HAUS-RAT

Lässt sich Wohnqualität messen?

Der Architekturpsychologe Harald Deinsberger-Deinsweger sagt Ja und zeigt mit einem neuen Zertifizierungssystem, wie es geht. Ein Gespräch über Gebäude als gebaute Beziehungen. Von Daniela Bachal

© (c) Konstantin Yuganov - Fotolia (Yuganov Konstantin)
 

Dass Räume erholsam sein können, uns gelegentlich aber auch Energie rauben und im schlimmsten Fall sogar die Gesundheit beeinträchtigen, weiß jeder instinktiv. Sie haben mit Ihrem Institut für Wohn- und Architekturpsychologie nun die erste wohn- und architekturpsychologische Zertfizierung von Gebäuden und Siedlungen entwickelt. Wie darf man sich diese Analyse vorstellen?

HARALD DEINSBERGER-DEINSWEGER: Es handelt sich nicht um ein Messsystem im physikalischen Sinn, sondern um eine Analysemethode für bestimmte Aspekte und Qualitäten. So wie ein Arzt einen Patienten untersuchen kann, können wir das bei Gebäuden. Insgesamt werden dabei acht Bereiche durchleuchtet. Dabei kommen die Stärken und Schwächen von Räumen, Gebäuden oder ganzen Siedlungen zutage, woraus sich Empfehlungen ableiten lassen.

 

Der Grundriss für ein Einfamilienhaus vor der IWAPBeratung: viel zu viel Raum nur als Verkehrsfläche Foto © DEINSBERGER-DEINSWEGER

Nach der IWAPBeratung: weniger Quadratmeter. Gespart wurde aber nur an den Verkehrsflächen, nicht an den Ruhebereichen Foto © DEINSBERGER-DEINSWEGER

Diese Analyse sollte doch jeder Architekt ganz automatisch leisten?

DEINSBERGER-DEINSWEGER: Architekten sollten davon eine Grundahnung haben, aber leider gehört das nicht zum Studienplan. Das Hauptdefizit ist, dass all diese Faktoren bisher nur auf Gespür-Basis berücksichtigt wurden. Die meisten Planer bemühen sich zwar, aber es gab bisher keinen wissenschaftlichen Rahmen, der ihnen Sicherheit verschafft. Das ist anders als bei Fragen der Bauphysik, wo es ganz klare Kriterien gibt. Wir haben das Thema Wohnqualität jetzt auf eine professionelle, wissenschaftliche Basis gestellt.

 

Vor der Beratung: Dort, wo das Haus aus Sicherheitsgründen gut einsehbar sein sollte, ist es blickgeschützt. Die Privaträume hingegen liegen sozusagen auf dem Präsentierteller Foto © DEINSBERGER-DEINSWEGER
Nach der IWAP-Beratung.... Foto © DEINSBERGER-DEINSWEGER

Worauf fußt Ihre Analyse?

DEINSBERGER-DEINSWEGER: Dahinter stehen jahrelange Forschungsarbeiten mit zwei universitären Instituten: dem Institut für Psychologie und dem Institut für Wohnbau. Wir haben Forschungsergebnisse aus aller Welt zusammengesucht, die helfen können, zu definieren, was überhaupt menschengerechter Lebensraum in gebauten Umwelten ist. Daraus resultierte eine Analysemethode, die wir insgesamt sieben Jahre weiterentwickelt haben. Dieses System ist also nicht nur wissenschaftlich abgesichert, es hat sich auch schon in der praktischen Anwendung bewährt.

Mit Baustoffen beschäftigen Sie sich dabei aber nur am Rande.

DEINSBERGER-DEINSWEGER: Das sind die klassischen Themen der Baubiologie. Uns geht es um das große Ganze, wie Räume unser Verhalten und unsere Beziehungen beeinflussen. Gebäude sind gebaute Beziehungen, sie beeinflussen uns maßgeblich.

WISSENSWERT

Harald Deinsberger-Deinsweger ist Lektor für Wohn- und Architekturpsychologie, Wohn- und Siedlungswesen an der TU Graz, FH Kärnten, AAP Wien, Donauuni Krems und gründete 2014 das Institut für Wohn- und Architekturpsychologie (IWAP) in Graz.

IWAP-Zertifizierung für menschliche Qualität von gebauten Umwelten. In Maria Enzersdorf entsteht gerade das erste IWAP-zertifizierte Projekt (78 Eigentumswohnungen).

 

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