BremsmanöverKärntner Milchmarkt: Mit Bonus und Malus gegen Preissturz

Der Milchmarkt hat sich wieder gedreht: Steigende Liefermengen bringen die Preise ins Rutschen. Die Kärntner Molkereien wollen drohenden tiefen Fall bremsen.

Der Milchpreis fällt wieder
Der Milchpreis fällt wieder © Fotolia
 

Mit der Abschaffung der EU-Milchquote im Jahr 2015 nahm der Milchpreis Fahrt auf: nach unten. Lediglich 27 Cent brachte ein Liter Milch den Bauern. Nach der Talsohle im Sommer 2016 kletterte der Erzeugerpreis wieder nach oben, lag 2017 bei rund 40 Cent. Nun zeichnet sich die nächste Talfahrt ab: Die Liefermengen steigen, doch die EU-Milchpulverlager, die zur Intervention dienen, sind voll. Bei der Berglandmilch liefern die 800 Kärntner Bauern im Vergleich zum Vorjahr um gut zehn Prozent mehr Milch. Sechs Prozent mehr als im Vorjahr kamen im Jänner von den 1600 Kärntnermilch-Bauern. Noch stemmen sich heimische Molkereien gegen drohende Preisrückgänge.

„Wir müssen jetzt die Produktion zurücknehmen, um den Milchpreis nicht in Gefahr zu bringen“, sagt Kärntnermilch-Obmann Reinhard Scherzer. 36 Cent netto zahle man derzeit für einen Liter konventionelle Milch, 47,5 Cent für Heumilch. „Wenn wir keine Stabilität bei den Milchpreisen bekommen, wäre das der Todesstoß für unsere Betriebe“, warnt Scherzer.

Mithilfe von Bonus- und Abschlagzahlungen wird versucht, die Milchanlieferung zu drosseln. Scherzer weiß um die Brisanz der Lage Bescheid: „Eine zehn Prozent höhere Milchanlieferung führt zum nächsten Preis-Kollaps.“ Ein Bonus für den Lieferverzicht soll das verhindern. Das Ziel: Bauern sollen ihre Produktion zurückfahren. „Den Vorschlag bringe ich bei der Vorstandssitzung am 22. Februar ein“, sagt Scherzer. Auch der Preis für die Butter, kürzlich noch Anlass für Kritik, sei seit Dezember um 70 Cent gesunken, „der Druck auf die Bauern ist nun wieder massiv“.

Bei der Berglandmilch, die 35 Cent netto je Liter zahlt, wurde mit 1. Februar ein Mengensystem eingeführt, die Quote durch die Hintertür. Liefern Bauern um drei Prozent mehr Milch ab als im Vorjahresmonat, gibt es pro Liter Abschläge von 10 bis 15 Cent, im April sogar um 20 Cent. „Die Lage ist schwierig“, sagt Obmann Thomas Jordan. Vor allem jene Bauern, die letztes Jahr wenig lieferten, leiden darunter. Es sei aber üblich, weiß Jordan, dass die Preise im ersten Halbjahr zurückgehen. Bei der Kärntnermilch denkt man sogar weiter: An eine Prämie für Bauern, die im Sommer mehr liefern als im sonst.

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