Experten besorgtTödliches Virus hat Millionenstadt erreicht

Experten sind besorgt angesichts von Ebola-Infektion in Millionenstadt Mbandaka. Es ist der gleiche Virusstamm wie bei der Epidemie 2013/2014 in Westafrika.

© APA/AFP/UNICEF/MARK NAFTALIN
 

Das lebensgefährliche Ebola-Virus hat in der Demokratischen Republik Kongo nun auch eine Großstadt erreicht. Aus der Millionenstadt Mbandaka im Nordwesten des Landes sei eine Ebola-Erkrankung gemeldet worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag in Genf mit.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyeus sprach von einer "beunruhigenden Entwicklung". Bei dem Ausbruch handle es sich um den gleichen Virusstamm wie bei der verheerenden Ebola-Epedemie in Westafrika 2013.

Die Ebola-Erkrankung wurde nach WHO-Angaben in Wangata, einem der drei Gesundheitsbezirke Mbandakas in der Provinz Equateur, registriert. Die WHO hatte vergangene Woche über den erneuten Ebola-Ausbruch im Kongo informiert, bei dem bereits 23 Menschen starben. Bisher war der Ausbruch aber auf die abgelegene Bikoro-Region der Provinz beschränkt gewesen, etwa 150 Kilometer von Mbandaka entfernt.

Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schätze die Situation nach Bekanntwerden des jüngsten Ebola-Falls in der "geschäftigen Hafenstadt" als "äußerst ernst und besorgniserregend" ein, wie Notfallkoordinator Henry Gray erklärte. Es sei nun wichtig herauszufinden, wie die Krankheit in die Stadt gekommen sei. WHO-Afrikadirektor Mathidiso Moeti versicherte, die Organisation bemühe sich, die Kontakte des Erkrankten schnell zurückzuverfolgen.

Es ist bereits der neunte bekannte Ausbruch der Viruskrankheit in dem zentralafrikanischen Land seit 1976. Bisher betrafen die Ausbrüche laut Ärzte ohne Grenzen aber nur sehr isolierte Regionen.

Die WHO will in dieser Woche mit einer Impfkampagne im Kongo beginnen. Dafür soll ein experimenteller Impfstoff zum Einsatz kommen. "Wir haben so gute Werkzeuge wie nie zuvor, um Ebola zu bekämpfen", erklärte WHO-Chef Tedros.

2013 starben mehr als 11.000 Menschen

Vorige Woche hatte ein hochrangiger WHO-Vertreter vor einem "großen städtischen Ausbruch" gewarnt, sollte das Virus es nach Mbandaka schaffen. Am Donnerstag kündigte die Organisation an, 30 Experten in die etwa 1,2 Millionen Einwohner zählende Hafenstadt zu schicken, um die Lage zu prüfen.

Ende 2013 hatte eine verheerende Ebola-Epidemie mehrere westafrikanische Staaten heimgesucht. In den folgenden Monaten starben in Guinea, Sierra Leone und Liberia rund 11.300 Menschen an dem Virus. Die WHO bestätigte nun, dass es sich beim aktuellen Ausbruch im Kongo um den gleichen Virusstamm wie bei dieser tödlichsten Ebola-Epidemie überhaupt handle.

Ebola ist eine oft tödliche Virus-Krankheit. Die Übertragung geschieht durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Infizierten. Der Ebola-Virus gilt vielen als besonders schreckenerregend, weil er leicht übertragbar ist und schnell zum Tod führen kann.

Notfall-Sitzung einberufen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun eine virtuelle Notfall-Sitzung einberufen. Die Konferenz, bei der Experten aus aller Welt per Audio- oder Videoschaltung miteinander sprechen, findet Freitagmittag statt, wie ein WHO-Sprecher am Donnerstag in Genf sagte.

An der Sitzung nehmen Spezialisten teil, die die WHO im Fall von möglichen "Gesundheitskrisen von internationaler Bedeutung" beraten. Es geht darum, festzustellen, ob der Ebola-Ausbruch im Kongo als solche Krise zu betrachten sei und welche Maßnahmen dann zu ergreifen wären.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.