E-Autos als StromspeicherWie sie beim Energiesparen helfen könnten

Elektroautos können nicht nur der Fortbewegung dienen, sondern auch als Stromspeicher genutzt werden. Wie hoch das Potenzial ist, haben jetzt Schweizer Forscher berechnet.

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© Herr Loeffler/stock.adobe.com (Sven Loeffler)
 

Ein Team um den Doktoranden Loris di Natale von der Empa (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) und der ETH Lausanne (EPFL) hat nun das Potenzial von Elektroautos als Stromspeicher unter die Lupe genommen. Dadurch soll in der Schweiz produzierter Strom hier gehalten und gleichzeitig weniger importiert werden müssen. Für den Klimaschutz ist letzteres insbesondere dann wünschenswert, wenn importierter Strom aus emissionsintensiven Quellen wie Kohle- oder Gaskraftwerken stammt.

Resultat der Studie, die im Fachmagazin "Energies" erschienen ist: Im Jahr 2050 ließen sich die importierten Treibhausgasemissionen um rund 35 Prozent reduzieren, wenn Elektroautos als Stromspeicher genutzt würden. In Kombination mit Speicherseen und Pumpspeicherkraftwerken könnte gar eine Reduktion von 60 Prozent erreicht werden. Dabei würden Elektroautos vorwiegend die täglichen Spitzen glätten, die Wasserspeicher die saisonalen Spitzen.

Solarstrom besitzt einen entscheidenden Makel: Im Sommer und über die Mittagszeit gibt es zu viel Strom, in den Abendstunden und im Winter zu wenig. Steigt die Schweiz aus der Atomenergie aus und baut die Erneuerbaren im großen Stil aus, werden sich die bereits bestehenden tages- und jahreszeitlichen Schwankungen verstärken.

Die Forscher betonen jedoch, dass die Schweiz selbst bei vollständiger Ausschöpfung des Elektroauto-Speicherpotenzials die Schwankungen nicht vollständig ausgleichen können wird. Die Schweiz bleibe im Winter ein Nettoimporteur, im Sommer ein Nettoexporteur, schreiben sie. Um die verbleibenden Überschüsse im Inland zu nutzen, brauche es insbesondere für die saisonale Speicherung neue Technologien, etwa Wasserstoff oder synthetische Treibstoffe.

Zudem brauche es genügend Elektroautos, genügend Lade- und Entladestationen sowie die rechtlichen Grundlagen, um Strom aus den Elektrofahrzeugen ins Netz einspeisen zu können, sagte Di Natale im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

"Laut unseren Berechnungen erreichen wir bereits mit dem kleinen Szenario von 1,4 Millionen Fahrzeugen einen deutlichen Stromspeicher-Effekt", so der Forscher. Dabei sei allerdings eine zusätzliche Abnutzung der Batterien spürbar. Ab 1,4 Millionen Fahrzeugen nehme die zusätzliche Alterung der Batterien jedoch immer mehr ab, da sich die Ausgleichsströme auf mehr Fahrzeuge verteilen würden. "Beim Szenario mit 3,5 Millionen Fahrzeugen ist keine zusätzliche Alterung mehr nachweisbar", so Di Natale.

Kommentare (5)
melahide
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Kann es nicht geben

und funktioniert auch nicht. Außer in Japan, da machen die es schon seit Jahren. Aber wir in Österreich wissen es besser

styrianprawda
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Ziemlich realitätsfern

Wenn man dieses Szenario in die Realität überführen wollte, müsste jedes BEV, sobald es steht, an eine Ladestation angeschlossen werden.
Die Frage ist nur was man dann macht, wenn man eine längere Strecke fahren möchte und das Sytem der Batterie "Ausgleichsenergie" entnommen hat?

Daher: ein BEV ist gut, aber nur für den urbanen Betrieb und für relativ geringe Nutzlasten. Für alles andere werden es FCEVs sein (müssen).

scionescio
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Beim Szenario mit 3,5 Millionen Fahrzeugen ist keine zusätzliche Alterung mehr nachweisbar", so Di Natale

Was für ein Experte: jeder Lade-/ Entladevorgang trägt elektrochemisch zur Degradierung eines Akkus bei - bei hohen Strömen mehr, bei kleinen Strömen weniger … nicht umsonst wird die Lebensdauer eines Akkus in Ladezyklen angegeben.

Welcher normale Mensch riskiert einen vorzeitigen wirtschaftlichen Totalschaden seines BEVs (Tausch des Akkus) und erhält dafür nur ein paar Franken?

Carlo62
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Technisch vollkommen richtig!

Außerdem, wer möchte in ein entladenes Auto einsteigen? Woher soll das Regelsystem wissen, wann ich welchen Ladezustand benötige?

scionescio
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@Carlo: ich war an einem ähnlichen Projekt in London (Flughafen Heathrow) beteiligt ...

... da hatte man schon vor Jahren eine ähnliche Idee: während der Flugpassagier unterwegs ist und sein BEV am Flughafen parkt, wird es als Speicher benutzt um zu günstigen Zeiten billigen Strom zu speichern und teuer wieder zu verkaufen, wenn gerade mehr Nachfrage herrscht. Obwohl man da sogar gewusst hat, wann der Passagier wieder zurückkommt, war das Projekt gleich wieder erledigt, als man die BEV Besitzer gefragt hat, ob sie bereit wären, gegen ein paar Pfung und freies Parken ihr Fahrzeug zur Verfügung zu stellen- über 90% der Befragten sagten zu Recht nein und die notwendige Infrastruktur (Hunderte Ladestellen, Anbindung Übertragungsnetz) wäre so teuer gewesen, dass der ROI best case bei 25 Jahren gelegen wäre ...