Kammer-PflichtmitgliedschaftPensionen, Service, Aufsicht: So machen Kammern gegen Änderung mobil

AK-Präsident sieht ohne Kammerzwang Leistungsreduzierung heraufdräuen. Auch die Präsidenten der kleineren Kammern warnen vor Veränderung.

EUROPAeISCHES FORUM ALPBACH 2017: PK SOZIALPARTNER / KASKE
Rudolf Kaske © APA/BARBARA GINDL
 

Der Präsident der Arbeiterkammer (AK), Rudolf Kaske, hat am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" einmal mehr vor der Abschaffung der Kammer-Pflichtmitgliedschaften gewarnt. Wird die Pflichtmitgliedschaft abgeschafft, müssten die Leistungen der Kammern reduziert werden. Selbiges gelte für eine allfällige Halbierung der Kammerumlage, warnte der Präsident. Und auch die kleineren Kammern, etwa für Anwälte oder Ärzte, sammeln schon Argumente für die Kammerpflicht.

Eine allfällige neue schwarz-blaue Bundesregierung werde die AK danach beurteilten, "was sie für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen des Landes macht", sagte Kaske. Erst wenn die Konzepte am Tisch liegen, werde die Kammer schauen, ob es positive Maßnahmen sind, oder solche, "wo wir in Aktion treten müssen".

Angesprochen auf die Pflichtmitgliedschaften sagte Kaske, es habe ja von FPÖ und ÖVP sehr unterschiedliche Töne in dieser Sache gegeben. Die FPÖ habe sich klar positioniert, und habe die Abschaffung der gesetzlichen Mitgliedschaft in den Kammern gefordert. Die ÖVP hingegen habe sich zur Pflichtmitgliedschaft bekannt. "Ich gehe davon aus, dass das, was vor der Wahl gesagt wurde, auch danach gilt."

 

Kritik von FPÖ und Neos

FPÖ und NEOS haben die Aussagen von AK-Präsident Rudolf Kaske scharf kritisiert. Für die FPÖ habe Kaske "die große Chance vertan, seine Institution einer selbstkritischen Reflexion zu unterziehen und überkommene Zustände zu hinterfragen", meinte FP-Generalsekretär Herbert Kickl in einer Aussendung. Die NEOS forderten einmal mehr ein Ende der Pflichtmitgliedschaft.

Kickl ortete in Kaskes Aussagen "Besitzstandsdenken" und die "Verteidigung überkommener Privilegien". "Während die Reallöhne sinken, wird die Arbeiterkammer reich, bildet auf Kosten der Arbeitnehmer Rücklagen in Millionenhöhe und häuft Finanzvermögen an", so Kickl. Die AK sei "bei jeder Lohnerhöhung neben dem Finanzministerium der größte Profiteur", gleichzeitig müssten Menschen, "die so wenig verdienen, dass sie gar keine Steuern zahlen, AK-Beiträge abliefern".

Auch NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker beleuchtete in einer Aussendung die Vermögensverhältnisse der AK: "Die Einnahmen der Arbeiterkammern steigen im Schnitt mit dem Doppelten der Inflationsrate", meinte er. "Die Kammer weiß gar nicht, wohin mit dem Geld." Er verwies auf "117 Millionen Euro an Wertpapiervermögen", den "großzügigen Einsatz von Inseraten und TV-Werbung" sowie "Zusatzpensionen in Höhe von 23 Millionen Euro jährlich". Loacker zeigte sich überzeugt, "dass viele Zwangsmitglieder dieses System freiwillig niemals mittragen würden" und verlangt einmal mehr "ein Ende der Zwangsmitgliedschaft".

Zur ebenfalls im Raum stehenden Idee der FPÖ, die Kammerumlage zu halbieren, zog Kaske einen Vergleich mit dem Kaffeehaus: Der durchschnittliche Beitrag betrage 6,91 Euro. "Ich glaube, das ist ein Beitrag, den sich unsere Mitglieder gerne leisten", dazu habe es auch entsprechende Umfragen gegeben, so Kaske. Mit der Halbierung würde sich jedes Mitglied gerade einmal eine Melange ersparen.

Ärzte: "Das geht in die Milliarden"

Der Präsident der Rechtsanwaltskammer, Rupert Wolff, verwies im ORF-Morgenjournal auf vielfältige Aufgaben seiner Kammer. Ohne Kammerpflicht würde "auch jede Disziplinargewalt über die Kollegen ins Leere gehen", so Wolff. Notariatskammer-Chef Ludwig Bittner nennt ebenfalls Aufsicht und Ausbildung durch die Kammern als Argumente: "Schafft man Kammern ab, müsste man stattdessen staatliche Behörden einführen. Damit sind wir bei mehr Staat statt weniger Staat." Ähnlich der Präsident der Wirtschaftstreuhänder-Kammer, Klaus Hübner: "Wenn unsere ganzen hoheitlichen Aufgaben der Staat übernehmen würde, wird es deutlich teurer." Und Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres warnt gar vor dem Zusammenbruch des durch seine Kammer organisierten Pensionssystems für Ärzte: Ohne Pflicht kämen nicht genügend Beiträge der jungen Ärzte ins System. Der Staat müsse dann die Pensionszahlung für Ärzte übernehmen. "Das würde über die Jahre in die Milliarden gehen."

Kommentare (79)

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Freies_Wort
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also ich gehe mal davon aus, dass die Pflichmitgliedschaften in den Kammern deshalb nicht abgeschafft werden, weil dann ja die Arbeitslosenquote um ca. 5% hinaufschnellen würde...

Schließlich müsste man ja die gesamte beschäftigungs-und sinnlose gewordene Armee von Funktionären versorgen...und wer würde das bezahlen: natürlich der Steuerzahler !

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X22
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Wenn man ein paar 100 Millionen, die die AK jährlich für ihre Mitglieder erkämpft, mit einer dummen aus der Luft geholten Behauptung einfach nur Schlecht reden will,

hast den ersten Preis gewonnen.
Und die für mich zuständige WK, ist auch nicht zu verachten, wenn man die Leistung die man haben möchte, einfach einfordert.

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Freies_Wort
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X22, ich geb eh zu, dass mein posting dumm war - aber ich habe eine interessante Reaktion bei dir provoziert:

du sagst , dass die AK für die Mitglieder viel Geld erkämpft hat - da stimme ich dir voll und ganz zu !

NUR jetzt meine FRAGE: Braucht man dafür diese tolle Leistung eine Pflichtmitgliedschaft ?

die Antwort ist NEIN ! Die AK und auch die anderen (!) Kammern können sich für ihre Mitglieder einsetzen auch wenn es nur eine Freiwilligkeit gibt !

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mapem
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Weißt, freies Wort, deine Paraphrasendrescherei mit deinem offensichtlich unterschwelligen „Hass“ auf die angeblichen „Bonzen“ in den Kammern, sind letztlich ja nichts anderes, als der Forumverschnitt dessen, was man immer wieder in irgendwelchen Aschermittwoch-Krampfreden in rauchgeschwängerten Bierzelten vernimmt.

Das Wesen und den Sinn von Kammern scheinst wohl nicht ganz zu kapieren, wennst meinst, dass die dir eine „günstige Versicherung“ anbieten sollen?! Da solltest mal auf ein freies Wort bei einer Versicherung vorstellig werden.
Und grundsätzlich gibt´s vollkommen unterschiedliche Ansprüche an die jeweiligen Kammern – die Ärztekammer, Anwaltskammer oder Wirtschaftskammer haben für ihre Mitgleider gänzlich andere Angebote und Aufgaben, als es die AK für die Arbeiter und Angestellte hat. Meine „Kammer“ ist die AK, weil ich ein angestellter Arbeitnehmer bin – zwangsläufig wird´s da zu Interessenskonflikten mit anderen Kammern geben, da logischerweise die „Kammern“ der Arbeitgeber oft genau die gegenteiligen Interessen zu vertreten haben. Die Fusionierung aller verschiedenen Interessensvertretungen in der Sozialpartnerschaft ist dem geschuldet, dass man in der 2. Republik eben partnerschaftlich den Konsens gefunden hat, Österreich als eine Gesellschaft zu definieren, die eine pluralistische Gesellschaft mit einer sozial gelenkten Marktwirtschaft sein soll.
Und die Diskussionen, die jetzt ganz aus Kalkül vom Zaun gebrochen werden, sind nichts anderes, als die ersten Schritte dorthin, dieses System zu zerschlagen, um richtig schön langsam und schleichend die neoliberale Plutokratie im Sinne des globalen Turbo-Kapitalismus zu installieren.
Und wenn du dich für solches verwendest, Wort, dann steh ich dir da im Weg … und dann erhebe ich mein freies Wort – gell …

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raspel
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Kammern machen gegen Änderungen mobil,..

..denn wo kämen wir denn hin, wenn die Kammern ihren Pflichtbeitrag plötzlich durch Leistung verdienen müssten?
Aber jetzt ohne Scherz: diese Kammerbeiträge sind de facto Steuern, die durch nichts gerechtfertigt sind. Wer sagt denn, dass nicht viele Leute ihren Beitrag freiwillig zahlen, wenn auf der Gegenseite Leistung erbracht wird?

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tannenbaum
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Die große Masse der Mindestsicherungsbezieher, Schulabbrecher u. Langzeitsarbeitslose, die am 15. Oktober mehrheitlich die FPÖ gewählt haben, werden noch ganz schön schauen, was sie sich selbst angetan haben!

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landbader
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Beispiel Ärztekammer

Selbstverwaltung ABSCHAFFEN: Wenn die GKK und die ÄK Stellen am Land wegen Unattraktivität nicht besetzen können, ist keiner zuständig, keiner verantwortlich. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden können sich höchstens beim Salzamt beschweren oder eine Petition für den Mistkübel des Parlaments schreiben.
Wenn für eine Landschule keine Lehrer zu finden wären, müsste der Landesschulrat zurücktreten. Gerade im Gesundheitswesen braucht es Verantwortliche, die bei Missständen zur Rechenschaft gezogen werden können !

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Freies_Wort
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@landbader: egal ob Ärztekammer, Apothekerkammer oder Notariatskammer

Wenn eine Stelle nicht zu besetzen ist, dann muss man die Bedienungen verbessern - das nennt man FREIER MARKT und das gibt es überall: wenn ein Betrieb keinen Mitarbeiter findet, so muss der Chef einfach mehr bieten als die Konkurrenz....und was hat das jetzt mit der Pflichtmitgliedschaft zu tun ??

Die "Verantwortlichen" im Staat sind die Politiker und NICHT die Kamnmerfunktionäre, denn die vertreten in erster Linie SICH SELBST !!

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top8
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klares ja zur plfichtmitgliedschaft

Sie sichert die kollektivlöhne, und damit auch urlaubs und weihnachtsgeld, sowie allgemeine arbeitnehmerrechte, die die firmen bei abschaffung aufweichen würden!

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Freies_Wort
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@top8, für diese aufgaben, die sie hier aufzählen, gibt es GEWERKSCHAFTEN !

Was spricht dagegen, wenn die AK anbietet, jedes Mitglied rechtlich zu vertreten ?
Dazu braucht man aber keine Pflichtmitgliedschaft, sondern "bissige" Juristen !!

...und sollte dann die AK erfolgreich sein, so rennen die Arbeitnehmer eh die Tore ein...

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SoundofThunder
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🤔

Diese "Bissigen Juristen" kosten mehr als 0,2% vom Bruttolohn. Wenn sich jeder privat versichert kostet es auch mal mehr. Als Privatperson kann man sich nur bis zu einem Streitwert von 200000€ versichern. Das ist auch gleich erreicht. Und kostet auch über 50€ Monatlich.

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Freies_Wort
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@SoundofThunder: deswegen gibt es ja z.B. eine Wirtschaftkammer, die für die Unternehmen eine rechtliche Vertretung anbietet.

...und wenn sie das tut, dann werden sich die Unternehmer dort sofort freiwillig anmelden.

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schteirischprovessa
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So ein Unsinn!

KV‘s werden von der Gewerkschaft verhandelt, es wir das Urlaubsausmaß nicht gekürzt werden und bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld kann man über die Besteuerung diskutieren. Denn die ist nicht nur gerecht. Ein Bankmanager mit 100.000 im Monat hat 200.000 mit 6%, ein kleiner Gewerbetreibende gar nichts. Das zB mit 2 x 5000 zu begrenzen würde schon Sinn machen.

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aktivearbeitslose
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Reformieren statt abschaffen!

Die AK und die wko gehören endlich voll transparent gemacht indem z.B. über die Versammlungen der AK berichtet wird und ALLE Anträge und Diskussionsbeiträge so wie beim Parlament auf der Homepage öffentlich für alle sichtbar gemacht werden.

Auch die Postenvergabe gehört endlich transparent gestaltet und die Parteibuchwirtschaft - in allen Bereichen !!! - als Straftatbestand bzw. wenigstens als Diskriminierungstatbestand aufgenommen.

Auch die Gremien, in denen die AK (bzw. wko) VertreterInnen entsendet gehören transparent gemacht und alle Protokolle und Anträge veröffentlicht!

Auffallend dass bei den schwarzblauen Koalitionsverhandlungen vom Transparenzgesetz nichts mehr zu hören ist ...

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Freies_Wort
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@aktivearbeitslose; es geht NICHT um die Abschaffung der Kammern, sondern um die Abschaffung der PFLICHTMITGLIEDSCHAFT !!

Wenn sie Reformen wollen, dann am besten, wenn man die Pflichtmitgliedschaft beendet, denn dann kommen die Reformen ganz schnell - UND auch die MITGLIEDER, denn eine GUTE Kammer, die sich für die Mitglieder einsetzt, braucht sich nicht zu fürchten !!

Warum wollen das die Leute nicht kapieren ??

Die Angst der Funktionäre kommt doch nur daher, weil sie sich um ihre Pfründe fürchten...

Ich könnte mir folgende Lösung vorstellen: Schaffen eines Verfassungsgesetzes, dass die (finanzielle)Existenz der Kammern garantiert und auch Mitsprache in Gremien garantiert, z.B. Rechtsanwaltskammer, wenn eine Gerichtsreform ansteht.
Dann bräuchten wir die Pflichtmitgliedschaft nicht mehr..

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mapem
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Na, freies Wort, erzähl mal …

WAS ist an der AK schlecht und was soll reformiert werden?

By the way: Hast schon gehört – also ich habe gehört, dass der Klimawandel gar nichts mit der Umweltverschmutzung zu tun haben soll … außerdem sollen Windräder viel umweltbelastender sein, als Atomstrom … und dein Nachbar soll angeblich ein Verhältnis mit dem Pfarrer haben …

Da muss man endlich mal was machen – das kann ja nicht so weiter gehen!

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Freies_Wort
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@mapem: Was an ALLEN Kammern schlecht ist - die Pflichtmitgliedschaft !

...alles andere kommt dann von allein.

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mapem
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Gut freies Wort - machma doch gleich alles effizienter

und gleich Nägel mit Köpfen – und die klopfen wir dann gleich anständig in den Stock.
Mich stört ja eigentlich auch die „Pflichtmitgliedschaft“ als Steuerzahler – bin dafür, dass gleich jeder sein Leben managt: Pfeifen wir auf all die Interessensvertretungen – verhandelt jeder selbst seinen Lohn aus, dann versichert sich jeder selber – checkt seine Altersvorsorge … wo doch alle in unserer Gesellschaft überaus eloquent, gesetzlich und rhetorisch versiert sind und wohl keine Unterstützungen in diesen Agenden bedürfen – gell! Außerdem verdient dann eh jeder so viel Schotter, dass er das alles locker unter seinen Hut bringen kann (hoffentlich wird man nicht krank, oder ein Schicksalsschlag sucht dich heim – was soll´s).

Eigentlich sollte man für die Kinderlein ja auch selbst schaun, dass sie eine ordentliche Schule besuchen und eine gscheite Ausbildung machen – das nötige Kleingeld hast eh bald beieinander, wennst dir die tepperten und lästigen Pflichtmitgliedschaften und die doofe Lohnsteuer und Sozialabgaben los bist.

Und ja – wir sind ja eh gut am Weg, freies Wort, am Weg in die fröhlichen Urständ a la Lala-Trumpel-Land … das Wählerverhalten trifft schon punktgenau … also, auf in die gelobte Plutokratie, dem gelobten Land für alle mit den längsten Reißzähnen und den härtesten Ellebogen … wenn schon – denn schon – gell, freies Wort!? Und – sag, was liegt sonst noch an, wo ich dir helfen kann?

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Freies_Wort
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tja, mapem: ich frage mich schön langsam, warum du dich vor der Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft so fürchtest. Offensichtlich bist du ein Kammerfunktionär, der um sein Einkommen fürchtet.

Man wundert sich schon, warum sich jetzt alle Kammern in die Hose machen, denn JEDER kann ja FREIWILLIG Mitglied sein und sich dementsprechend dort absichern.

und es bleibt dabei: Wenn alle Kammern gute Arbeit leisten, deren Mitglieder z.B. vor Gericht vertreten, z.B. eine gute und preiswerte Versicherung anbieten, dann werden die potentielle Mitglieder sowieso die Türen einrennen.

wenn meine "Hauskammer" ein gutes zukunftstaugliches Konzept vorlegt und meine Interessen vertritt , werde ich sicher gerne dort gerne Mitglied sein....

Ich fordere alle Funktionäre auf, endlich die Ärmel hochzukrempeln und sich wieder in der Wirtschaft zu bewähren und sich nicht hinter den ewig sprudelnden Pflichtbeiträgen zu verstecken !

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mapem
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Unglaublich, was das freie Wort da wieder für einen Blödsinn daherschreibt!

Seit wann ist eine Interessensvertretung (XY-Kammer) ein Dienstleister im Versicherungswesen?! Sollen die die Mitgliedsbeiträge spekulativ anlegen und sie dann gegebenenfalls versemmeln, um dir eine günstige Versicherung verkaufen zu können? Das hatten wir schon bei der Gewerkschaft – und das wird hoffentlich nie mehr passieren – und ich hoffe, dass sich der Flöttl noch einmal bei Gericht einfinden muss.

Mach dich mal schlau, bevor irgendwelche Wörter da bei dir so rauspurzeln … was die AK betrifft, sind deren Aufgaben klar definiert: Rechtshilfe und Rechtsbeistand bei etwaigen Verfahren, Kontrolle menschen- und umweltgerechter Arbeitsverhältnisse, Fortbildung … um nur die für mich wichtigsten zu nennen.
Die Diskussion über die Abschaffung der Pflichtmitgleidschaft ist eine ganz bewusste Inszenierung, um die Vertretung der Arbeitnehmer substanziell schön kleinweise zu schwächen … und dabei spekuliert man (ja, zu Recht) mit der Dummheit der Leute, was der 15.10. ja eindrücklich bewiesen hat, wo 63% der Wahlberechtigten die Lobbyisten der Arbeitgeber wählten – und man davon ausgehen muss, dass deren Klientel rational zusammen ja keine 20% ausmachen kann.

Wenn du hier die Leute mit dem ranzigen Neidkomplex wegen ein paar Euros für die „Pflichtmitgliedschaft“ ranzig machen willst, bin ich da, mein Wörtchen, und ich schreibs drunter, wie du´s machst – gell!
Und nein – ich bin kein Funktionär – aber die Ganglien funktionieren noch ein bisschen …

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mapem
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Tja, es ist schon gediegen, dass Anwälte, Ärzte, Apotheker und Wirtschaftstreuhänder GEGEN die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft im Kammersystem sind?!

Wie sagt der Chef der Ärztekammer: „Versiegen die Einkünfte der Mitgliedsbeiträge der Ärzte, müsste der Staat/Steuerzahler die Pensionen pensionierter Ärzte übernehmen, woraus Kosten in Milliardenhöhe erwachsen würden.“ … Die Anwaltskammer (Robert Wolf) gibt zu bedenken, dass es bei der Abschaffung zu noch mehr staatlicher Einflussnahme und zugleich ausufernder Kosten käme und als Bonus gibt´s freihaus die metternichsche Überwachungsdiktatur.
Und ausgerechnet jene, die eine Standesvertretung wohl am dringlichsten nötig hätten – die Arbeiter, die Hackler – rufen erregt und aufgebracht das nach, was ihnen die Kickl´sche Nationalbrigade in blaudunstgeschwängerten Bierzelten stets vorjohlt: „Weg mit denen – weg mit den Bonzen, weg mit den Kammern, weg mit den Gewerkschaften und weg mit denen, die gar nicht da sind …!“ Und wenn der neoliberale Strolz natürlich ebenso nichts davon hält, dass da irgendetwas die „Entfesselung der Wirtschaft“ (Profitgier sagt er wohl besser nicht) einschränkt, versteht man das ja noch, als Lobbyist der Plutokratie.
Was allerdings erstaunt, ist dies, dass hier offensichtlich so manches Schäfchen in der Herde meint, dass man den Schutzzaun zum Wolfsrudel justament niederreißen muss, weil die neuerdings so lieb sein sollen?!
Tja – die PISA-Ergebnisse unserer Kinder reißen ja nicht gerade vom Hocker – aber so manche Mamas und Papas liefern hier Beiträge ab, die sie ihren Sprösslingen tunlichst nicht zeigen sollten.

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aktivearbeitslose
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Eine Reform in Richtung mehr Demokratie und Transparenz

würde diesen Insitutionen gut tun. Dank Internet wäre es ja möglich die Mitglieder über die Aktivitäten ihrer "Vertreter" zu informieren, was diese z.B. in den Gremien der Kammern und des Staates so wirklich tun ...

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mapem
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1… Oh ja – Transparenz ist sehr gut, aktive Arbeitslose …

und vor allem wo ich sie endlich haben möchte. Denn während jeder kleine Hanswurst vollkommen nackt und transparent vor den Behörden des Staates und des Fiskus dasteht – und wehe, du betreust als Mindestrentner gegen ein paar Euro irgendeinen Garten in der Nachbarschaft! – weiß man von jenen, wo die dicke Marie wohnt schlicht NICHTS … und da reden wir von rund 1,1 Milliarden Euro im Jahr! … (Frage: Na, wer glaubt hier, dass Bastis „frischer Wind“ hier das Tücherl des Zudeckens wegblasen wird – ha?!) Und dann sind´s noch rund 700 Mio. Euro, die im gehobenen Segment des Mittelstandes (ab 1 Mio. Euro Vermögen) auch irgendwie vom frischen Wind irgendwohin verblasen werden – nur nicht in den Steuertopf für uns alle.

Und dann möchte ich noch viel mehr Transparenz dort haben, wo wir alle zur Ader gelassen werden, wenn man den richtig fetten Hechten im Teich das Betriebsgelände schenkt, die Bahntrasse, Zufahrtsstrassen und Wasser/Strom bezugsfertig hinverlegt und dann auch noch die halbe Belegschaft über eine AMS-Förderung bereitstellt, damit die Dividendenausschüttungen bei den Aktionären wohl auch schön ordentlich weiterflutschen – gell! Und ich möchte endlich wissen, was solche Betriebe nun wirklich an Steuern abführen – und zwar abzüglich all dessen, was man ihnen schenkt.

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mapem
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2… Und bleiben wir weiter transparent – wie wär´s mit so einer Art publiken Kataster-Website, aus der man von allen Land- und Forstwirten erlesen kann,

was die Herrschaften da an EU-Förderungen lukrieren? Ich weiß nur aus Gesprächen mit kleinen Involvierten andeutungsweise, dass hier die Großen den fetten Sterz abräumen, während die Kleinen wiederum mit den Urassen abgefertigt werden – zu wenig für eine gesicherte Existenz – zu viel zum Sterben … ist ja wie das Spiegelbild zur Wirtschaftsförderung.

Den Rest erledigen die lobbyinfiltrierten EU-Bürokraten mit wahnwitzigen Auflagen, dass wohl alle zu kleinen Betriebe aufgeben müssen, damit die fetten Fische dann alles billig zusammenklauben können. Und schon haben wir alleine in der Landwirtschaft mittlerweile den monopolistischen „Mosantoismus“, der – man glaubt es ja nicht! – LIZENZEN auf Saatgut besitzt und zudem noch den kleinen Hobby-Imkern die Bienen totspritzt usw.. Und in den anderen Branchen wiederholt sich dieses abgefahrene System – wir bekommen ungesunde, billig und unethisch produzierte Massenware auf den Teller – und die fetten Fische schaufeln sich unbehelligt das Beste vom Besten rein.

Tatsächlich fahren wir gesellschaftspolitisch in den letzten paar Jahrzehnten wieder ordentlich ins feudale Kastensystem des Mittelalters ab – und als Draufgabe gibt´s dann auch noch das Kreuzerl derjenigen, die eins auf die Birne bekommen … und ja, diese glücklichen Denkbefreiten, sie wissen´s halt noch nicht … aber abwarten – die Herdplatte ist heiß – seeeehr heiß!

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morimutzi
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Und warum diskutiert in Österreich niemand über die Landwirtschaftskammer?

Die Bauern zahlen ja nicht einmal ihre Interessenvertretung selber. Sogar die lassen sich die armen, armen Bauern auch noch Großteils von den Steuerzahlern bezahlen!

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unterhundert
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Warum wohl??

Das werden doch nicht die Klientel der Türkis..(schwarzen) sein.

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