HybridautosDoppelt hält besser

PS-Partnerschaft. Hybridautos stellen mehr als nur eine gute Übergangslösung zur vollelektrischen Mobilität dar. Wir machen einen Ausflug mit dem Suzuki Swift SHVS, dem Mini Countryman S E und dem Lexus RX 450h und zeigen, welche ­Unterschiede es in der Welt der Benzin-Elektro-­Mischwesen gibt.

© Oliver Wolf
 

Wo sind sie nur hin? Die 30 Kilometer Restreichweite, die der Bordcomputer gestern Abend noch angezeigt hat – die heute in der Früh nach dem Temperatursturz und dem starken Schneefall über Nacht aber wie von Zauberhand auf mickrige fünf zusammengeschrumpft sind. So komme ich nie zur nächsten Ladestation. Hm. So ein Elektroauto hat unbestritten seine Vorteile, aber das Reichweitenproblem, gerade in der Winterzeit, kann einem ganz schnell den Tag verderben. Also wäre ein moderner Benziner vielleicht doch die schlauere Wahl, wobei: Wenn man fast nur Kurzstrecke fährt?

Es war wohl selten so schwer, sich für ein neues Auto zu entscheiden, wie heute. Neue Konzepte, neue Ansätze, neue Ideen, die alle ihre Vorteile haben und einen richtig ins Grübeln bringen – wofür soll man sich letztendlich entscheiden? Warum nicht für beides? Hybridautos schaffen es, genau diesen Spagat unter eine Motorhaube zu packen, indem sie beide Antriebsformen kombinieren.

Was sie alle eint, ist die Kraft zweier völlig unterschiedlicher Motoren. Da wäre zum einen die bewährte Verbrennungskraftmaschine, die nach den modernsten Möglichkeiten Benzin verarbeitet. Auf der anderen Seite ein Elektromotor in unterschiedlichen Ausführungen, der seinen fossil betriebenen Kollegen entweder nur unterstützt oder auch ganz das Fortbewegen übernehmen kann. Und genau darin liegen die Unterschiede der einzelnen Konzepte: in der Rolle der E-Triebwerke. Doch welches System kann was? Welches ist empfehlenswert? Und vor allem: für welchen Einsatzzweck? Um das herauszufinden, haben wir uns drei Vertreter geschnappt und einen kleinen Ausflug zum Umspannwerk der Austrian Power Grid im tief verschneiten Gleisdorf gemacht. Jeder Hybrid ist schließlich auch ein kleines Kraftwerk – Stichwort Rekuperation – und ein Meister im Verteilen und Managen von Energie, einen passenderen Treffpunkt hätte es für diese Gegenüberstellung also gar nicht geben können. Und das sind unsere Kandidaten:

Als Vertreter der modernen Mild-Hybride beehrt uns der Suzuki Swift SHVS. Ein Kleinwagen modernen Zuschnitts, dessen betont gewichtssparende Bauweise sehr dem Sparefroh-Gedanken entgegen kommt. Für die Zunft der sogenannten Plug-in-Hybride tritt der Mini Countryman S E an. Das erste Modell der Briten überhaupt mit zwei Motoren und dann gleich eines zum externen Aufladen. Der Benziner sitzt unter der vorderen Haube, der E-Motor im Heck, wobei das nicht das einzig besondere an diesem Mini ist. Geht es hingegen um die Gattung klassischer Hybride, führt an einem Toyota kein Weg vorbei. Oder der Nobel-Tochter Lexus, wie in unserem Fall, denn der RX 450h, ein großes SUV mit allen Schikanen und beherrscht das Spiel der Kräfte dank jahrzehntelanger Erfahrung der japanischen Ingenieure so spielend wie ein ausgebuffter Jongleur seine Keulen.

Mild-Hybrid

Der Elektromotor sitzt in Form eines Startergenerators direkt an der Schwungscheibe des Benzinmotors, kann also nie alleine für den Vortrieb verantwortlich sein. Er kümmert sich vielmehr um wertvolle Assistenzdienste. Neben der Rekuperation im Schubbetrieb und den Funktionen des Start-Stopp-Systems, übernimmt er über den Zahnkranz die Unterstützung des Benziners bei niedrigen Drehzahlbereichen, in denen er am meisten unter einer Drehmomentschwäche leidet.
Praktisch: Es werden nur wenige spezielle Teile benötigt, da das Schaltgetriebe und alle periphären Elemente praktisch unverändert übernommen werden können. Platzbedarf und Extragewicht sind aufgrund des kleinen E-Motors sehr überschaubar. Da dieser natürlich nur wenig Strom benötigt, muss auch nicht mühsam ein großer Akkupack untergebracht werden.

Full-Hybrid

Sowohl der Verbrennungs- als auch der Elektromotor kümmern sich um die Fortbewegung: Unter Last, vor allem beim Beschleunigen und bei höheren Geschwindigkeiten, arbeitet der Benziner und wird vom E-Antrieb unterstützt. Erst bei Autobahntempo übernimmt der Benziner dann alleine das Geschehen. Rein elektrisches Fahren ist nur bei niedrigen Geschwindigkeiten möglich.
Geladen werden die Stromspeicher nur über den verbauten Benziner. Sollte die Rekuperation im Schubbetrieb also nicht ausreichen, muss der Hubkolbenmotor als Kraftwerk arbeiten.
Da beide Motoren direkt als Antriebsquelle eingesetzt werden können, funktioniert dieses System nicht mit einem Schaltgetriebe, kann dafür aber mit einem Automatik- oder im Falle der Toyotas einem Planetenradgetriebe kombiniert werden.

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