Kredit von DeutschlandInsolvente Air Berlin: Jetzt fließt das erste Staatsgeld

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat die erste Tranche eines Überbrückungskredits des deutschen Bundes erhalten.

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Die ums Überleben kämpfende Fluggesellschaft Air Berlin kann die dringend benötigten Finanzhilfen des Staates anzapfen. "Die erste Tranche des KfW-Kredits ist heute bei der Air Berlin eingetroffen", sagte ein Konzernsprecher am Freitag, ohne jedoch die Summe zu nennen. Am Montag hatte die EU-Kommission die Beihilfe des Bundes über die Förderbank von 150 Mio. Euro genehmigt.

Mit dem Steuerzahlergeld soll die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft in die Lage versetzt werden, bis zum Abschluss der Verhandlungen weiterzufliegen. Interessenten können noch bis zum 15. September ein Angebot für die Airline als Ganzes oder Teile abgeben. Air Berlin ist die Konzernmutter der vom ehemaligen Rennfahrer Niki Lauda gegründeten Fluglinie Niki.

Weitere Langstreckenflüge in Gefahr

Der Berliner Unternehmer Alexander Skora ist derweil nicht mehr interessiert. "Wir werden nicht bei Air Berlin einstiegen", sagte Skora der Nachrichtenagentur Reuters mit Blick auf ausländische Partner an seiner Seite. "Wenn, dann werden wir etwas Frisches gründen, was dann auch organisch wächst." Der Hostel-Betreiber hatte erst am Montag angekündigt, er wolle nach Prüfung der Wirtschaftszahlen abwägen, ob er bei Air Berlin einsteigt. Nach eigenen Worten war Skora nicht im sogenannten Datenraum, wo Interessenten im offiziellen Bieterverfahren Air Berlin derzeit unter die Lupe nehmen.

Nach Gesprächen mit Branchenvertretern habe er sich entschieden, von Air Berlin die Finger zu lassen, sagte Skora. Er überlege nun, mit Partnern eine eigene Fluggesellschaft zu gründen. Anfangs wolle man sich etwa auf Strecken nach Mallorca, Tel Aviv, London, Paris, Stockholm und Kopenhagen konzentrieren.

Wegen mangelnder Buchungen hat Air Berlin jüngst angekündigt, künftig alle Langstreckenflüge von Berlin-Tegel aus schrittweise abzusagen, sowie einzelne Strecken von Düsseldorf. Das Unternehmen muss Insidern zufolge womöglich schon kommende Woche weitere Langstreckenflüge aus dem Flugplan nehmen. "Als nächster Schritt werden weitere Langstreckenflieger von Düsseldorf aus am Boden bleiben müssen", sagte ein Brancheninsider zu Reuters. Ein zweiter mit den Vorgängen Vertrauter bestätigte, dass Langstreckenflüge von der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt aus voraussichtlich gekappt werden. Von dort bietet die Airline vor allem Verbindungen in die USA an. Das Unternehmen bezeichnete mögliche Streichungen bei der Langstrecke in Düsseldorf als Spekulation.

Kosten drücken bis Käufer gefunden wird

Die insolvente Airline, die nur noch unter Aufsicht eines Sachwalters operieren kann, muss die Kosten drücken, damit sie den Flugbetrieb so lange aufrecht erhalten kann, bis sich Käufer gefunden haben. Die kurzfristigen Kurzstreckenangebote stabilisieren noch immer den Betrieb, hieß es in den Kreisen.

Die AUA-Konzernmutter Lufthansa hatte als erstes ihr Interesse angemeldet und will laut Insidern bis zu 90 der 144 Maschinen von Air Berlin einschließlich des Air-Berlin-Ferienfliegers Niki übernehmen. Die Thomas-Cook-Tochter Condor wolle ein verbindliches Angebot in der kommenden Woche einreichen, hieß es in Branchenkreisen. Wie die Lufthansa sei Condor am Ferienflieger Niki und weiteren Flugzeugen samt Crews interessiert. Auch der britische Billigflieger EasyJet wird als potenzieller Käufer gehandelt.

Nach dem bisherigen Zeitplan soll der Bieterkreis zügig eingegrenzt werden. Womöglich kann die nächste Gläubigerversammlung am 21. September schon entscheiden, welche Käufer einen Zuschlag bekommen. Im Idealfall könnte Air Berlin bis Ende September als Ganzes oder in Teilen in neue Hände übergehen, wie es Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann anstrebte, sagte einer der Insider.

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