Verkauf vor AbschlussChinesen übernehmen alle Mitarbeiter von Bosch Mahle

Kärntner Betrieb wird Teil eines asiatischen Mischkonzerns. Die Übernahme von Bosch Mahle Turbo Systems durch den Hongkong-Fonds FountainVest wird Anfang 2018 mit dem Closing abgeschlossen.

Bosch Mahle Turbo Systems in St. Michael ob Bleiburg
Bosch Mahle Turbo Systems in St. Michael ob Bleiburg © KLZ/Markus Traussnig
 

Das Wichtigste für die 1282 Mitarbeiter von Bosch Mahle Turbo Systems (BMTS) vorweg: "Der neue Eigentümer beabsichtigt, BMTS inklusive aller Mitarbeiter zu übernehmen, die gültigen Arbeitsverträge bleiben bei der Übernahme bestehen." Dies bestätigte Ruben Danisch, der Konzernsprecher von Mahle International in Stuttgart, der Kleinen Zeitung. In wenigen Wochen tritt die Übernahme durch den chinesischen Fonds FountainVest in Kraft, man rechnet damit, dass sie im
1. Quartal 2018 mit dem Closing besiegelt wird.

Bisheriger Chef nach Deutschland

Ob die Chinesen sofort auch eigene Manager in das Werk nach St. Michael/Smihel senden werden, wollten sie auf Anfrage in Hongkong nicht beantworten. 661 Mitarbeiter hat das Kärntner BMTS-Werk mit 1. November sowie rund 40 Leiharbeiter. 1400 Mitarbeiter sind im Mahle Filterwerk beschäftigt, das vom Verkauf nicht berührt ist. Der Geschäftsführer von BMTS Austria, Markus Zebisch, übernimmt im Bosch-Konzern neue, größere Management-Aufgaben in Deutschland.

"Erfolgreich bei Neuvergaben"

Zwei Werke hat Bosch Mahle in Deutschland, eines in China und jenes in Südkärnten. Ehe FountainVest unter Führung seines Mitbegründers und CEO Kui Frank Tang das Zepter übernimmt, gibt man sich zuversichtlich. Für das heurige Wirtschaftsjahr bei Bosch Mahle ist man im Mahle-Konzern "zufrieden mit der Geschäftsentwicklung. Die Auftragslage von BMTS und somit die Auslastung der Werke hat sich kontinuierlich positiv entwickelt. BMTS war auch bei Neuvergaben erfolgreich", bestätigt Konzernsprecher Danisch.

Langfristige Aufträge

Die Turbolader, die Motoren abgasarme Leistung verleihen, sind bei der Erzeugung in langfristigen Verträgen mit der Motorenerzeugung der Automobilkonzerne verbunden. Viele reichen bis 2025 und für Ersatzteile sogar noch gut fünf Jahre nach Einstellung der Motorerzeugung hinaus. Für Bosch Mahle wird entscheidend sein, wie rasch die Autokonzerne auf E-Mobile umstellen. Die Turbolader sind eine Übergangstechnologie und werden auch in Hybrid-Autos benötigt. Für die nächsten fünf Jahre sei laut Mahle "mit weiterem Wachstum des globalen Marktes für Abgasturbolader zu rechnen".

Kaufpreis bei 200 Millionen geschätzt

Den Umsatz von 2015, der laut Firmenkompass 274,08 Millionen Euro betragen hatte, hat Bosch Mahle 2016 deutlich gesteigert, die Schätzungen beliefen sich auf 370 bis 400 Millionen Euro. Der Löwenanteil des Umsatzes wird in Europa erzielt. Das Handelsblatt vermutete den Kaufpreis bei 200 Millionen Euro. Die deutschen Konzerne Bosch und Mahle hätten in das Geschäft weitaus mehr investieren müssen, als sie mit dem Verkauf erlösen. Interessant ist BMTS auch wegen seiner über 130 Patente. Hohe Technologie ist in Ländern wie China besonders gefragt.

Die Strategie der Chinesen

Frank Tang, der unter anderem die Columbia University in den USA absolvierte und fast 20 Jahre als Investment-Manager bei Goldman Sachs arbeitete sowie bei Accenture, gründete FountainVest 2007. "Unsere Strategie zielt auf Geschäfte, die von den steigenden Bedürfnissen und Ansprüchen der anwachsenden chinesischen Mittelklasse profitieren", lautet das Credo. FountainVest ist vom Medien- bis zum Modegeschäft in China investiert. 2011 stieg man bei PeaceBird, einem großen Textilmodeerzeuger, ein. 2013 beteiligte sich FountainVest bei der Privatisierung des zuvor skandalgebeutelten staatlichen Werberiesen Focus Media. Seit 2014 ist man größter Aktionär des Solar- und Bioenergieerzeugers Kehua.

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