In ihrer ganz subjektiven Wahrnehmung hat Laura Freudenthaler schon immer gelesen und geschrieben. Für sie bedeutet das nicht mehr oder weniger als „die Welt zu erfahren und ihr zu begegnen“. Dafür denkt die manuskripte-Literaturpreisträgerin von 2021 nicht darüber nach, ihre Geschichten an Menschen weiter zu geben. Vielmehr ist sie darum bemüht, einen Ausdruck, eine Form zu finden, für das, was sie umtreibt. „Ich gehe nicht davon aus, als Schriftstellerin eine Aufgabe zu haben. Vielleicht als Definition: Schriftstellerin bin ich, wenn ich schreibe.“
Der manuskripte-Preis ist für die 1984 in Salzburg geborene Autorin schon etwas Besonderes. Nicht nur, weil sie mit dem Preisgeld nach eigener Aussage ihre Lebenshaltungskosten bestreiten kann, sondern auch, weil sie in den manuskripten vor vielen Jahren ihre allererste Veröffentlichung in einer Literaturzeitschrift hatte. „Seitdem sind immer wieder Auszüge oder Vorabdrucke aus meinen Büchern hier erschienen, und insofern empfinde ich diesen Preis tatsächlich als Ehrung – ein zugleich schlichtes und gewichtiges Wort.“
Über die praktischen Dinge des Schreibens gibt Freudenthaler nur ungern Auskunft. Nicht nur, weil es ihr unnötig und eitel vorkommt, „sondern auch deshalb, weil jede Aussage notwendigerweise falsch ist. Es ist alles immer nur in diesem Moment oder für diesen Text gültig, und in einem Jahr, in zwei Monaten, in einer Woche muss ich es wieder anders angehen. Es soll um den Text gehen, den ich genau so weit bearbeitet habe, bis ich ihn herausgebe; alles andere ist letztlich nicht von Interesse.“
Ihren Schreibstil beschreibt Freudenthaler als „klar“, wobei sie auch nachvollziehen kann, dass ihren Sätzen eine gewisse Kälte nachgesagt wird. „Wenn ich einen Text veröffentliche, beginnt er ein eigenes Leben, dann liest ihn jeder Mensch für sich. Ich lese abgeschlossene Texte im Allgemeinen nicht mehr, insofern denke ich auch nicht darüber nach, wie ich sie beschreiben würde. Ich schreibe sie.“
Laura Freudenthaler unterscheidet auch nicht zwischen einzelnen Elementen, die einen (literarischen) Text ausmachen. Also Sprachstil, Sprachfluss- und -melodie, Semantik und Handlungsstränge. „Handlungsstrang ist ein Wort, das ich verstörend finde, das ich nicht verwenden kann. Aber es ist wohl gar nicht so falsch, dass in einem bestimmten Konzept von Literatur, in einer bestimmten Literaturweltsicht die Handlung ein Strang ist – oder sogar mehrere – an denen sie aufgehängt wird.“