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Walter Röhrl testetDer Suzuki Jimny ist auf der Pirsch

Walter Röhrl, Doppel-Rallye-Weltmeister und Kleine-Zeitung-Cheftester, über den Suzuki Jimny.

Walter Röhrl mit dem kleinen Spaßmacher Suzuki Jimny © OLIVER WOLF
 

Zwangsläufig müssen wohl spezifische Bedürfnisse im Spiel sein: Es würde mir also nicht einfallen, den Suzuki Jimny als herkömmliches Auto zu bezeichnen - oder das Auto einem klassischen Test zu unterziehen. Der Jimny ist nicht nach unseren üblichen Maßstäben zu bewerten, die Technik mit Starrachsen vorne/hinten samt dem Leiterrahmen geben eine klare Botschaft - die Alm ruft.

Klar, der Jimny ist vom Design her gelungen, das Auto ein fesches, ansehnliches Unikat. Wie ein Mercedes G, den sie zu heiß gewaschen haben und von dem letztlich 3,65 Meter Länge übrig geblieben sind. Das G'schau ist dabei so treuherzig, dass du ihn einfach ins Herz schließen musst.

Modellvorstellung: Suzuki Jimny

Es scheint fast so, als wäre der Autoindustrie ein kleiner Fehler unterlaufen. Bei all der Euphorie um die allseits beliebten SUV blieb eine Gattung völlig auf der Strecke: die der kleinen und leistbaren Geländewagen. Oder sagen wir: fast. Denn da gibt es einen kleinen Stamm in Japan, der die Fahnen der Bonsai-Klettergämsen stolz hochhält.

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Die fleißigen Mitarbeiter von Suzuki sind mit dem Jimny auf diesem Sektor nämlich die einzigen, die noch echte Kraxelware ohne Firlefanz anbieten. Sachlich, kompetent und abseits befestigter Wege praktisch unschlagbar. Und nun, nach unglaublichen 21 Jahren, steht der Nachfolger endlich beim Händler.

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Die wichtigste Info von allen: Er bleibt sich selbst treu. Die vierte Generation verfügt nach wie vor über einen robusten Leiterrahmen und Starrachsen,. Allradantrieb ist natürlich vorhanden und kann über einen Hebel zugeschaltet werden, genauso wie eine Untersetzung. Ordentlich aufgeholt hat der Suzuki bei der Straßentauglichkeit.

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Ja und dann wäre da natürlich noch die Optik: Keine Spur von rundgelutschtem und verweichlichtem SUV-Gehabe. Der Jimny war immer schon ein Typ mit Ecken und Kanten, und das darf man ihm bitteschön auch ansehen. Als hätte der Mercedes G endlich seinen Mini-me gefunden, ragt auch beim Japaner die Front genau so wie die Windschutzscheibe fast senkrecht nach oben.

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Die ausgestellten Radhäuser sorgen für einen muskulösen Auftritt, und auch das eckige Heck soll (genau so wie die rot leuchtenden Rundinstrumente) nicht nur eine Reminiszenz an den Haudegen SJ 410 sein. Er garantiert auch maximale Raumausnutzung.

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Ein bisschen rustikal fühlt er sich weiterhin an, die Lenkung ist gewöhnungsbedürftig, aber der Federungskomfort passt und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h schlägt sich der Kasten auch auf der Autobahn wacker. Dort würde man sich allerdings einen sechsten Gang für das Getriebe mit dem knorrigen Schaltknauf wünschen, mit dem man nach ein paar ungeschickten Manövern ewige Freundschaft schließt (zudem ist eine vierstufige Automatik im Programm).

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Genauso wie mit dem Saugbenziner mit 1,5 Litern Hubraum, der ein fröhliches Kerlchen ist und für den Jimny mit seinen 102 PS neue Leistungsdimensionen erringt: eine dreistellige Anzahl. Und falls die Frage aufkommt: Diesel ist überhaupt kein Thema, eher schon Elektrifizierung.

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Für das Durchsteigen in die zweite Sitzreihe schadet es nicht, wenn man die Fähigkeiten eines Schlangenmenschen hat. Aber wenn man sich erst einmal einfädelt hat, hat man es hinten durchaus bequem. Das Gepäckabteil lässt sich durch Umklappen der Rücksitze auf 377 Liter Ladevolumen erweitern. Das sind 53 Liter mehr als beim Vorgänger.

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Aber natürlich muss auch eine Ikone heutzutage voll vernetzt sein: Das Smartphone wird in höheren Ausstattungslinien per Bluetooth ins Fahrzeug eingebunden und lässt sich über einen 7-Zoll-Touchscreen bedienen.

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Auch Tricks wie selbstständiges Notbremsen bei einem drohenden Aufprall, das Warnen beim unbeabsichtigten Verlassen der Spur, das automatische Wechseln zwischen Abblend- und Fernlicht und Verkehrszeichenerkennen hat der Jimny gelernt. Weil: Der Wald ist nicht genug.

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Auch bei der Kundschaft hat er eingeschlagen, die Wartezeiten sind beträchtlich, aktuell soll es rund ein Jahr sein. Suzuki hat eben den Nerv der Zeit getroffen. Zurück zu den Ursprüngen, als Autofahren noch ein einfaches Abenteuer war und Böschungs-/Rampenwinkel als Kenngrößen eine echte Bedeutung hatten. Für den Jimny heißt das: 49 Grad Böschungswinkel hinten, 28 Grad Rampenwinkel, Böschungswinkel vorne 37 Grad.

Dazu passt das ganze Umfeld: Im Prinzip ist der Jimny ein Zweisitzer, im Viersitzermodus hat im Kofferraum nicht einmal ein schmächtiger Jagdhund Platz. Wenn man ihn als Zweisitzer nutzt, eröffnet sich das ganze Konzept erst, dann darf man einmal tief Luft holen. Und staunen ob der Geländequalitäten. 21 Zentimeter Bodenfreiheit, extrem kurze Überhänge, eine schmale Taille (nur 165 cm breit), damit sogar kompatibel mit entrischen Waldwegen. Inklusive ist ein Untersetzungsgetriebe, das die Reserven aus dem Waldhüpfer herausholt. Das niedrige Gewicht wiederum macht ihn auf tiefen Geländepassagen fast unversenkbar.

Plus & Minus

+ Ansehnlich. In der Außenwirkung blendet der Jimny sämtliche Konkurrenz aus: wie ein Mercedes G, den man zu heiß gewaschen hat. Schick, trendig.
+ Bergwärts. Leicht, wendig, schmal, guter Allradantrieb - das ist der natürliche Lebensraum. Hier spielt der Jimny seine Qualitäten aus.

- Verbesserungswürdig. Der Crashtest - hier wird man nachbessern müssen.

Was den Normalbetrieb auf der Straße betrifft, muss man Abstriche machen. Und wenn man das erste Mal Gas gibt: Da meldet sich halt noch ein Motor zu Wort, das Grundrauschen ist aber ganz erträglich. Die Lenkung ist entsprechend indirekt (für das Konzept passt das), mit dem kurzen Radstand ist er ein bisserl unruhig - aber man kann eben nicht alles haben.

In einem einzigen Bereich hapert es meiner Meinung nach, der Crash-Test fiel nicht gut aus. Nur drei Sterne beim Gesamtergebnis. Punkte-Abzüge gab's beim Insassenschutz für Erwachsene, da hat der Jimny Nachbesserungsbedarf.

Suzuki Jimny

Preis. Ab 17.990 Euro.
Motor. 1,5- Liter-Vierzylinder-Benziner, 102 PS, 130 Nm bei 4000 U/min.
Verbrauch kombiniert. 6,8 l.
Antrieb. Allrad, 5-Gang-Schaltgetriebe oder 4-Stufen-Automatik, Untersetzungsgetriebe.

 

Für sein angestammtes Revier wird das freilich nur bedingt ein Thema sein. Über Tempo 110 ist's sowieso nicht gemütlich. Mein Interpretationsspielraum für den natürlichen Jimny-Lebensraum bezieht sich weiter auf Alm und Wald, da ist dieses Konzept am besten darstellbar. Auch wenn er bei Streifzügen in der Stadt mit seiner Kürze fast überall einen Parkplatz findet. Aber lasst ihn doch seiner Bestimmung folgen. Nirgendwo macht er eine bessere Figur.

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