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Graz

Das Leben ist eine Ausstellung

Der Wiener Kunsthändler Cajetan Gril hat das Schloss Aichberg zu neuem Leben erweckt. Dort lebt er zwischen viel Kunst und wenig Krempel.

 
Die Geschichte eines Fertigteilhauses ist schnell erzählt. Die Geschichte eines Schlosses eher nicht. Schon gar nicht, wenn es Cajetan Gril gehört. Der Wiener Kunsthändler hat das oststeirische Schloss Aichberg vor 22 Jahren erworben, sorgsam renoviert und in eines der ungewöhnlichsten Wohn- und Ausstellungshäuser des Landes verwandelt. Die Geschichte und Geschichten des Hauses standen dabei immer im Vordergrund.

Farbkonzept. Ungewohnt präsentiert sich das Schloss schon von der Ferne - nämlich schwarz. Lediglich die gequaderte Sockelzone und die Fensterrahmungen sind weiß eingefärbt. "Dieses Farbkonzept hat sein historisches Vorbild in den Sgraffito-Fassaden der Renaissance", erklärt der Schlossherr, der die Außenfassade 1995 renovieren ließ. "Anfangs hielt sich die Begeisterung der Leute hier in Grenzen", erinnert sich der 57-jährige Kunst-Experte und Bastler, "heute hat man sich aber weitgehend daran gewöhnt."

Kunst und Krempel. Ungewohnt, aber ganz und gar nicht unbewohnt, zeigt sich auch das Innere des Hauses. Auf rund 1000 Quadratmetern verschmelzen Wohn- und Ausstellungsräume zu einer großen, farbenprächtigen Wunderkammer. Mitunter skurrile Alltagsgegenstände, die von Vorbewohnern zurückgelassen wurden, reihen sich an wertvolle Antiquitäten. Barocke Gemälde hängen neben Werken zeitgenössischer Kunst von Arnulf Rainer, Oswald Oberhuber oder Erwin Wurm. Irgendwo dazwischen lebt Gril. Und plaudert mit den rund 1000 Gästen, die jährlich zu Besuch kommen.


Ganzheitlicher Blick. Begonnen hat die Öffnung des Hauses vor 14 Jahren, mit einer Schau im Rahmen der Landesausstellung in Pöllau. "Knapp 10.000 Besucher haben diesen Anfang leicht gemacht", freut sich der Schlossherr. 2001 konzipierte Gril gemeinsam mit der Grazer Künstlerin und Restauratorin Erika Thümmel eine Art Dauerausstellung, die einen ganzheitlichen Blick auf die "Mikrostruktur Schloss" freigibt.

Die Geschichte. Seit 2005 wird diese Idee mit einer Vertiefung durch das Thema "Ein Haus und seine Bewohner" fortgesetzt. Und da gibt es wahrlich viel zu erzählen. Die Herren von Aichberg wurde erstmals 1250 urkundlich erwähnt, die Burg 1374. Seither wurde sie neunmal um- oder wieder aufgebaut. Sie war in Besitz der ritterlichen Familie Steinpeiß oder Marianne von Wimpffen, sie diente als Bollwerk, Flüchtlingslager und Kommandozentrale der deutschen Wehrmacht sowie der Sowjets. Ende der 1960er-Jahre wurde das Schloss von etlichen "Antiquitätenschnalzern" heimgesucht, wie Gril sagt. Daher fehlen barocke Kachelöfen, Türen und Gitter. Platz, den Gril nun mit Gegenwartskunst füllt.

Über Kosten und Preise spricht der Hausherr nicht: "Sagen wir einfach, das Schloss ist an mich gefallen." Über die Arbeit auch nicht wirklich. "Neue Türen, ein kleiner Garten - natürlich gibt es hier immer etwas zu tun", sagt Gril. "Viel wichtiger ist mir aber die Geschichte des Hauses. Für alle, die sie interessiert - einfach herkommen!"

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