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ModellvorstellungGordon Murray baut einen Staubsauger mit 650 PS

Gordon Murrays neuer Supersportwagen ist nicht nur stark und schnell. Er schlägt der Physik gleich mehrmals ein Schnippchen.

Der T.50 von Gordon Murray hat einen Propeller im Heck © KK
 

Wie feiert man als Konstrukteurslegende sein 50-jähriges Jubiläum? Für den Briten Gordon Murray, der in den letzten Jahrzehnten neben unzähligen Formel-1-Rennern auch den unvergleichlichen McLaren F1, den ultraleichten Rocket, aber auch den äußerst cleveren Kleinwagen T.25 entworfen hat, keine leichte Aufgabe.

Aber der gebürtige Südafrikaner nimmt sie an und verkündete unlängst, 2022 den T.50 auf den Markt bringen zu wollen – einen Supersportwagen mit massivem Einsatz von Kohlefaser, um das Fahrzeuggewicht bei unter einer Tonne zu halten. Dazu kompakte Abmessungen: Mit gerade einmal 4,38 Metern Länge ist er nicht länger als ein modernes Kompakt-SUV und mit 1,85 Metern Breite sogar schmäler als ein Porsche 911. Spätestens bei der Höhe von 1,15 und dem Radstand von 2,7 Metern wird einem aber dann recht schnell klar, dass Gordon Murray hier alles andere als ein halbherziges Spielzeug auf die breiten Räder stellt.

Die Musik spielt in der Mitte

Dank des langen Radstands passen nämlich ein V12-Saugmotor mit vier Litern Hubraum samt Sechsgang-Schaltgetriebe in Mittelmotor-Konfiguration vor die Hinterachse. Dennoch gibt es davor genügend Platz für drei Personen. Richtig gelesen – drei Personen – schließlich kommt beim T.50 die Sitzanordnung des McLaren F1 wieder zum Zug: Der Fahrer sitzt mittig und seine zwei Passagieren befinden sich jeweils rechts und links von ihm. Sogar einen kleinen Kofferraum soll es geben, Murray möchte schließlich, dass man seine Autos auch verwenden und nicht nur anschauen kann.

Cosworth zeichnet für die Konstruktion des Zwölfzylinders verantwortlich. Die 650 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment bewältigt der Alumotor ganz ohne Aufladung. Dafür soll er höher drehen als alle anderen vor ihm: Von mehr als 12.000 Touren ist die Rede, doch das ist noch lange nicht alles. Die große Hutze auf dem Dach des T.50 bewirkt bei Vollgas einen zusätzlichen Ram-Air-Effekt der Ansaugluft, was 50 weitere PS freisetzen soll.

Stromer und Staubsauger

Und damit auch bei niedrigen Drehzahlen noch genügend Leistung zur Verfügung steht, greift Murray auf hochmoderne Hybridkomponenten zurück. Das 48-Volt-Bordnetz samt Starter-Generator dient aber nicht nur der Leistungsgewinnung. Dank ihm wäre sogar ein Spritsparmodus möglich, in dem die Flunder rein mit E-Power durch die Gegend surrt. Fix jedenfalls eine Einstellung geplant, bei dem der Elektromotor für drei Minuten 30 Extra-PS abgibt.

Es ist jedenfalls unbestritten, dass der T.50 abgehen muss wie Murrays Katze. Dass man dennoch keine Fahrwerte verrät, hat aber trotzdem einen guten Grund: Dem Konstrukteur geht es weder um neue Rekorde bei der Beschleunigung noch bei der Endgeschwindigkeit. Sondern einzig und allein um Fahrspaß. Und dafür sorgen neben aufwändiger Achskonstruktionen, geringen ungefederten Massen und einer perfekten Ausbalancierung der Gewichtsverhältnisse zwischen Vorder- und Hinterachse vor allem eine Einrichtung, die es bislang nur einmal kurz in der Formel 1 gegeben hat: der Staubsauger.

Der "Staubsauger" in der Formel 1

Ja, wirklich, diesen Staubsauger gab es tatsächlich einmal in der Formel 1. Brabham brachte in der Saison 1978 den BT46A mit genau so einem Heckgebläse an die Startlinie zum Schweden-GP.
Offiziell hieß es, der Rotor diene nur der Motorkühlung. Nachdem Fahrer Niki Lauda aber nicht einfach nur gewann, sondern der Konkurrenz dank des Übermaß an Grip fast schon nach Belieben um die Ohren fuhr, schauten die Funktionäre einmal ein wenig genauer hin.
Brabhams Wunderwaffe wirbelte also nicht nur auf der Piste viel Staub auf, sondern auch bei der FIA. Nach einem Renneinsatz wurde das Gebläse verboten, sehr zum Missfallen des jungen Konstrukteurs. Sein Name: Gordon Murray.

Richtig gelesen, der T.50 vertraut tatsächlich auf einen 40 Zentimeter großen Propeller, der im Heckbereich zwischen den Rückleuchten angebracht und über Kanäle mit Öffnungen auf dem Unterboden verbunden ist. Dabei geht es aber nicht darum, die Fahrbahn sauber zu halten, sondern den Nebeneffekt der Luftpumpe auszunutzen: Der so erzeugte Unterdruck bewirkt nämlich, dass sich der Wagen förmlich auf der Straße ansaugt. Der Dreisitzer kommt somit ohne großartiges Spoilerwerk aus, und da die Drehzahl des Propellers variiert werden kann, gibt es unterschiedliche Fahrprogramme, je nachdem, ob besonders viel Anpressdruck benötigt wird – etwa auf eine Rennstrecke. Oder möglichst wenig – etwa auf der Deutschen Autobahn.

Jedenfalls. 100 Stück des T.50 sollen produziert werden. Die Preise? Bei rund 2,2 Millionen Euro geht es los, vor Steuern natürlich. Und auch wenn die Präsentation erst für Mai 2020 und der Produktionsstart für 2022 angepeilt wurde. Die Auflage gilt bereits jetzt als vollständig vergriffen.

Kommentare (2)

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scionescio
7
14
Lesenswert?

Wieso schlägt dieses Fahrzeug der Physik gleich mehrmals ein Schnippchen?

Es ist wohl eher so, dass gutverstandene physikalische Effekte von einem genialen Konstrukteur ausgenutzt wurden, um ein auf Fahrspaß optimiertes Fahrzeug zu entwerfen.
Die Physik gilt doch nur für die Tesla-Fanboys nicht - die prahlen doch am Stammtisch gerne im Schutz der absoluten Ahnungslosigkeit von Verbrauchswerten und Reichweiten, die schon rein physikalisch unmöglich sind.

Carlo62
4
6
Lesenswert?

Sollte jemand der Physik ein Schnippchen schlagen...

...müssten wir die Naturgesetze neu definieren. Wieso aber 650 PS mit 400 Nm aus einem 12-Zylinder so erwähnenswert wäre, ist mir nicht erklärlich. Meiner holt 500 Nm aus 6 Zylindern und dreht dabei nicht einmal bis 4000 min-1.