Tea timeAuf Samtpfoten durch den Schnee

Der steirische Panther bekommt Gesellschaft von einem englischen Jaguar, denn der neue E-Pace rollt bei Magna Steyr in Graz vom Band. Höchste Zeit, ihm die Stadt zu zeigen, in der er gebaut wird. Und wie gut, dass diese Katze Schnee liebt.

© Oliver Wolf
 

Der gelbe Riese staunt nicht schlecht. Laut, beschwerlich und ungelenk kämpft sich der große, alte Schulbus aus den Vereinigten Staaten die Auffahrt der Karl-Franzens-Universität hi­nauf, ehe er vor dem Haupteingang endlich ein wenig verschnaufen darf. Und was steht dort ganz frech im Weg? Ein Brite, mitten in Graz! Knallrot in geduckter Haltung, nur beiläufig an dem großen Yankee interessiert. Athletisch und jederzeit sprungbereit – typisch Katze eben.

Da tourt man durch ganz Österreich, um dann ausgerechnet einen Engländer anzutreffen. Come on, man! Was der Wayne International nicht wissen kann: Der Engländer ist in Wahrheit ein echter Grazer, gebaut nur wenige Kilometer entfernt von der größten und ältesten Universität der Steiermark. Und auch der Bus schupft ­keine Schüler in die Schule, sondern im Rahmen eines Roadtrips von www.ideen-­garten.at Studierende und Jungunter­nehmer durch die Welt der heimischen Start-up-Szene. Und alle treffen sie sich in der Metropole an der Mur. Der Stadt mit langer und großer Geschichte, was ambitioniertes Unternehmertum sowie das Konstruieren und Bauen von Fahrzeugen jedweder Art betrifft.

Stadtrundfahrt: Mit dem englischen Jaguar durch Graz

Erste Ausfahrt: Der Jaguar E-Pace fühlt sich ziemlich gut an.

Oliver Wolf

Steirischer Brite: Der neue Jaguar E-Pace wird bei Magna Steyr gebaut. Wir führen ihn durch seine ­Heimatstadt.

Oliver Wolf

Gegensätze: Während die Oper im neobarocken Stil strahlt, setzt die schlanke Raubkatze lieber auf die Formen­sprache der Moderne.

Oliver Wolf

Kurzer Halt vor dem Eingang zur Schloßbergbahn. Dank schlauem Allradantrieb macht der E-Pace im verschneiten Graz eine gute Figur.

Oliver Wolf

Spannend geformt: das Kunsthaus und der E-Pac.

Oliver Wolf

Kurzer Halt vor dem Eingang zur Schloßbergbahn. Dank schlauem Allradantrieb macht der E-Pace im verschneiten Graz eine gute Figur.

Oliver Wolf

Kuriose Begegnung: Die junge Wildkatze trifft vor der altehrwürdigen Karl-Franzens-Universität auf einen alten US-Schulbus.

Oliver Wolf

Was halten die Studenten und Jungunternehmer vom neuen Jaguar?

Oliver Wolf

Niklas findet ihn schick und komfortabel.

Oliver Wolf

Wenn das Unternehmen von Theresa läuft, wäre der kleine Engländer durchaus eine Überlegung wert.

Oliver Wolf

Blick aus dem Café Promenade, ob sich der E-Pace auch gut vor der Grazer Lokalszene macht.

Oliver Wolf

Fahrt durch das Burgtor.

Oliver Wolf
1/12

Kein Wunder, dass nach Mercedes, BMW, VW und wie sie alle heißen, nun auch Jaguar hellhörig geworden ist. ­Magna Steyr als Kompetenzzentrum für Allradantriebe und einer Fertigung mit Weltruf wäre doch ein guter Partner, um die Produktion des neuen E-Pace zu übernehmen. Des neuen Kompakt-SUV jener Marke, die unter indischer Flagge zu absoluter Höchstform auflief und die nach den Limousinen XE und XF, dem Sportler F-­Type und dem großen SUV F-Pace nun den Schritt in ein echtes Massensegment wagt. Da kann ein erfahrener Partner nicht schaden, denn die Werkshallen am östlichen Ende der Stadt fungieren nicht nur als zusätzliches Werk, um etwaige Produktionsspitzen abzudecken. Von hier aus geht es in die ganze Welt – nur für China stampft man vor Ort ein eigenes Werk aus dem Boden.

Ein Auftrag, auf den man als Grazer also durchaus ein wenig stolz sein kann. Und wie es sich für gute Gastgeber gehört, ist es uns eine besondere Ehre, dem neuen Ehrenbürger auf einer exklusiven Tour seine Stadt zu zeigen. Die Perle der Steiermark. Die Stadt mit dem Schloßberg. Oder auch: Wiens kleine, sexy Schwester, wie ein englisches Blatt Graz einmal bezeichnet hat. Definitiv aber stimmt heute Winterwunderland, weswegen wir uns für eine allradgetriebene Version des E-Pace entscheiden.

Treffpunkt ist natürlich vor den Werkstoren von Magna Steyr in Thondorf. Was uns gleich auffällt: Der E-Pace wirkt nicht nur im Verhältnis zu den riesigen Lkw, die hier im Minutentakt ein- und ausfahren, überraschend kompakt. Mit lediglich 4,4 Meter Länge ist er tatsächlich angenehm dimensioniert, sodass er auch im dichten Stadtgewusel noch problemlos überall durchkommt. So, jetzt aber: Schuhe abklopfen, anstarten und Abfahrt.

Foto © Oliver Wolf
Wir nähern uns dem Stadtpark. Die größte Grünanlage gleich derzeit einer unter einer dicken, weißen Decke schlafenden Schönheit. Umso wildere Mythen ranken sich hingegen um die dort gelegene Rechtskurve – aus einer Zeit, als Graz noch wild und ungestüm war und junge Männer in ihren tollkühnen Kisten sich gegenseitig übertrumpfen wollten, wer die 90-Grad-Rechtskurve am schnellsten durchfahren kann. Dieser spätpubertären Herangehensweise sind wir natürlich längst entwachsen und genießen lieber die Ruhe und Traktion, die den E-Pace sicher über den weißen Fahrbahnbelag gleiten lässt. Der Grund dafür heißt „Active Driveline“: Hinter dem Begriff verbirgt sich ein aufwendiges Allradsystem, bei dem im Gegensatz zu vielen anderen SUV keine Haldex-Kupplung die Hinterachse im Bedarfsfall zuschaltet.

Stattdessen regeln hier zwei Lamellenkupplungen die Kraftverteilung zwischen den Hinterrädern individuell. Das geschieht blitzschnell und lässt natürlich eine viel feinere Aufteilung der Antriebskraft zu. Und sollte der Jaguar wirklich mit reinem Frontantrieb auskommen, wird die Hinterachse einfach komplett entkoppelt. Das reduziert die Verlustleistung und spart somit Sprit. Was man davon bemerkt? Nichts. Inkognito regelt das System den Kraftverlauf und der Jaguar spurtet unbeirrt ums Eck, als hätte er eine Fährte aufgenommen.

Der E-Pace geht tatsächlich voll in die Richtung. Nur dass es hier sicher mehr Komfort gibt.

Jungunternehmer Niklas
Zwischenstopp vor der Oper, die im neobarocken Stil zur Feier der fünfzigjährigen Regentschaft Kaiser Franz Josephs I. im Jahre 1898 erbaut wurde. Beeindruckend auch der Zuschauerraum, eingerichtet in Barock- und Rokokostil. Unser junger Brite macht sich gut vor dem zweitgrößten Opernhaus von Österreich, und doch steht er eher auf die Formensprache der Moderne. Kein schwülstiger Holz-Zierrat im Innenraum, stattdessen kühle Linien, feinstes Leder und eine strikte Trennung zwischen dem Bereich des Dirigenten hinter dem Volant und dem der ehrenwerten Gäste.

Alles sitzt fein säuberlich an seinem Platz, ist gut und leicht zu erreichen, ja und hübsch anzusehen ist es auch. Nur die Klimaregelung bekommt der Jaguar heute besser hin als die Murmetropole: Die Ingenieure haben zwar viele Funktionen im Touchscreen gebündelt. Damit man aber schnell die Wunschtemperatur einstellen kann, lässt sich die Klimaanlage bequem über drei Drehregler auf der Mittelkonsole steuern.

Foto © Oliver Wolf
Weiter geht es auf dem Lendkai Richtung Kunsthaus. Der „Friendly Alien“, also der freundliche Außerirdische, wie seine Schöpfer Peter Cook und Colin Fournier die runden Formen selbst getauft haben, sticht inmitten der altehrwürdigen Häuserfronten tatsächlich wie ein Besucher aus einer fremden Welt hervor, gerade im direkten Anschluss an das Eiserne Haus – dem Paradebeispiel dafür, was man unter Gusseisenskelettbau versteht.

Bemerkenswert, dass dieser Ort – nur unweit des Stadtzentrums gelegen – vor 150 Jahren noch als Murvorstadt bekannt war. Und dass auch der E-Pace von der Bauweise her Tradition und Moderne gekonnt verknüpft. Die Karosserie besteht aus robustem Stahl, ausgereift und widerstandsfähig. Zahlreiche Anbauteile wie etwa die Motorhaube, Kotflügel oder Heckklappe sind aber wie auch die Achsträger aus leichtem Aluminium gefertigt.

Wenn mein Unternehmen voll durchstartet, dann wäre der schon was!

Jungunternehmerin Theresa
Kurzer Zwischenstopp am Kaiser-Franz-Josef-Kai, vor dem Eingang zur Schloßberg­bahn. Seit mehr als 120 Jahren geht es mit der Standseilbahn hier steil bergauf, mehr können wir dem E-Pace vom Hausberg aber nicht zeigen. Striktes Fahrverbot! Doch das ist schnell vergessen, denn im Nu bildet sich eine kleine Menschentraube um den Engländer. Was er denn koste, möchte Annemarie wissen.

Und Werner, der gerade eine Kaffeepause macht, ist beeindruckt von der Art und Weise, wie Jaguar die Designsprache des F-Type auf den E-Pace übertragen konnte. Ein guter Punkt, Werner, denn während ein Sportwagen wie der F-Type vor allem schön und schnell sein darf, muss ein SUV immer auch praktische Talente haben. Es war also gar nicht so einfach, ein knackiges Heck zu entwerfen, das dennoch einen ordentlichen Kofferraum bietet. So stehen aber bis zu 1234 Liter Ladevolumen zur Verfügung.

Foto © Oliver Wolf
Wir rollen weiter vorbei am Café Pro­menade in der Erzherzog-Johann-Allee, von wo aus dem E-Pace neugierige Blick folgen, und streifen geschmeidig durch das Burgtor, den ehemaligen Haupteingang der Stadt. Man merkt am engen Straßen­verlauf, dass dieses Viertel schon ein paar Jahr­hunderte auf dem Buckel hat. Kein ­Problem für unsere kompakte Allradkatze, die schnurstracks zur nächsten Station läuft: der Karl-Franzens-Universität. Nachdem sich der gelbe Riese aus den Übersee-­Kolonien beruhigt hat, entdecken die Fahrgäste den schicken Briten.

Was die ­an­gehenden Jungunternehmer von der schlanken Raubkatze halten? Niklas outet sich gleich als Fan des F-Type. „Der E-Pace geht tatsächlich voll in die Richtung. Nur dass es hier sicher mehr Komfort gibt.“ ­Georg fas­ziniert die Liebe zum Detail und er deutet ­sofort auf das linke untere Eck der Windschutzscheibe, auf der ein Jaguar und sein Junges aufgedruckt sind. „Welche ­Stufe des autonomen Fahrens beherrscht der ­Wagen?“, möchte er wissen. Der Radar-­Tempomat zum Beispiel hält den Abstand zum Vordermann wie aus dem Effeff.

Und Theresa, die schon ganz konkrete Pläne für ihr Unternehmen hat, das etwas mit Elek­troautos zu tun haben soll, ist in erster ­Linie an den praktischen Vorzügen interessiert: „Welche Anhängelast hat denn der? Kann man damit auch Pferdeanhänger ­ziehen?“ Natürlich gibt es eine Anhän­gerkupplung. „Wenn mein Unternehmen voll durchstartet, dann wäre der schon was!“ Kein Wunder, dass der gelbe Riese aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt.

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