Umsatz wächst Schirnhofer: Neustart nach der Insolvenz

Mit Crowdfunding und Qualitätssiegel setzt Fleischverarbeiter Schirnhofer die Kooperation mit den Almo-Bauern fort. Im Jänner wird die letzte Insolvenzquote bezahlt.

Im Jänner zahlt Schirnhofer die letzte Insolvenzquote
Im Jänner zahlt Schirnhofer die letzte Insolvenzquote © Schirnhofer
 

"Es waren spannende Zeiten", erinnert sich Hans Pessl, Obmann der ost-steirischen Almo-Bauern, an das Jahresende 2015. Im Zuge der Zielpunkt-Pleite schlitterte damals auch der Fleischwarenbetrieb Schirnhofer in die Insolvenz (siehe Chronologie). Damit fiel den Almo-Bauern über Nacht ihr Hauptvertriebspartner weg. „Es gab zwar Anfragen anderer Vermarkter, aber wir sind hinter ihm gestanden“, blickt Pessl zurück.

Man hat sich gegenseitig eine Erfolgsgeschichte zu verdanken. Die nächstes Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiernde Marke „Almo – Almochsenfleisch“ genießt hohe Vertrauenswerte. Basis sind strenge Qualitätskriterien wie gentechnikfreie Fütterung, Weidehaltung im Bergland und eine eigens in Kooperation mit Schirnhofer und der Tierschutzorganisation Vier Pfoten zertifizierte, sogenannte „tierwohlgerechte“ Schlachtung.

350 Almo-Bauern

4000 Stück Vieh werden so pro Jahr verarbeitet – geliefert von aktuell 350 aktiven Almo-Mitgliedsbauern, die zu einem Drittel aus dem Kerngebiet oststeirisches Almenland kommen, zu einem Drittel aus der Weststeiermark, dem Mur- und Mürztal und zu einem Drittel aus der übrigen Steiermark beziehungsweise Grenzregionen in Kärnten und Niederösterreich.

Karl Schirnhofer (mit Wolfgang Deutschmann) setzt auf Crowdfunding
Karl Schirnhofer (mit Wolfgang Deutschmann) setzt auf Crowdfunding Foto © ALMO

Mit Fleisch beliefert wird neben der Gastronomie vor allem der Rewe-Konzern in Deutschland. Über dessen Österreich-Töchter Merkur und Penny sind die Almo-Produkte aber seit Anfang Juni auch wieder in Österreich erhältlich. Zu verdanken ist das – und hier setzt sich die durch die Zielpunkt-Misere unterbrochene Erfolgspartnerschaft fort – Karl Schirnhofer. Er hat den Auftrag an Land gezogen. – Ein weiterer Schritt zurück in die Erfolgsspur.

Letzte Insolvenzquote im Jänner

„Ich habe es weggesteckt und bin wieder aufgestanden“, beschreibt Schirnhofer die turbulente Vergangenheit. Im Jänner will er die letzte Insolvenzquote begleichen. Sechs Millionen Euro – und damit eine Quote von 30 Prozent – werden dann in Summe an die Gläubiger geflossen sein.
Auch der laufende Betrieb floriert wieder. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2016/17 (1. April bis 31. März) wuchs auf 32 Millionen Euro, für heuer werden 42 Millionen und auch gewinnseitig der Turnaround angepeilt. Gelingen soll das nicht zuletzt über Investitionen.

Das Geld dafür holte sich Schirnhofer über Crowdfunding. 448.000 Euro sammelte er bis Mitte September ein. Damit soll eine neue Verpackungsanlage finanziert werden. Der Mitarbeiterstand soll dadurch von derzeit 140 um bis zu 20 aufgestockt werden.

Chronologie

1977 übernimmt Karl Schirnhofer in dritter Generation die familieneigene Fleischerei.
1997 unterzeichnet er einen Abnahmevertrag mit dem Lebensmittelhändler Zielpunkt. „Ich habe mir gedacht, das ist mein Lebensvertrag“, sagte er einst zur Kleinen Zeitung. Ein Irrglaube.
2011 scheiterten Fusionspläne mit der Tiroler Firma Handl, Zukäufe anderer Firmen lassen ein komplexes Firmengeflecht entstehen. Zu Höchstzeiten hat Schirnhofer 240 Standorte und 1900 Mitarbeiter. Der Aufbau einer eigenen Filialkette, um die Abhängigkeit von Zielpunkt zu mindern, scheitert.
2015: Schirnhofer schlittert als Folge der Zielpunkt-Pleite in die Insolvenz. 60 Mitarbeiter werden gekündigt. Die letzte Gläubigerquote wird im Jänner 2018 fällig.
2017: Schirnhofer sammelt über Crowdfunding 448.000 Euro ein. Das Geld soll in eine Verpackungsanlage fließen.

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Danke für Ihr Verständnis.

zyni
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Lesenswert?

Insolvenz mit 20 Mio. Schaden,

eine Erfolgsgeschichte geht weiter......

Antworten

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