InterviewLeben in den Regionen als Alternative zur Mikrowohnung

Die Gebäude in Graz werden größer, die Wohnungen selbst kleiner. Gerald Gollenz sieht darin nicht die Zukunft.

Zuzug ist auch außerhalb von Graz möglich: Gleisdorf © Begsteiger
 

Auf der „Lebensraum“ finden sich heuer Neubauprojekte in Hülle und Fülle, hauptsächlich in Graz und Umgebung. Wird da nicht einfach zu viel gebaut?
GERALD GOLLENZ: Auf keinen Fall. Bei dem Zuzug, der in Graz herrscht, ist es eher so, dass wir im Jahr noch 1000 Wohnungen zu wenig haben. Wir bauen sicher nicht am Markt vorbei, die Nachfrage ist da.

Immer öfter stechen bei Neubauprojekten vergleichsweise kleine Wohnflächen ins Auge. Werden wir in Zukunft auf engem Raum wohnen?
Mikrowohnungen unter 30 Quadratmeter sind mit Sicherheit im Kommen. Sie sind ein Weg, um den derzeit herrschenden Zuzug zu bewältigen und
möglichst viele Bewohner in den Ballungszentren unterzubringen – aber ob das die Zukunft ist?

Gerald Gollenz, WKO-Fachgruppe Immobilientreuhänder Foto © Furgler

Was wäre denn eine mögliche Alternative?
Grundstücke in guten Grazer Lagen sind einfach kaum mehr zu kriegen. Meiner Meinung nach wäre es besser, sich nicht nur auf Graz zu beschränken, sondern auch aufs weitere Umland auszuweichen. Und damit meine ich nicht den Speckgürtel, sondern die Bezirke.

Ist das Wohnen in ländlichen Regionen der Steiermark nicht attraktiv
genug?
Es ist einfach österreichweit so, dass alles in die Landeshauptstädte
tendiert. Da müsste ein Umdenken stattfinden. Man hört das Argument: In der Stadt habe ich Kultur und Unterhaltung. Dabei sollte man sich
überlegen, wie sinnvoll es ist in Graz zu wohnen, wenn ich drei Mal im Jahr in die Oper gehe, aber 20 Mal in die Buschenschank.

Warum sollte ich da nicht gleich in die Südsteiermark ziehen?
Mit Sicherheit. Es gibt zum Glück Regionen, die es richtig machen. Leibnitz oder auch Gleisdorf gehören dazu. Hier wird viel gebaut, weil es eine
vernünftige Infrastruktur gibt und eine gute Anbindung. Das ist ganz entscheidend:Wenn es aus Knittelfeld eine öffentliche Anbindung gäbe, mit der man in 30 Minuten in Graz wäre, und das jede Stunde und nicht drei Mal am Tag, dann könnte man auch in dieser Region einen guten
Zuzug schaffen. Hier ist also die Politik gefragt. Genauso müssen wir Bauträger umdenken und die Regionen stärker in den Fokus nehmen. Das wird auch notwendig sein, da in Graz der Baugrund immer teurer wird, die Kaufpreise für Immobilien aber in gewisser Weise nach oben hin gedeckelt sind, weil es irgendwann einfach nicht mehr leistbar ist.

Besteht dadurch die Gefahr, dass zu billig gebaut wird?
Nein. Das ist heute an sich gar nicht möglich: Gesetze und Auflagen garantieren eine hohe Bauqualität.

Außerdem sind auch die Käufer mündig, die wissen ganz genau, was sie wollen. Und was wollen die Käufer?
Nachhaltigkeit ist zum Beispiel ganz wichtig. Nicht nur bei den Materialien, sondern auch bei den Grundrissen: Aus einem Kinderzimmer muss unkompliziert ein Büro gemacht werden können, wir müssen generationenübergreifend bauen.

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