Vier Jahre ließ sich Helene Fischer für das neue Album Zeit, dafür wurde nun ein glitzerndes Marketing-Paket geschnürt. Am Samstag (16. Oktober) zeigen ZDF (21.45 Uhr) und ORF 2 (22 Uhr) eine filmische Reise („Helene Fischer – Im Rausch der Sinne“) durch die Doppel-CD. Wofür der britische Regisseur Russell Thomas (arbeitet u. a. schon mit Beyoncé) und der deutsche Show-Designer Florian Wieder (MTV Awards, u. a. ESC-Bühnen in Wien und Tel Aviv) engagiert wurden. „Persönliche Backstage-Stories“ sowie „State-of-the-Art-Inszenierungen“ der neuen Lieder verspricht das ZDF.

„Es ist eine musikalische Reise, die alles widerspiegelt, was gerade in mir vorgeht“, sagt die im siebenten Monat schwangere Sängerin, die für die Verfilmung der Lieder auch Latex und knappe Dessous trägt.

Dass die Fans eine Hochglanzproduktion bekommen, war zu erwarten. Dafür setzte man eine Heerschar an Produzenten ein, die zum Teil aus der HipHop-, Rap- und DJ-Szene kommen. Um für Fischer zu arbeiten, werden Genre-Grenzen gesprengt – und der Schlagerkönigin wird ein Soundteppich ausgelegt, der niemanden durch Experimente oder zu grelle Beats verschreckt, sondern als hollywoodeske Königsklasse des Popschlagers keine Konkurrenz hat.


Manchmal erinnert der Sound an Adel Tawil; in der Tradition von Udo Jürgens stehen „Zuhaus“ mit einem Kinderchor und „Zeit“. Vor allem durch Zeilen wie: „Die verfliegst, vergehst und rennst . . . Du bleibst ein Geheimnis, man kann dich fühlen und dich zählen, doch nie verstehen“. Oder: "Ich hatte eine Traum . . . die Welt sieht friedlich aus, kein Gletscher taut. Schau hinauf, alles geht, wenn du dran glaubst, komm und staun."
Leicht gesellschaftskritisch wird es eben bei „Zuhaus“, vor allem aber „Wann wachen wir auf“. Tagtäglichen Helfern im Schatten wird bei „Engeln ohne Flügeln“ gehuldigt.

Beteiligt an den 24 Nummern (Deluxe-Edition) waren etwa DJ Tobias Topic, die Rapper Beatzarre und Biztram, das internationale Team „hitimpulse“, der Wiener Pyke Salmy, Keno Seferagic und B-Case. Fischer selbst hat sich bei den Songtexten jedenfalls noch nie so stark eingebracht, zwei Coverversionen sind auch dabei, darunter ein Hit des Niederländers Marco Borsato. Er heißt bei Fischer nun „Von Null auf 100“ und ist zugleich die neue Single. Und zweifellos als „Atemlos“-Nachfolger mit Dance-Elementen konzipiert. Auch "Liebe ist ein Tanz" hat Singlehit-Potenzial. Die eingängigste Melodie: der Refrain von "Zuhaus".

Wie bei Andrea Berg geht es nicht immer nur ums positive Verliebtsein: Die Nummer "Spiele" postuliert: Auch allein bin ich stark!

Auch so präsentiert sich Helene Fischer im "Rausch der Sinne"
© UNIVERSAL


Neu erfunden, wie die Plattenfirma verkündete, hat sich Helene Fischer nicht, im Baukasten-Prinzip werden die Gefühle abgehandelt, musikalisch hat sie sich ohnehin schon in ihren Weihnachtsshows in neue Gefilde ausgestreckt (etwa nach Nashville, hier nun mit „Hand in Hand“ - im Original "In Better Hands" von Natalie Grant und Bernie Herms- vertreten).

Weihnachten fällt heuer zum zweiten Mal in Folge wegen Corona aus (Sicherheitskonzept in der Düsseldorfer Messe), dafür produziert Stefan Raab mit Fischer eine Sendung, wo es besondere Live-Versionen der „Rausch“-Titel in kleinem Rahmen geben soll (12. November auf Sat.1). Schon am 6. November sitzt sie live auf der „Wetten, dass . .?“-Couch bei Gottschalk, am 20. November macht sie bei „Klein gegen Groß“ (ARD, ORF) mit. Diese Show wurde kürzlich aufgezeichnet.
„Rausch“ von Helene Fischer ab 15. Oktober erhältlich. In einer Standard- und einer Deluxe-Ausgabe. Universal Music.