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ALLES ÜBER FIRMENWAGENWegweiser durch den Paragrafendschungel

FISKAL TOTAL. Auch wenn ein Firmenwagen vom Arbeitgeber gestellt wird, darf man noch lange nicht gratis damit fahren. Wie viel zu bezahlen ist, klärt ein komplexes System aus Abstufungen, kontinuierlich strenger werdenden Normen und Ausnahmen. Wir bieten eine Übersicht.

Firmenwagen bieten nur für echte Vielfahrer finanzielle Vorteile © Sasun Bughdaryan
 

Es geht doch nichts über Gratis-Autofahren. Nichts mehr für den Sprit zahlen. Oder die Versicherung, geschweige denn von den horrenden Steuern und das Auto an sich. Der Chef muss mich schon wirklich sehr schätzen, dass er mir einen Firmenwagen spendiert.

Keine Frage, wenn einem vom Arbeitgeber ein Auto angeboten wird, hört sich das auf den ersten Blick immer nach einer großen Geste der Geschäftsführung und einer ungeheuren Kostenersparnis an. Und natürlich muss man sich um den Kauf, die laufenden Kosten, Reparaturen und den Unterhalt des fahrenden Vehikels keine Sorgen mehr machen. Auch was Service und Reparaturen angeht. Und dennoch: Genaues Nachrechnen lohnt sich in jedem Fall, denn nur weil man für den Wagen keinen Cent bezahlt, ist die Benutzung bei Weitem nicht gratis. Und leicht kann es sein, dass der Einzige, der bei diesem Deal gut aussteigt, der eigene Chef ist. Was gibt es also alles zu beachten?

Kein Gramm zu viel. Entscheidend ist, ob man den Firmenwagen nur für den Beruf oder auch privat nutzt. Letzteres gilt nämlich als Sachbezug, für den der Fiskus natürlich eine entsprechende monatliche Gebühr einfordert. Diese liegt bei bis zu zwei Prozent der Anschaffungskosten, also dem tatsächlichen Preis des Autos inklusive aller Sonderausstattungen, der Normverbrauchsabgabe (NoVA) sowie der Umsatzsteuer. Nicht dazugerechnet werden sogenannte eigenständige Wirtschaftsgüter, wie zum Beispiel eine nachträglich eingebaute Freisprecheinrichtung oder ein nachgerüstetes Navigationssystem.

Die Höhe dieses an den Finanzminister zu entrichtenden Betrags richtet sich übrigens nach dem CO2-Ausstoß – und das in ziemlich eng gesteckten Grenzen. Seit heuer gelten 124 Gramm als entscheidender Wert. Wessen Auto mehr ausstößt, blecht besagte 2 Prozent. Wer darunter liegt, kommt mit 1,5 Prozent davon. Doch auch hier werden die Zeiten härter. Jährlich wird dieser Grenzwert um 3 Gramm herabgesetzt. Sprich: 2019 darf der neue Wagen nur mehr 121 Gramm ausstoßen, um noch in die günstigere Steuerklasse zu rutschen, 2020 nur mehr 118 Gramm und so weiter.

Das heißt also: Wer sich für ein Auto entscheidet, das – sagen wir – 30.000 Euro kostet und 123 Gramm ausstößt, muss mit einer monatlichen Belastung von 450 Euro rechnen, die man zu entrichten hat, ganz egal, ob man das Auto benützt oder nicht. Würde der Wagen
theoretisch jedoch 90.000 Euro kosten, müsste man nicht automatisch 1350 Euro abdrücken, denn diese Sachbezugsregelung hat Obergrenzen. So werden bei 2 Prozent der Anschaffungskosten maximal 960 Euro verrechnet, bei Modellen, die unter die 1,5-Prozent-Grenze fallen, maximal 720 Euro.

Was ist der Vorsteuerabzug?

Im Prinzip ist die Vorsteuer die Umsatzsteuer, die man als Unternehmen selbst bezahlt hat. Das heißt: Sobald eine Rechnung ausgestellt wird, über eine Warenlieferung oder Dienstleistung, muss automatisch eine Umsatzsteuer
(in Österreich 20 Prozent) verrechnet werden. Am Ende jedes Quartals muss man diese dann an das Finanzamt abführen, weswegen diese Steuer auch gerne als Durchlaufposten bezeichnet wird.

Als Lieferant stellt man somit eine Ausgangsrechnung, auf der die Umsatzsteuer ausgewiesen ist. Für den Empfänger gibt es dann eine Eingangsrechnung. Und bei genau dieser verrechneten Umsatzsteuer handelt es sich dann um die Vorsteuer.

Für eine Privatperson sind das nur belanglose Zahlen. Für Unternehmer geht es nun aber ans Rechnen. Denn wenn die eingekaufte Ware für den eigenen Betrieb verwendet wird, kann man die Vorsteuer von der nächsten Umsatzsteuer-Zahllast abziehen. Dann spricht man vom sogenannten Vorsteuerabzug. Das funktioniert ganz einfach: Am Ende jedes Quartals zieht man von der Umsatzsteuersumme (die Summe der Umsatzsteuern auf den eigenen Ausgangsrechnungen) die zusammengezählten Vorsteuern ab. Nur die übrig gebliebene Summe muss nun an das Finanzamt gezahlt werden.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Behörden einen nicht unnötig hoch belasten wollen. Es geht hier vielmehr um die sogenannte Angemessenheitsgrenze. Diese definiert den maximalen Kaufpreis eines Firmenwagens, der steuerlich geltend zu machen ist. Was damit gemeint ist? Folgendes: Um Schindluder mit sündteuren Sportwagen, die steuergünstig als Firmenwagen laufen, zu unterbinden, hat der Gesetzgeber diese Grenze eingeführt. Der Wert des Fahrzeugs muss dem Zweck also angemessen sein. Und der Betrag, für den man ein vernünftiges Auto bekommt, wurde bei 40.000 Euro angesetzt. Natürlich kann man sich theoretisch dennoch ein Fahrzeug nehmen, das deutlich mehr kostet. Allerdings sind die von den Anschaffungskosten abhängigen Aufwendungen, von der normalen Absetzung bis zur Vollkasko-Versicherung, nur mehr anteilsmäßig geltend zu machen – für den Arbeitgeber natürlich kein besonders guter Deal.

Ein Beispiel: Entscheidet man sich für einen Pkw, der 60.000 Euro kostet, kann man nur zwei Drittel der Kosten, also bis 40.000 Euro, absetzen. Auf den restlichen Beträgen bleibt die Buchhaltung dann sitzen. Kein Wunder also, dass für die Business-Klientel von den Herstellern und Händlern spezielle Modelle geschnürt werden, die beliebte Ausstattungen und einen sparsamen Motor zu Preisen zusammenfassen, die immer bei knapp 40.000 Euro liegen.

Auf den Schmäh, sich dann halt einen jungen Gebrauchtwagen zu holen, der natürlich deutlich geringere Anschaffungskosten hat, ist der Fiskus auch schon gekommen. Und deswegen gilt die Regel: Ist der Wagen noch keine fünf Jahre alt, wird der Neupreis für die Angemessenheitsprüfung herangezogen. Ist er älter als fünf Jahre, werden nur mehr zwei Drittel des tatsächlichen Kaufpreises steuerlich anerkannt.

Ausnahmen bestätigen die Regelung. Doch wir leben in Österreich – und da kommen natürlich ein paar Besonderheiten und Ausnahmen zum Tragen. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit des verminderten Sachbezugs. Möglichkeit eins: Wer nachweisen kann, den Firmenwagen im Jahresschnitt nicht mehr als 500 Kilometer pro Monat privat zu nutzen (und dazu zählen auch die Fahrten von und zur Arbeitsstätte), kann den Sachbezug je nach Laufleistung auf 0,75 bis 1 Prozent senken. Da hier natürlich Missbrauch betrieben werden kann, verlangt das Finanzamt zum Beispiel ein streng geführtes Fahrtenbuch, um die geringe Kilometeranzahl nachweisen zu können. Auch hier gibt es wieder Deckelungen der Beträge: Bei mehr als 124 Gramm CO2 kommen maximal 480 Euro zustande, bei höchstens 124 Gramm 360 Euro.

Oder aber man beteiligt sich einfach an den Kosten des Fahrzeugs. Und auch da gibt es unterschiedliche Varianten: Beliebt ist der einmalige Kostenbeitrag. Das heißt: Man beteiligt sich an den Anschaffungskosten, womit nur mehr vom Restbetrag (Fahrzeugpreis abzüglich der Kostenbeteiligung) der jährliche Sachbezug ermittelt wird. Oder aber man erwägt monatliche Kostenbeiträge, und um genau diesen Wert reduziert sich dann der monatliche Sachbezug. Über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen lässt sich natürlich vortrefflich streiten, wenn unterm Strich die Belastungen gleich hoch bleiben.

Besser, weil quasi kostenfrei hat es nur der, der sich für ein Elektroauto als Firmenwagen entscheidet. Dann entgeht man dem Sachbezug zum Beispiel völig, weil der CO2-Ausstoß dieser Fahrzeuge bei null liegt. Doch Achtung: Diese Regelung gilt nur noch bis 2020, und auch nur bis zu der beliebten Angemessenheitsgrenze von 40.000 Euro.

Mit dem Strom schwimmen hat Vorteile: Für E-Autos als Firmenwagen muss nämlich kein Sachbezug entrichtet werden Foto © KK

Sprich: Wer keine hohe jährliche Laufleistung zusammenbringt, sollte es sich gut überlegen, zu einem Firmenwagen zu greifen. Schließlich ist der Sachbezug immer abzuführen, auch wenn man das Auto nicht benützt. Im Umkehrschluss ist dieses Angebot für den Arbeitgeber natürlich eine lukrative Möglichkeit, dem Angestellten eine schöne Form der Anerkennung zu spendieren, die ihm einen ordentlichen Abschreibposten beschert und zudem meist günstiger kommt als eine Gehaltserhöhung.

Egal, ob Limousine oder Kombi: Pkw, die nicht einmal theoretisch die Möglichkeit für sechs Sitzplätze bieten, sind nicht vorsteuerabzugsfähig. Die einzige Ausnahme: Minivans, bestellbar mit drei Sitzreihen Foto © AUDI AG

Der Fall Voyager. Anders sieht es natürlich für Selbstständige aus, die ein Auto brauchen, um ihrem Gewerbe nachgehen zu können. Und hier kommt ein Zauberwort zum Tragen, dessen Bedeutung einer genaueren Erklärung bedarf: der Vorsteuerabzug.

Das bedeutet für Firmenwagen: Alle Vorsteuern, die im Zusammenhang mit der Anschaffung sowie dem laufenden Betrieb stehen, vom Kraftstoff über das Jahresservice bis hin zu Park- oder Mautgebühren, können geltend gemacht werden. Ein enormer Kostenfaktor, weswegen der Vorsteuerabzug für Fahrzeuge auch nur unter strengen Auflagen möglich ist (siehe Infobox).

Klein-Lkw von bis zu 3,5 Tonnen Gesamt- gewicht sind generell vorsteuerabzugsfähig Foto © KK

Vorsteuerabzug – klingelt es bei diesem sperrigen Wort? Richtig, da gab es ja einmal etwas zu diesem Thema, und zwar die „Lex Chrysler“. Damals ging es um Folgendes: Die Möglichkeit, Vorsteuern geltend zu machen, die mit der Anschaffung oder dem Betrieb eines Fahrzeugs stehen, gelten für Unternehmer grundsätzlich nur für Klein-Lkw (Lkw bis 3,5 Tonnen), Fahrschul-Fahrzeuge, Mietwagen, Taxis und andere Sonderfälle wie Begleitfahrzeuge von Sonder- und Schwertransporten.

WAS IST EIN KLEIN-LKW?

Generell vorsteuerabzugsfähig sind Klein- oder Leicht-Lkw. Hier handelt es sich aber nicht automatisch um kleine Kasten- oder Pritschenwagen mit Aufbau. Auch ganz normale Pkw können nach entsprechender Umrüstung derart eingestuft werden. Das hat finanziell gravierende Vorteile, denn sind Fahrzeuge zolltarifisch dermaßen eingestuft, sind sie nicht nur NoVA-befreit, sondern auch vorsteuerabzugsfähig.

Es gibt allerdings ein paar Auflagen zu erfüllen:

  • Das Kfz muss über eine Heckklappe verfügen.
  • Es darf nur noch eine Sitzreihe vorhanden sein.
  • Hintere Seitenfenster sind verboten.Halterungen für Sitze und Gurte im Fond müssen unbrauchbar gemacht werden.
  • Der Laderaumboden muss durchgehend sein und über eine ebene Verblechung verfügen.


Ein Sonderfall sind die Pick-ups, die offiziell Pritschenwagen genannt werden. Nach der letzten Novelle der EU-Gesetzgebung kommen auch sie in den Genuss des Vorsteuerabzugs, wenn die Länge ihrer Pritsche länger ist als 50 Prozent des Radstands.

Der Gag an der Sache: Das gilt sowohl für Einzel- als auch Doppelkabiner, also ebenso für jene mit zwei Sitzreihen. Und rein zufällig geht sich dieses Maß bei den am Markt befindlichen Pick-ups immer haargenau aus.

Dann aber gab es da noch die Klasse der Kleinbusse, die wie maßgeschneidert schien für ein amerikanisches Pkw-Modell, ehemals gefertigt bei Steyr-Daimler-Puch bzw. danach Magna-Steyr in Graz: den Chrysler Voyager. Fahrzeuge dieser Gattung müssen ein kastenwagenförmiges Äußeres sowie Beförderungsmöglichkeiten für mehr als sechs Personen (inklusive Fahrzeuglenker) aufweisen. Wie gesagt, es zählt nur die theoretische Möglichkeit, die tatsächliche Anzahl der vorhandenen Sitzplätze ist völlig irrelevant. Ob dieses Vehikel somit auch tatsächlich für den Transport von Personen oder Gütern dient, ist unerheblich. Das heißt: normale Pkw, egal ob Kompakter, Kombi oder Limousine, fallen automatisch weg, da sie maximal nur fünf Sitzplätze bieten. In den 1990er-Jahren war der Voyager mit diesen Anforderungen weitgehend ohne Konkurrenz unterwegs, was man gerne auch als versteckte Förderung der heimischen Wirtschaft sehen konnte. Denn die steuerlichen Vorteile machten den steirischen Ami bei Selbstständigen sehr attraktiv. Goldene Jahre, doch die Zeiten wurden härter.

Heute gibt es den Voyager schon lange nicht mehr. In Graz wird er seit rund 15 Jahren nicht mehr gebaut, die Regelung blieb aber trotzdem bestehen. Um in den Genuss des Vorsteuerabzugs zu kommen, müssen viele Unternehmer also weiterhin zu großen, kastenwagenförmigen Fahrzeugen greifen, obwohl sie mit günstigeren, leichteren, kleineren und umweltfreundlicheren Pkw mehr als zufrieden und wohl auch deutlich besser beraten wären. 

Wenn die Pritsche länger ist als 50 Prozent des Radstands, sind Pick-ups vorsteuerabzugsfähig Foto © KK

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