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FORDS IDEENWERKSTATTDie große Kraft kleiner Einfälle

Wickies Erben. Ford hat eine große Tradition, was die Umsetzung der Ideen von Mitarbeitern angeht. Das ergibt nicht nur smarte Lösungen für den Autobau, sondern strahlt bis zum Umweltschutz aus. Ein kleiner Überblick.

Kinder sind dank ihrer logischen Art zu denken großartige Ideenlieferanten © Africa Studio
 

Herbert hatte recht. Zumindest, was den Einfallsreichtum angeht, sollten Kinder wirklich an die Macht kommen. So auch Lara und Daniel, 9 und 11 Jahre alt, aus dem deutschen Jülich. Während einer Autofahrt mit ihrem Vater fing es auf einmal stark zu regnen an. „Überall war Wasser – außer im leeren Vorratsbehälter unseres Autos. Meine Schwester und ich fanden das sehr lustig, und dann hatten wir die Idee, einfach das Regenwasser zu sammeln und zu verwenden.“ Ein Einfall mit gewaltigem Potenzial: So verbraucht jeder Autofahrer jährlich im Schnitt 20 Liter Wischwasser. Hochgerechnet auf die rund 291 Millionen alleine in Europa zugelassenen Pkw würde das fast sechs Milliarden (kein Schreibfehler) Liter Wasser einsparen. Und das jährlich. Einfacher Plan, kindlich genial, um es in Grönemeyers Worten zu umschreiben.

Dass Ford von dieser Idee, die so logisch klingt, dass man sich fast ärgert, nicht selbst darauf gekommen zu sein, gehört und sie in die Tat umgesetzt hat, verwundert nicht weiter. Der Kölner Autobauer hat eine große Tradition, was das Querdenken in Sachen Mobilität angeht. Und entsprechend herrscht ein regelrechter Wettkampf der einzelnen Abteilungen, wer mit cleveren Innovationen am meisten punktet. Alleine zwischen Jänner und August letzten Jahres reichten mehr als 4500 Ford-Mitarbeiter ihre Erfindungen und Vorschläge ein, Tendenz steigend. Und manche von ihnen gehen über das einfache Autobauen weit hinaus. Ein bunter Querschnitt aus dem großen Topf von Fords Ideenvielfalt.

Abläufe der Fertigung im Ford-Werk halfen, die Prozesse in Krankenhäusern zu optimieren Foto © KK

Operationen am Fließband. „Ich habe fünf Jahre lang viel Zeit in Behandlungszimmern verbracht. Dabei dachte ich häufig darüber nach, wie ich den Patienten das Leben leichter machen könnte“, erzählt Mike Butler über seine Krebstherapie, die er erfolgreich absolvierte. „Für mich war es ein echtes Aha-Erlebnis, dass viele Systeme, die in der Fahrzeugherstellung einen reibungslosen Produktionsprozess ermöglichen, durchaus auch auf Krankenhäuser übertragbar sind.“ Und so startete der Ford-Mitarbeiter einen Technologietransfer der besonderen Art. Die Ideen von Butler und seinen Kollegen flossen direkt in den Bau des Krebsforschungszentrums in der Domstadt ein, und auch die Uniklinik Köln arbeitet dank teilweise sehr einfach klingender Maßnahmen jetzt deutlich effektiver: Spezielle Farblinien an Wänden und auf Fußböden weisen Mitarbeitern, Patienten und Besuchern den richtigen Weg. Große Bildschirme – ganz genauso wie am Fließband – vereinfachen die Kommunikation zwischen dem Personal. Und zugleich installierte das Ford-Team flexibel nutzbare Behandlungszimmer, die mittels mobiler Raumteiler den Bedürfnissen entsprechend ruckzuck adaptiert werden können. Dank dieser Maßnahmen, die sich im Automobilbau schon lange bewährt haben, konnten die Patientenströme um 30 Prozent optimiert werden.

Von Ford-Mitarbeitern entwickelt: Intelligente Radfahr-Jacke Foto © Ford-Werke GmbH

Blinker im Ärmel. Eine Straße, unterschiedliche Verkehrsteilnehmer – das Zusammenleben zwischen Fußgängern, Auto- und Fahrradfahrern ist nicht immer einfach. Zu unterschiedlich sind deren Geschwindigkeiten. Und auch die Art, wie sie bestimmte Situationen meistern, zum Beispiel das Abbiegen. „Das Konzept der intelligenten Jacke für Fahrradfahrer hilft uns besser zu verstehen, wie die verschiedenen Akteure im Stadtverkehr durch den Einsatz fortschrittlicher Technologien optimal zusammenleben und wie wir diese Erkenntnisse bei zukünftigen Produkten anwenden können“, berichtet Tom Thompson, Projektleiter des Ford Smart Mobility Teams, über ein hochtechnologisches Bekleidungsstück. Die „Smart Jacket“ getaufte Jacke verfügt über Ärmel, die aufleuchten, wenn der Träger nach rechts oder links abbiegen möchte. Zudem gibt es eine Navigations-App, die natürlich drahtlos mit dem Smartphone verbunden ist und mit dem Jackenträger durch Vibrationen interagiert. Somit muss der Radfahrer die Augen nicht mehr von der Straße und die Hände nicht mehr vom Lenker nehmen. Über eine haptische Schnittstelle können sogar Anrufe angenommen und Nachrichten empfangen werden. Sogar über ein Bremslicht verfügt „Smart Jacket“. „Denken und handeln ändern sich, sobald es nicht mehr notwendig ist, die Navigation direkt auf dem Handy zu steuern“, fügt Thompson hinzu. Wie man diese Jacke noch verfeinern könnte, auch darüber hat sich sein Team Gedanken gemacht: Das Annehmen von Telefonanrufen und Nachrichten mittels Handgesten und Sprachbefehlen zum Beispiel. Aber auch eine völlig neue Form der Freisprecheinrichtung: Sogenannte Knochenleitungshörer verhindern das Ausblenden von wichtigen Verkehrsgeräuschen, wie dies bei Kopfhörern der Fall wäre, indem sie den Schall des Telefonats über Vibrationen im Kieferknochen direkt an das Innenohr senden.

Smarte Parkbank mit WLAN und Solarzellen Foto © KK

Smarte Parkbänke. Fortbewegung in der Großstadt – eines der großen Themen der heutigen Zeit: „Wir glauben, dass die Stadt von morgen die Menschen glücklicher machen sollte, überdies setzen wir auf eine zunehmende Vernetzung. Wir untersuchen daher, wie Straßen zukunftsweisend neugestaltet werden können, speziell mit Blick auf Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer“, sagte Sarah-Jayne Williams, Chefin von Ford Smart Mobility Europe. „Zu Fuß gehen ist neben dem Individualverkehr und den öffentlichen Verkehrsmitteln ein wesentlicher Teil davon, wie sich Menschen in einer Großstadt wie London fortbewegen. Die von Ford geförderten smarten Parkbänke ergänzen perfekt das zunehmend vernetzte Leben, das wir heute bereits führen.“

Smarte Parkbänke? Gemeinsam mit einem Energieanbieter startete Ford in der englischen Hauptstadt einen Pilotversuch mit 20 solarbetriebenen Parkbänken, die genug Strom liefern, um Smartphones und Tablets aufzuladen und ein WLAN- Netz zur Verfügung zu stellen. Weiters können mit diesen Strom-Möbeln Lärm, Kohlendioxid, Luftfeuchtigkeit und Temperatur überwacht werden. Wichtige Informationen für die Verkehrs- und Stadtplaner, und noch einen wichtigen Auftrag übernehmen Fords schlaue Parkbänke: Platz bieten, wenn man ein kleines Päuschen machen möchte.

Sitzen auf Pflanzen. Mit Erdöl sollte so sorgsam wie möglich umgegangen werden. Weniger davon zu verbrauchen, ist schon möglich, bevor der Motor das erste Mal gestartet wird. „Die Idee, Werkstoffe aus Soja auf den Markt zu bringen, war eine echte Herausforderung. Die ersten Tests mit Schaumstoffen waren allerdings zunächst wenig erfolgreich“, erinnert sich Debbie Mielewski, Technische Leiterin für nachhaltige Materialien bei Ford, über die Anfänge, Sojaschaum als pflanzliche Alternative zu herkömmlichen Mineralölprodukten zu etablieren. Mittlerweile ist dieser Werkstoff ausgereift und so haltbar und stabil wie herkömmlicher Schaumstoff, aber ungleich umweltschonender. Die Zahlen sind beeindruckend: Mehr als 18,5 Millionen Fahrzeuge aus nordamerikanischen Ford-Fabriken bekamen bereits Bauteile aus dem nachwachsenden Rohstoff, was bisher rund 6,5 Millionen Kilogramm CO2 eingespart hat. Und damit ist das Ende der Bohnenstange noch lange nicht erreicht. Schließlich könnte alles, was aus Gummi besteht, durch Soja ersetzt werden. Angefangen bei kleinen Dichtungen bis hin zu den Scheibenwischerblättern. Und das ist erst der Beginn, wenn es um die Nutzung der Pflanzenwelt geht. So wird nicht nur daran geforscht, wie man auch Weizen, Reis, Rizinus, Kenaf, Baumzellulose, Jute, Kokosnuss und sogar Tomatenschalen, Bambus, Agaven, Löwenzahn oder Algen in den Fahrzeugbau integrieren kann, um noch mehr CO2 einzusparen – man dreht den Spieß einfach um: Indem man erforscht, wie man Schaum- und Kunststoff gleich auf Basis von Kohlendioxid herstellen kann. 

„Feel The View“ lässt Sehbehinderte die am Auto vorbeiziehende Landschaft erfühlen Foto © KK

Hügel fühlen. Der Blick aus dem Autofenster, das besondere Erlebnis der vorbeiziehenden Landschaft – einer dieser unbeschreiblichen Momente, die das Autofahren so besonders machen. Ein Erlebnis, das sehbehinderte Menschen leider nie haben werden. „Dies war eine fantastische Gelegenheit, um einen wichtigen Aspekt des Autofahrens für Blinde erlebbar zu machen. Die Technologie ist innovativ, aber das Konzept einfach – und könnte für unvergessliche Momente im Leben von sehbehinderten Menschen sorgen“, erzählt Marco Alù Saffi, tätig für Ford in Italien, über den Prototyp eines ganz besonderen Autofensters: „Feel the View“, also spüre die Aussicht, ermöglicht es, ein Abbild der vorbeiziehenden Landschaften durch Fingerberührung zu ertasten. Über eine in der Frontscheibe platzierte Digitalkamera werden monochrome Bilder der Umgebung aufgenommen. Spezielle LED reproduzieren diese Bilder auf der Seitenscheibe des Fahrzeugs als Vibrationen mit unterschiedlich starker Intensität. Bis zu 255 Abstufungen sind möglich, die mit den Händen abgetastet werden können. Und genau dieses Ertasten und Erfühlen soll für einen wirklichkeitsnahen Eindruck von der Außenwelt sorgen.

Daniel und Lara, Erfinder des Regenwasser-Auffangsystems Foto © KK

Wasserspender. Wer kennt sie nicht, die kleinen Pfützen im Sommer unter praktisch jedem Auto, das an der Ampel steht. Dabei handelt es sich nur um das Kondenswasser von Klimaanlagen, das während des Abkühlens des Klimagases entsteht und einfach auf den Boden tropft. Aber warum eigentlich? Kann man damit nicht etwas Sinnvolles anstellen? Genau das dachten sich auch Doug Martin und John Rollinger und kamen auf die Idee, die Luftfeuchtigkeit als Trinkwasserquelle zu verwenden. Gesagt, getan: Ein erstes Prototypsystem, bei dem mittels einer Pumpe das gefilterte Kondenswasser zu einem Wasserspender läuft, konnte bereits in Betrieb genommen werden. Und auch der Wasserauffangmechanismus von Lara und Daniel hat es aus dem Versuchsstadium schon längst hinausgeschafft. „Um es auszuprobieren, haben wir unser Spielauto und die Pumpe von unserem Aquarium benutzt. Mit einem zusätzlichen Filtersystem haben wir dafür gesorgt, dass das Wasser sauber war. Das hat sehr gut funktioniert“, erzählt Lara von den Anfängen ihres Geistesblitzes. Bei Ford wurde es dann ein klein wenig professioneller, wo man einen S-Max entsprechend ummodelte: Am Boden der Windschutzscheibe, also dort, wo sich das Regenwasser im Endeffekt ansammelt, verlaufen Schläuche, die direkt mit dem Vorratsbehälter der Scheibenreinigung verbunden sind. Ein System, so einfach wie effektiv: „In weniger als fünf Minuten Regen ist der Wischwasserbehälter voll“, schwärmt Theo Geuecke, verantwortlich für den Karosseriebau bei Ford of Europe. Von wegen also, Herbert, Kinder berechnen nicht, was sie tun ... 

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