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Mobilität in Zeiten von CoronaKatharina Straßer und ­Thomas Stipsits im Mobilitäts-Crashtest

Mobilität im Wandel - Die Serie - Teil 1: „Ich finde das Auto als Isolierzelle angenehm“, sagt Thomas Stipsits. „Autos sind mir total wurscht“, Katharina Straßer. Das Künstlerehepaar im persönlichen Mobilitäts-Crashtest über Autoliebe, saugefährliche Radwege und Öffis in Coronazeiten.

Das Künstlerehepaar Katharina Straßer und ­Thomas Stipsits - er liebt Oldtimer, sie findet sie gefährlich © Oliver Wolf
 

Der Treffpunkt zum Gespräch: das Café Aumann in Wien, ein Stammcafé von Katharina Straßer und Thomas Stipsits. Beide sind gerade mit ihren Kindern Emil und Lieselotte von Niederösterreich nach Wien gefahren. Dabei sitzen sie selten gemeinsam im Auto, wie sie erzählen.

Ein kleines Beifahrer-Problem?

THOMAS STIPSITS: Nein, das hat organisatorische Gründe. Einer da, einer dort, einer beruflich, einer zu den Kindern.
KATHARINA STRASSER: Deshalb haben wir auch zwei Autos, zwei Peugeot, 308 und 508, und zum ersten Mal als Plug-in-Hybrid.
STIPSITS: Das stiftet für mich den größten Sinn. Man fährt auf der Autobahn mit dem Verbrenner und in der Stadt elektrisch. Die Leute, die ich kenne und die rein elektrisch fahren – na ja, das steckt noch ein bisschen in den Kinderschuhen.
STRASSER: Ich könnte ein reines E-Auto derzeit nicht in unseren Alltag integrieren. Wir können ja das Kabel nicht in unserer Wohnung in Wien aus dem Fenster hängen. Und womöglich kann ich nicht losfahren, weil das Auto leer ist. Wenn ich in der Nacht auch noch daran denken müsste, ich muss das Ding ja anstecken ... Ich schaffe das ja manchmal nicht einmal beim Handy.

Wie stellt sich Ihr Verhältnis zu den Autos dar?

STRASSER: Autos sind mir total wurscht. Es muss funktionieren. Ich habe überhaupt keine Bindung zu einem Auto, da bin ich schmerzfrei.

Schauspielerin, Sängerin, Moderatorin Katharina Straßer Foto © Oliver Wolf

Zur Person

Katharina Straßer (geb. 1984 in Rum, Tirol)  stammt aus einer Theaterfamilie, Schauspielausbildung am Konservatorium Wien Privat­universität. Schauspielerin (Bühne/Film), Sängerin, Moderatorin. Nestroy-­Preis-Gewinnerin. Mit Thomas ­Stipsits verhei­ratet, zwei Kinder.

Ihr Mann hat aber eine fast familiäre Bindung zu seinen Oldtimern ...

STRASSER: Oldtimer sind sehr unpraktisch. Und mir auch nicht sicher genug, sie verbrauchen viel.
STIPSITS: Ja ...
STRASSER: Ich sage es jetzt wirklich so, wie ich es mir denke. Aber schön ist es schon. Süß schaut das aus, wenn man aus einem Old­timer aussteigt. Unpraktisch sind sie halt, dauernd kaputt, auf der Autobahn hat es einmal rausgeraucht, da ist einer fast explodiert (lacht).
STIPSITS:  (lacht)
STRASSER:  Autofahren ist für mich, an ein Ziel zu kommen. Das Autofahren an sich ist für mich eine sinnlose Tätigkeit. Ich komme an ein Ziel, aber nicht der Weg ist das Ziel, ich möchte schnell ankommen.

Nicht jeder Autofahrer ist ein guter, nicht jeder ein schlechter Mensch.

Thomas Stipsits

Das hört sich nach harter Überzeugungsarbeit an.

STIPSITS: Ich war dann schon auf der Seite meiner Frau, als wir gewusst haben, wir bekommen ein Kind. Aber da ist etwas, worin wir uns unterscheiden: Autofahren ist eine Tätigkeit. Deshalb bin ich so gerne mit alten Autos gefahren. Weil du irrsinnig viel gespürt hast. Jedes Schalten, jedes Bremsen wird intensiv wahrgenommen.
STRASSER: Das brauch ich nicht.
STIPSITS: In einem neuen Auto ist das ein anderes Gefühl, auch schön, fast wie in einem Flugzeug. Da ist das Lebensgefühl Fahrfreude. Ich bin schon ewig nicht mit den Kindern im Oldtimer gefahren. Kann man so ein Auto überhaupt noch fahren? Obwohl man so eine Beziehung hat, das ist schon ein bissl ein ambivalentes Verhältnis. Ein Einzelner wird zwar nicht die Welt mit so einem Oldtimer ersticken. Aber mich beschäftigt das schon.
STRASSER: Es ist kaum vertretbar zu sagen, ich fahre aus reinem Spaß mit dem Auto.

Schauspieler und Kabarettist Thomas Stipsits Foto © Oliver Wolf

Zur Person

Thomas Stipsits (geb. 2. 8. 1983 in Leoben). Ausbildung: Matura (inkl. Religion mit Nachzipf); Autor (zweiter Teil der genialen Stinatz-
Krimi-Serie ab Herbst), Schauspieler, Kabarettist, mehrfach ausgezeichnet – und Sammler von Peugeot-Old­timern.

 

Welche alternativen Mobilitätsformen nützen Sie?

STRASSER: In der Corona-Quarantäne haben wir stärker mit dem Radfahren begonnen, ein gutes Training.
STIPSITS: Wir radeln auch im Alltag, fürs Einkaufen.
STRASSER: Ich bin früher viel in Wien geradelt, aber viele Radwege sind zu schlecht, saugefährlich!
STIPSITS: Die anderen Radlfahrer sind oft ja auch so arg.
STRASSER: Ja, fast alle. Und Autofahrer mögen keine Radlfahrer und umgekehrt.
STIPSITS: Sagt man (lacht).
STRASSER: Aber was ich seit der Quarantäne vermeide, sind die Öffis. Ich fahre kaum noch U-Bahn.
STIPSITS: Dabei sind wir früher fast nur U-Bahn gefahren.

Viele Radwege sind zu schlecht, saugefährlich.

Katharina Straßer

Herr Stipsits, Sie haben sich in einem Beitrag ironisch so geäußert: „Muss ich künftig bei allem, was schmeckt, vorher nicht nur die Fett-, sondern auch die Emissionswerte berechnen?“ Die Mobilität strahlt derzeit ins ganze Leben. Wie viel Selbstgeißelung darf, muss sein?

STIPSITS: Das ist etwas, was mir auf den Senkel geht. Dass ich für alles – übertrieben formuliert – eine Bescheinigung brauche, dass ich das so machen darf. Allein, dass du einen Erdäpfelsalat machen kannst, da musst du herumlaufen wie bei der Nasa. Was Corona geschafft hat: dass wir noch mehr regional einkaufen. Das ist aber auch eine Sache, die man sich leisten können muss. 
STRASSER: Für gutes, regionales Essen braucht man Geld. Viele können sich das nicht leisten.
STIPSITS: Mich stören jene moralischen Instanzen, die ihr Lebensmodell als das richtige kolportieren, aber nicht weiterdenken, dass es Menschen gibt, die sich das nicht leisten können. Für eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern: Da wird es schwierig, Bio-Hühnerfleisch um 70 Euro/Kilogramm zu kaufen.

Ich bin für die Entweder-oder- Lösung: entweder Fußgängerzone oder nicht.

Thomas Stipsits

Jetzt reden wir mehr übers Essen als über die Mobilität.

STIPSITS: Man darf das Ganze nicht zu moralisch sehen. Jeder, der einen Verbrenner fährt, ist ein Umweltsünder – diesen Ansatz halte ich auch nicht für richtig. Es geht um das große Ganze: Nicht jeder Autofahrer ist ein guter, und nicht jeder Autofahrer ist ein schlechter Mensch. Da geht viel Dialog verloren.

Viele verbinden Auto mit Freiheit.

STIPSITS Ich habe das System jetzt 40 Jahre genossen, diese Freiheit, mit dem Auto zu fahren. Und so gelebt. Es ist schwierig, da wieder herauszukommen. Ich bin gespannt, wie unsere Kinder später da­rüber denken. Sagen sie: Was, ihr seid wirklich mit Benzin gefahren? Oder: Elektro? So ein Blödsinn. Man weiß es nicht.

Darüber wird schon heute diskutiert.

STIPSITS: Man muss beide Seiten betrachten. Die Batterien-Herstellung ist nicht so CO2-frei wie behauptet. Wer sind die Menschen, die die Rohstoffe beschaffen müssen? Und was verdienen die in der Stunde? Oder: Was passiert mit den Akkus, wie die Entsorgung? Ganz wertfrei: Das schwirrt schon im Kopf he­rum. Die Verbrennermobilität hat es besonders schwer, weil hier CO2 verursacht wird. Dann heißt es: Du weißt schon, dass du dich schuldig machst, wenn du Verbrenner fährst – aber das geht mir am Zeiger. Dann bitte sagt mir die Alternative! Das, was ich bis jetzt sehe, ist zu wenig.

Man kann nicht ganz Wien autofrei machen.

Katharina Straßer

Immer wieder heißt es: Autos raus aus der Stadt.

STRASSER: Umwelttechnisch klingt es ja gut. Aber schwierig. Ich habe mit mir einen Frieden gefunden, dass ich zumindest in der Stadt elek­trisch fahren kann.
STIPSITS: Da müsste es schon ganz gute oder bessere Konzepte geben.
STRASSER: Ich verstehe zum Beispiel die Mariahilfer Straße nicht. Dort, wo man fahren kann, ist es echt gefährlich. Die Leute gehen auf der ­Straße. Die Radlfahrer fahren so, als gäbe es keine Autofahrer.
STIPSITS: Gewonnen hat die Mariahilfer Straße dort, wo sie ganz autofrei ist. Aber es ist wieder einmal eine österreichische Lösung: Ein bissl ist eh, aber eh nicht so ganz. Ich bin da eher für eine Entweder-oder-Lösung: entweder Fußgängerzone oder nicht.

Autofreies Wien und in Coronazeiten mit den Öffis fahren: Würden Sie das mit den Kindern machen?

STRASSER/STIPSITS: Nein, natürlich nicht (unisono).
STRASSER: Was macht eine Familie, die viel eingekauft hat im ersten Bezirk, der autofrei werden soll? Die Drohne, die mir das bringt, gibt es halt noch nicht. Was wir mit den Kindern schon immer schleppen ... Ohne Möglichkeit, vor die Haustür zu fahren, auszuladen, die Kinder raufzubringen, das wäre einschränkend für die Lebensqualität. Es geht halt nicht ohne. Man kann nicht ganz Wien autofrei machen.
STIPSITS: Ich könnte viele Termine mit der Bahn machen. Aber ich fahre lieber mit dem Pkw. Das finde ich komfortabler und ich habe dort meine Privatsphäre.

Gewinnt das Auto als sinnstiftende Isolierzelle wieder an Bedeutung?

STIPSITS: Ich finde das Auto als Isolierzelle angenehm.

Und die Alternative Zug?

STIPSITS: Der Weg, bis man zum Zug kommt, der ist ja manchmal schon mühsam.
STRASSER: Wenn ich meine Oma in Linz besuche, bin ich mit der Westbahn schneller. Wenn ich nach Innsbruck mit unseren Kindern zu meiner Familie fahre, dann auch mit dem Zug, aber dann ist Zugfahren ein Event für die Kinder mit Jause, Kinderabteil, 1000 Spielen. Mit beiden Kindern aber nach Innsbruck mit dem Auto zu fahren, das wäre nichts. Wir sind mit den Kindern unlängst nach Klagenfurt mit dem Auto gefahren zu einer Vorstellung ...
STIPSITS: ... und wir sind abends weggefahren, haben gedacht, die Kinder werden schon im Auto einschlafen.
STRASSER: (lacht)
STIPSITS: Um 22 Uhr waren wir in Klagenfurt, um 21.45 sind sie eingeschlafen und ...
STRASSER: ... davor haben sie fast drei Stunden durchgebrüllt. Dann waren sie grantig, weil wir sie aufgeweckt haben, und wir alle waren bis zwei Uhr früh munter.    

Kommentare (2)
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Monolog75
5
4
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Peugeot Oldtimer sammeln?

Die rosten ja schon auf dem Neuwagenprospekt!

pescador
27
5
Lesenswert?

Autos sind mir total wurscht

Frau halt.....