Alter, neuer ElektropionierHenrik Fisker: Der Mann, der Elon Musk besiegte

Henrik Fisker schuf Träume der alten Autowelt, baute das erste grüne, vegane Luxusauto. Dann machte er Pleite – und feiert 2022 sein Comeback mit einem E-Auto aus Graz.

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Henrik Fisker mit Hund und seinem Fisker Ocean: Das Projekt ist jetzt endgültig auf Schiene © Chris Davies
 

Der Mann, der ab 2022 bis zu 50.000 E-Autos bei Magna in Graz/Hoce  bauen will, schien noch vor wenigen Jahren am Ende. Fisker Automotive, 2007 von Henrik Fisker gegründet, hatte 2013 einen veritablen Bauchfleck gelandet. Schlechtes Karma könnte man meinen, immerhin hieß sein erstes grünes Luxusauto Karma, mit E-Motoren, einem Verbrennungsmotor, einer Art Hybrid der ersten Stunde, der auch rein elektrisch fahren konnte. Im Auto versuchte man sogar auf tierische Produkte (echtes Leder, Wolle) zu verzichten. Wenn man so will, war es das erste vegane Auto der Welt.

Fisker wurde so hoch gehandelt wie Tesla-Gründer Elon Musk, mit dem er sich übrigens einen spektakulären Rechtsstreit lieferte. Musk hatte Fisker, der in Teslas Anfangszeiten als Mitarbeiter an Bord war, schwer beschuldigt. Von Industriespionage war die Rede. Fisker gewann den aufsehenerregenden Prozess, der den Grundstein für eine Lebensfeindschaft mit Musk legte.

Der Däne Fisker kann ungeheuer überzeugend sein, seinen Ruf begründete er in der alten Autowelt, mit dem Design für BMW Z8 oder Aston Martin DB9 lieferte er Ikonen der Automobilgeschichte. Über Jahre tingelte er zu den Autoshows dieser Welt, lieferte Konzepte, Ideen. Rund eine Milliarde sammelte er von den Investoren für sein Karma-Projekt, Weltstar Leonardo DiCaprio war eines von Fiskers ersten Testimonials.

Die Produktion des E-SUV Ocean soll Ende 2022 starten Foto © Chris Davies

Es half alles nichts: Eine Rückrufaktion, ein Batteriezulieferer, der in Insolvenz ging, und ein Hurrikan, der in Auslieferung befindliche Fahrzeuge zerstörte, trieben Fisker samt Geschäftsmodell in die Insolvenz. Das vorläufige Ende einer abenteuerlichen Geschichte.

In der Szene wird der 58-jährige Fisker als „Überlebenskünstler“ bezeichnet. Er arbeitete schon für BMW, Ford, Aston Martin, Tesla, er entwarf auch Möbel und Jachten. Selbst Kritiker bescheinigen ihm ein exzellentes Gefühl für die richtige Linie – Fisker studierte am Art Center College of Design in der Schweiz. Seine ersten Autos waren, wie „Auto, Motor und Sport“ enthüllte, legendäre Alfas (Alfasud, Alfa GTV6). Schon damals bewies er also guten Geschmack.

Der Fisker könnte auf der Elektroplattform von Volkswagen stehen Foto © Chris Davies

Nach dem „Aus“ 2013 überraschte er 2018 mit zwei Ankündigungen: Er zeigte einen Super-Elektrosportwagen, den er mit einer Feststoffbatterie betreiben wollte. Das Projekt ist noch nicht realisiert, da steht schon das nächste vor der Tür – wesentlich realitätsnäher, in aller Bescheidenheit will er „das grünste und nachhaltigste Auto der Welt bauen“, wie er schon mehrfach in Interviews erklärte. Das wird zuerst der Fisker Ocean aus Graz und Hoce sein.

Kommentare (2)
petera
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Lesenswert?

Ich hoffe dass sich der Spin auf

Die gesamte steirische/österreichische Automobilforschung und -Industrie überträgt.

Mit der TU und anderen pot. Forschungspartner gibt es viel Potential, v. a. auch in der IT.

scionescio
14
10
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Wollen wir wetten, wie lange es den Fisker Ocean geben wird?

In welche Werkstatt würdest du zB fahren? Bist du dir sicher, dass du in 3 Jahren noch Ersatzteile bekommst?
In China gibt es an die 400 Hersteller von BEVs - fast alle davon mit deutlich höheren Stückzahlen und mehr Investoren ...