTROLLE.

Antworten
schadstoffarm
6
4
Lesenswert?

messerascharf analüsiert wie immer

glaubst dass Kühltürme nicht mehr funktionieren wenns Temperaturmittel um 2 K zunimmt ?

Antworten
walterkaernten
4
4
Lesenswert?

strom

1.
wenn grosse flüsse zu wenig wasser führen, dann gibt es weniger BIO STROM und weniger kühlwasser für die atomkraftwerke

2.
Wenn böde auftauen, dann kann schmelzwasser andere wasserführungen nehmen und in atomlager eindringen.

Es gäbe noch viele punkte.

Für die MESCHHEIT und andere BIOWESEN ist die ATOMARE nutzung mit all ihren LANGZEITFOLGEWIRKUNG sicher das grösste problem

Antworten
Planck
8
3
Lesenswert?

Sie haben jeden Tag ein neues "größtes Problem".

Sie sollten dringend an Ihren Prioritäten arbeiten *gg

Antworten