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Flüchtlingswelle

Wie Kärnten den Ansturm bewältigte

Zu Spitzenzeiten der Flüchtlingswelle wurden in Kärntens Transitquartieren 3500 Leute pro Tag versorgt. Jetzt laufen neue Vorarbeiten.

Zwischenstopp in Klagenfurt: Bis zu 3500 Flüchtlinge wurden täglich in den Kärntner Tranisitquartieren mit Essen und Kleidung versorgt
Zwischenstopp in Klagenfurt: Bis zu 3500 Flüchtlinge wurden täglich in den Kärntner Tranisitquartieren mit Essen und Kleidung versorgt © APA
 

Anfang Juli 2015 war es so weit: Das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen platzte aus allen Nähten, und auch in Kärnten gab es noch viel zu wenige Quartiere für Asylwerber. Es war und blieb brütend heiß, als in Krumpendorf Bundesheer und Rotes Kreuz binnen Stunden 30 weiße Zelte für 240 Flüchtlinge aufstellten, weil das Innenministerium durchgegriffen hatte. Wenige Wochen später die gleiche Situation in Krumfelden, wo mittlerweile Container stehen.

„Die Arbeits- und emotionale Belastung waren enorm. Wir mussten alles von Null aufbauen. Doch ich will keinen Tag missen“, bilanziert Othmar Roschitz als Mann der ersten Stunde. Er ist jetzt Leiter des Verteilerquartiers Ossiach und Koordinator für die Bundesbetreuungsstellen in Kärnten.

Parallel dazu wurden die Transithallen in Klagenfurt und Villach geöffnet, um weiter zu transportierende Flüchtlinge kurzfristig mit Essen und Kleidung versorgen zu können. Bis zu 3500 waren es täglich, in Summe 42.000 von September bis Feber, die Rotes Kreuz und Caritas mit betreuten. Das Bundesheer kochte 140.000 Portionen Essen. Denn Kärnten war von den Flüchtlingsströmen, die bis Feber 2016 über die Balkanroute kamen, stark betroffen, Bis Ende Dezember wurden 170.000 Flüchtlinge an der Grenze zu Slowenien von Bundesheer und Polizei gemeinsam übernommen (und großteils nach Deutschland gebracht).

Größte Herausforderung also für alle. Doch die Zusammenarbeit von Politik, Polizei, Bundesheer, Bundesamt für Asylwesen, Rotem Kreuz, Caritas und Hunderten freiwilligen Helfern funktionierte stets bestens, betonen alle. In den Dörfern sind es kirchliche Gruppen und die vielen Privaten, die immer noch helfen und Integrationsarbeit leisten.

Der regelmäßig von Landeshauptmann und Flüchtlingsreferent Peter Kaiser einberufene Asylgipfel mit allen Proponenten sei „mustergültig und für andere Bundesländer beispielgebend“, konstatiert Roschitz. Die Zusammenarbeit klappe deshalb so gut.
Aufregung und Widerstand gab es stets, wenn der Bund – häufiger als in anderen Bundesländern – in Kärnten sein Durchgriffsrecht angewendet hat, weil die Unterbringungsquote nicht erfüllt wurde. In den Landesquartieren mit maximal 50 Betten sind die Quartiergeber verpflichtet, Deutschkurse zu organisieren. Anfängliche Ängste der Ortsbevölkerung wichen nach einiger Zeit zumeist Hilfs- und Integrationsinitiativen.
In 67 (der 132) Kärntner Gemeinden gibt es mittlerweile Flüchtlingsquartiere, sagt Udo Puschnig vom Flüchtlingsreferat des Landes. 4680 Asylwerber sind derzeit in der Grundversorgung, 224 davon in (großteils leeren) Bundesquartieren. Zu Spitzenzeiten waren es gesamt 5700.

555 sind arbeitssuchend

Wer Asylstatus erhält, also in Österreich bleiben darf, geht vielfach weg aus Kärnten, nach Wien. Jene, die bleiben, werden zu Klienten für das Arbeitsmarktservice, das als Erstes auf Deutschkurse setzt. 555 Personen (samt Schulungen) sind es derzeit, sagt AMS-Chef Franz Zewell. 1,9 Prozent von der Gesamt-Arbeitslosenzahl in Kärnten. Seit Jahresbeginn erhielten 152 Personen einen Job.

Faktum ist, dass seit der Silvesternacht in Köln das Sicherheitsbedürfnis und Ängste der Bevölkerung gestiegen sind. Doch durch die Migration gibt es in Kärnten „keine signifikanten Veränderungen der Kriminalentwicklung“, betont Polizei-Pressesprecher Rainer Dionisio. Was es gebe, seien „zwischenmenschliche Probleme, die in den Quartieren teils in Gewalt ausarten“.
Mit Blick auf das, was in den nächsten Monaten auf Kärnten zukommen könnte, heißt es allseits: „Wir sind gut aufgestellt, können die Organisationsstrukturen binnen kürzester Zeit hochfahren.“

120 Bundesheersoldaten sind jetzt noch mit rund 60 Polizisten bei Grenzkontrollen im Einsatz. Die Polizei ist mit den Vorbereitungen für das Grenzmanagement fast fertig. Von Italien kommend wird vor allem Tirol (Brenner) von der nächsten Flüchtlingswelle betroffen sein, rechnet man. Kärnten würde eher zur Ausweichroute. „Doch unsere Vorbereitungen laufen so, dass wir jeden Flüchtling, der kommt, kontrollieren, identifizieren, registrieren können“, sagt Dionisio.