Interview mit Martin Lesjak"Architekt des Jahres": Wir werden es anders machen

Als „U-Boot“ gestartet, sorgt das Grazer Architekturbüro Innocad weltweit für Furore. CEO Martin Lesjak wurde heuer als „Architekt des Jahres“ ausgezeichnet.

Martin Lesjak, CEO des Architekturbüros Innocad. © Jürgen Fuchs
 

Die Arbeit des Architekturbüros Innocad wird regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet, Sie wurden heuer vom „Build“-Magazin als „Architekt des Jahres“ geehrt. Welche Bedeutung haben Preise für Sie?

Martin Lesjak: Teilweise wird man gewählt, daneben gibt es aber auch Architekturpreise, für die man einreichen muss. Wir haben diesen Weg vor vier Jahren bewusst eingeschlagen und gesehen, das bringt wirklich etwas: die beste Gratiswerbung, speziell für die Internationalisierung und zur Erweiterung des Netzwerks.

Sie kommen aus einer Unternehmerfamilie, kennen die harte Baubranche seit Ihrer Jugend. Hat das geprägt?
Lesjak: Ich habe sicher ein gewisses unternehmerisches Denken mitbekommen und das Glück gehabt, dass ich bei diversen Ferialjobs auf der Baustelle dienen durfte. Was natürlich gut ist, die Branche von der praktischen Seite erlebt zu haben. Aber das war nicht Grund meiner Entscheidung, in die Architektur und jetzt noch weiter, ins Design zu gehen. Es war ja damals ein anderer Plan für mich vorgesehen, nämlich dass ich die Baufirma übernehme. Aber ich wusste relativ schnell, dass das nichts für mich ist.

Innocad/PAUL OTT
Aktuell realisiert Innocad in Graz das siebenstöckige C&P- Hauptquartier. Für das Projekt „Cubend“ („Cube“ für Würfel, „bend“ für Dynamik) wurden Außen- und Innenarchitektur entwickelt. © Innocad/PAUL OTT

Ist die Obersteiermark ein Reservoir charismatischer Selfmade-Menschen?
Lesjak: Solche Orte wie Fohnsdorf sind wirklich ein hartes Pflaster, speziell früher, durch den Bergbau und auch als „Melting Pot“ (Anm.: Schmelztiegel) in der Monarchie. Die Menschen sind von überall für das Arbeiten im Kohlebergbau gekommen. Als ich dort aufgewachsen bin, war das noch wirklich spürbar.

Hat Sie das etwas gelehrt?
Lesjak: Ich glaube schon, allein, dass man dann schon einmal nicht verweichlicht aufwächst. Wir sind ja im unteren Mittelstand aufgewachsen, der Vater hat erst in der zweiten Ehe als Unternehmer Karriere gemacht. Dieses Geerdete und Gerade, sagen wir Fohnsdorferische, das ist mir persönlich und auch beruflich sehr wichtig. Das wird auch international geschätzt.

Sie kamen dann für das Architekturstudium an die TU nach Graz. Die Firma Innocad entstand damals als eine Art „U-Boot“?
Lesjak: Es war in den 90er-Jahren eine etwas depressive Stimmung. Da war der Schwung der Grazer Schule gerade vorbei und es herrschte ein allgemeines Gejammere. Die Architektur-Professoren haben zu uns damals gemeint: „Ihr könnt schon studieren, aber ihr braucht nicht glauben, dass ihr in diesem Beruf viel entwerfen werdet.“ Wir haben uns gesagt, wir werden das anders machen, so wollen wir nicht enden. Wir gründeten dann in einer Art Hausbesetzung einen Zeichensaal, den „AZ Turm“. Anfangs machten wir dort zum Beispiel Studentenwettbewerbe, später haben wir Projekte mitgeplant und schließlich unsere ersten ganz eigenen Projekte umgesetzt, etwa ein Einfamilienhaus in Murau.

Beeindruckend für Studenten.
Lesjak: Eines Tages hat die Uni das spitzbekommen, es war ja nicht ganz legal, was mir machten, weil unser Zeichensaal in einem Fluchtstiegenhaus war. Es gab immer wieder Räumungsbescheide – und wir sind immer wieder eingezogen. Irgendwann wurde das dann zu viel und uns wurde massiv nahe gelegt, auszuziehen.

2013 gründete Lesjak mit Anastasia Su das Produktdesignstudio "13&9". Foto © Jürgen Fuchs

Viele Innocad-Architekturprojekte entstanden also schon vor Ihrem Studienabschluss. Woran arbeiten Sie aktuell?
Lesjak: In New York machen wir derzeit ein fünfgeschoßiges Stadthaus in Williamsburg in Brooklyn. Die Stadt ist einfach spannend und New York wurde für uns schon zur zweiten Heimat. Auch durch diverse Auszeichnungen, etwa 2015 „Designer of the Year“ durch das „Contract Magazine“, haben wir viele Geschäftskontakte in der Stadt.

Hat man Assoziationen mit der österreichischen Architektur?
Lesjak: Man kennt die alten Meister, wie Richard Neutra oder Rudolf Schindler, die in die USA gegangen sind und dort Karriere gemacht haben. Generell wird das Europäische speziell in New York geschätzt. Gerade jetzt, wo viele mit der politischen Entwicklung hadern und sich Europa näher fühlen als dem eigenen Land. Dieses Gerade und Authentische, das wird derzeit einfach gerne gesehen.

Gibt es weitere, aktuelle Projekte im Bereich der Architektur?
Lesjak: Ein sehr schönes Projekt ist die „World Academy“, eine internationale, gemischte Schule in Saudi-Arabien. Wir haben dabei nicht nur das Gebäude entwickelt, sondern auch zusammen mit den Auftraggebern das pädagogische Konzept: offenes Lernen mit sehr modernen Strukturen. In Graz arbeiten wir weiter an der Neugestaltung des Museums der Geschichte und bauen gerade das neue Bürogebäude von C&P Immobilien.

Zur Person

Martin Lesjak, geboren 1972 im Murtal, studierte Architektur.

Innocad hat Lesjak 1999 gemeinsam mit Peter Schwaiger gegründet, bis heute führen sie das Unternehmen gemeinsam.

Preise für Lesjak: u. a. „Designer des Jahres 2015“ („Contract Magazine“), „Architect of Year“ („Build Magazine“).

www.13and9design.com

http://innocad.at/

2013 gründeten Sie mit Anastasia Su, mittlerweile Ihre Frau, das Produktdesignbüro 13&9. Was führte Sie zu diesem Schritt?
Lesjak: Wir haben den Schritt von der reinen Architektur zum Interieur-Design gemacht. Da produziert man wahnsinnig viele Prototypen, die oft nur einmal verwendet werden. Es kam immer wieder einmal der Gedanke auf, das in ein serielles Produkt zu überführen. Über den Kanonenhallen-Wettbewerb (Anm.: Landeszeughaus) habe ich dann Anastasia kennengelernt und damals entwickelte sich die Zusammenarbeit. Sie kam aus den Bereichen Mode und Produkt, ich aus der Architektur, das hat einfach gut gepasst.

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