Jubiläum 75 Jahre Vespa

Gehen Sie mit uns auf eine Zeitreise durch 75 Jahre Vespa.

Beginn als Flugzeugbauer

Die Firma Piaggio wurde 1884 in Genua gegründet. Anfangs stattete Rinaldo Piaggios Unternehmen Luxusschiffe aus und ging später zur Herstellung von Eisenbahnwaggons, Lieferwagen, Luxusbussen, Motoren, Straßenbahnen und speziellen Lastwagenkarosserien über. Im Ersten Weltkrieg begann Piaggio mit dem Bau von Flugzeugen und wurde einer der führenden Hersteller Italiens, weshalb die Anlagen der Firma während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden.

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Vespa Paperino

Die Söhne des Firmengründers, Enrico und Armando, begannen nach dem Krieg mit dem Wiederaufbau. Enrico entschied sich für eine Umstellung der industriellen Fertigung und konzentrierte sich nunmehr auf die individuelle Mobilität der Nachkriegsitaliener: Ein billiges Produkt für die breite Masse musste her. Und damit beauftragte er den Luftfahrtingenieur Corradino D’Ascanio. Der als MP5 bekannte erste Prototyp erhielt aufgrund seiner gewöhnungsbedürftigen Form den Spitznamen „Paperino“ (der italienische Name für Donald Duck). Enrico Piaggio ersuchte Corradino D’Ascanio jedoch um eine Neukonstruktion, da er das Gefährt nicht mochte.

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Die Technik der Vespa

Der Flugzeugkonstrukteur hingegen mochte keine Motorräder. Er fand sie unbequem und schwerfällig, außerdem gestaltete sich der Reifenwechsel nach einer Panne mühsam. Noch schlimmer war, dass man sich an der Antriebskette schmutzig machte. Aber D’Ascanio fand eine Lösung: Um eine Kraftübertragung mit Kette zu umgehen, ersann er ein Fahrzeug mit strapazierbarer Karosserie, die ölige Teile verdeckte, und Direktantrieb. Er platzierte den Ganghebel auf den Lenker, um so die Bedienungsfreundlichkeit zu vergrößern. Zur Vereinfachung des Reifenwechselns entwarf er statt einer Gabel einen Tragarm wie bei einem Flugzeugfahrwerk.

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Die erste Vespa 1946

Unterstützt von seinem Lieblingsdesigner Mario D’Este benötigte D’Ascanio für die ersten Skizzen der Vespa, die im April 1946 in Pontedera erstmals vom Band rollte, lediglich ein paar Tage. Getauft wurde es von Enrico Piaggio selbst, der beim Anblick des Prototyps M6 mit seinem breiten Mittelteil, auf welchem der Fahrer saß, und seiner schmalen Taille ausrief: "Es sieht wie eine Wespe aus!" Damit hatte das Kind auch einen Namen: Vespa.

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Produktion der Vespa

Am 23. April 1946 meldete Piaggio ein "Motorrad mit einem rationalen Komplex aus Funktionseinheiten und Elementen sowie einer Karosserie mit verbundenen Kotblechen und einer Abdeckung sämtlicher mechanischer Teile" zum Patent an. Kurz darauf wurde die Vespa der Öffentlichkeit vorgestellt und rief stark gemischte Reaktionen hervor. Enrico Piaggio besaß jedoch genug Mut, um eine Massenfabrikation der ersten Vespa mit 98cm³ zu starten. Sie erreichte mit nur 3,2 PS eine Geschwindigkeit von 60 km/h. 1947 schaffte der Roller stückzahlenmäßig den Durchbruch.

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Die erste 125er

Im Jahr darauf kam das größere Modell 125 als Nachfolgerin auf den Markt. Sie hatte 5 PS Leistung und war 75 km/h schnell.

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Lizenzproduktionen

Zwischen 1946 und 1953 stiegen die Stückzahlen von rund 2500 auf 170.000 Vespas pro Jahr. Denn mittlerweile wurde die italienische Ikone auf einigen Märkten in Lizenz gebaut, unter anderem ab 1950 von den Hoffmann-Werken in Lintorf. Im darauf folgenden Jahr nahmen Lizenznehmer in Großbritannien (Douglas in Bristol) und Frankreich (ACMA of Paris) ihre Produktion auf, 1953 begann die Fertigung bei Moto Vespa in Madrid in Spanien (heute Piaggio España), unmittelbar darauf bei Jette bei Brüssel. Auch in Bombay und Brasilien schossen Fabriken aus dem Boden. Bald wurde die Vespa in 13 Ländern hergestellt und in 114 vertrieben, auch in Australien, Südafrika (wo man sie als “Bromponie” oder "Moorpony" kannte), im Iran und in China. Und wegen des Erfolgs wurde sie natürlich auch kopiert: In Russland lief mit der Viatka 150 cc ab 1957 ein Vespa-Klon vom Band. 

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Die Abenteuer der Vespa

Natürlich gab es auch zahlreiche abenteuerliche Versionen der Vespa: Wie etwa Spezialausführungen, die 1967 für den Kino-Geheimagenten Dick Smart entwickelt wurden, die fliegen oder sich sogar unter Wasser fortbewegen konnte. Die französische und die italienische Armee ließen einige Modelle bauen, mit denen Fallschirmjäger aus einem Flugzeug abspringen konnten. Sogar die italienische Arme ersuchte Piaggio 1963 um einen fallschirmtauglichen Roller. 1952 baut der Franzose Georges Monneret für das Rennen London-Paris eine "Amphibien-Vespa" und überquerte damit erfolgreich den Ärmelkanal.

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Die Vespa im Motorsport

Die schöne Italienerin konnte sich in einigen Abenteuern behaupten: 1962 hatte Piaggio einen Vespa-Prototyp mit 125 cm³ für Straßenrennen gebaut und stellte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit 171,102 km/h einen neuen Rekord auf einem fliegend gefahrenen Kilometer auf. Sie wagte eine Expedition in den Kongo und erreichte mit dem italienischen Studenten Giancarlo Tironi den Polarkreis. Der Australier Geoff Dean unternahm mit der Vespa sogar eine Reise um die Welt und als Krönung überquerten zwei von M. Simonot und B. Tscherniawski gefahrene Vespa PX 200 bei der Rallye Paris-Dakar 1980 die Ziellinie.

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Die Vespa in Hollywood

In "Ein Herz und eine Krone" (Bild) waren Audrey Hepburn und Gregory Peck nur die ersten einer langen Reihe internationaler Schauspieler, die man im Kino auf dem berühmtesten Roller der Welt sehen konnte. Die Filmgeschichte der Vespa reicht von „American Graffiti“ bis „Quadrophenia”.

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Die Ape

Die Geschichte der Wespe ist untrennbar mit der der Biene verbunden: Nur ein Jahr knatterte die legendäre Vespa durch die Straßen, da bekam der Roller auch schon eine kleine Schwester. Oder eigentlich eine große: Die Ape (Biene) war 1947 nicht mehr als eine dreirädrige Vespa mit Anhänger, sogar deren 125-cm³-Motor, der sich unter dem Sitz befand, teilten sich die Piaggio-Schwestern.

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Die Ape

Der Kleintransporter war perfekt für die schmalen Gassen des Südens, entsprechend groß war die Vielfalt: Apes gab es als Pizza-Flitzer, fahrendes Eisgeschäft oder Bäckerladen. 1956 kam die erste Ape mit Kabine auf den Markt, 1969 dann die Ape 50, die bis heute gebaut wird, seit 2007 in Indien.

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Die Vespa 400

1957 bekam der legendäre Roller auch eine vierrädrige Schwester zur Seite gestellt. Die Vespa 400 war ein Kleinstwagen mit luftgekühltem 393-cm³-Zweizylinder-Zweitaktmotor. Die Cabriolimousine war 2,8 Meter kurz und hatte hinten angeschlagene Türen. 1961 lief die Produktion der Vespa 400 aus.

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Meilensteine der Modellgeschichte

1955 stellte Vespa mit der 150 GS (Bild) die erste Vespa auf die Räder, die mehr als 100 km/h schnell war. Mit der Vespa 50 trat 1964 die erste „kleine Vespa“ mit dem 50-cm³-Aggregat und 3 Gängen für die „Moped-Klasse“ an, vier Jahre darauf hatte die berühmte Primavera ihren ersten Auftritt.

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Meilensteine der Modellgeschichte

m Lauf der Vespa-Geschichte ist die PX (125, 150, 200cc) der größte Verkaufsschlager. Sie kam 1977 auf den Markt und verkaufte sich mehr als zwei Millionen Mal. 1996 wurde die ET4 vorgestellt – die erste Vespa mit Viertaktmotor. 2006 präsentierte die Piaggio-Gruppe die Vespa LX 50 HyS (Hybrid Scooter), den ersten zweimotorigen "parallelen" Hybrid-Roller (Bild).

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Eine Erfolgsgeschichte

1960 überschritten die Vespa-Stückzahlen die Zweimillionen-Grenze, bis heute sind es mehr als 16 Millionen Stück. Und auch nach 70 Jahren ist noch kein Ende in Sicht.

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