Der ÖBB-Hellö-KäuferVom Start-up zum Marktführer: Wer hinter Flixbus steckt

Enormes Wachstumstempo, Konkurrenten werden aufgekauft: Deutsches Fernbusunternehmen hat finanzstarken US-Investor im Rücken.

© APA/AFP/ANP/PIROSCHKA VAN DE WOU
 

Der deutsche Flixbus (Markenname FlixBus) ist ein Fernbusunternehmen, das 2013 im Rahmen der Marktliberalisierung zunächst in Deutschland gestartet ist. Anfang 2013 fiel in Deutschland das Monopol der Bahn im öffentlichen Fernverkehr. Mit dem Erwerb der ÖBB-Fernbussparte "Hellö", der nun bekanntgegeben wurde, hat Flixbus wieder einmal einen Konkurrenten aufgekauft.

Im Rücken von Flixbus steht der finanzkräftige US-Investor General Atlantic. Dessen Deutschland-Chef Jörn Nikolay bekannte sich in einem Interview in der deutschen WirtschaftsWoche zum fortgesetzten Wachstumskurs von Flixbus. "Wir glauben an das Wachstum zu einem europäischen Verkehrsriesen", sagte Nikolay. "Unsere Philosophie lautet: Wir investieren langfristig in Unternehmen, meist zwischen 25 Millionen und 400 Millionen Euro, und erzielen Rendite hauptsächlich durch das Umsatzwachstum unserer Beteiligungen." Laut der Homepage von General Atlantic kam Flixbus im Jahr 2014 zu den Beteiligungen des Finanzinvestors dazu.

Wiederholt Mitbewerber geschluckt

Starkes Umsatzwachstum kann Flixbus jedenfalls vorweisen. Am Weg zum Marktführer in Deutschlands jungem Fernbusmarkt hat Flixbus öfters seine Konkurrenten geschluckt. Anfang 2015 hatten die damalige deutsche Nummer eins MeinFernbus und FlixBus als Nummer zwei ihren Zusammenschluss bekanntgegeben. In Folge hat FlixBus dem gemeinsamen Unternehmen seinen Stempel aufgedrückt, der Name MeinFernbus verschwand aus der Marke.

Im August 2016 teilte die Deutsche Post mit, ihren Fernbus Postbus an Flixbus zu verkaufen. Postbus war damals die Nummer zwei auf dem deutschen Fernbus-Markt, lag allerdings weit abgeschlagen hinter dem Marktführer Flixbus.

Im September 2016 teilte die Deutsche Bahn mit, sie werde sich aus dem deutschen Fernbusgeschäft zurückziehen. Ende 2016 lief der Betrieb unter der Marke Berlinlinienbus (BLB) aus. Damit gab der letzte größere Wettbewerber von Flixbus auf, das damit über 90 Prozent Marktanteil in Deutschland hielt.

150.000 tägliche Verbindung

Im Sommer 2014 erweiterte FlixBus gemeinsam mit Blaguss sein Fernbusnetz nach Österreich. 2016 beförderten die Flixbusse in Österreich 2,7 Millionen Reisende. Mit 1. August 2017 geht nun die ÖBB-Fernbussparte "Hellö" im Flixbus-Netz auf, auch der Name "Hellö" soll im Lauf des Jahres verschwinden.

Nach Angaben von Flixbus bieten die grünen Fernbusse mittlerweile Europas größtes Netz mit 150.000 täglichen Verbindungen zu über 1.000 Zielen. Europaweit werden mehr als 30 Millionen Menschen pro Jahr befördert.

Dabei hat Flixbus gar keine eigenen Autobusse, sondern kooperiert mit Busunternehmen. Von Flixbus kommt lediglich die gemeinsame Marke, das Design der Busse, und die Organisation über digitale Bestellungen, Check-in per Smartphone und GPS-Livetracking der Busse. Das Preissystem ist dynamisch, das heißt an die Nachfrage gekoppelt: Zu Stoßzeiten gehen die Preise hinauf.

Es gibt auch kritische Stimmen

In die Erfolgsgeschichte mischt sich auch Kritik. Einerseits kommen leise Beschwerden von Busunternehmen, die für Flixbus die Fahrten abwickeln. Einige Subunternehmen sind bereits enttäuscht ausgestiegen, anderen werden zu hohe Arbeitsbelastung der Fahrer und unsichere Busse vorgeworfen. Flixbus und betroffene Firmen weisen das entschieden von sich. "Die Gefahr allerdings, dass Tiefpreise im Fernbus auch auf Kosten der Beschäftigten und der Sicherheit gehen können, ist keineswegs irreal, wie manche Beanstandungen von Kontrollbehörden zeigen", hieß es in der "Stuttgarter Zeitung". Andererseits gibt es auch warnende Stimmen, dass der locker ablaufende Fernbusverkehr von Kriminellen und Terroristen missbraucht werden könnte. Manche Beobachter fürchten auch, dass der Quasi-Monopolist die Preise deutlich anheben könnte.

In der Schweiz hat Flixbus eine 3000-Franken-Geldbuße (2747 Euro) der Behörden wegen Verstoßes gegen das "Kabotageverbot" aufgebrummt bekommen. Der Vorwurf: Statt wie vorgesehen grenzüberschreitenden Verkehr anzubieten würden Passagiere zu günstigen Preisen auch innerhalb der Schweiz transportiert. Flixbus weist das von sich, man könne die Fahrgäste ja nicht im Bus einsperren. Die Flixbus-Linie verbindet Konstanz (Deutschland) mit Lyon (Frankreich) und verläuft durch die Schweiz mit Stopps in Zürich, Bern, Lausanne und Genf. Damit folgen die grünen Busse der lukrativen Paradestrecke der Schweizer Bahn SBB - bieten aber deutlich niedrigere Preise. Die Gewerkschaft protestiert, weil die Fahrer außerhalb der Schweiz angestellt seien, wo die Lohnkosten deutlich niedriger seien.

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