Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew soll versucht haben, bei einem Privatisierungsgeschäft zwei Millionen US-Dollar (1,7 Millionen Euro) vom teilstaatlichen Ölkonzern Rosneft einzustreichen. Bei einer fingierten Bargeldübergabe wurde er im November 2016 festgenommen und sitzt seitdem in Hausarrest. Beim heutigen Prozessbeginn in Moskau werden zunächst Verfahrensfragen geklärt.

Die Hintergründe des Falls sind aber undurchsichtig, Uljukajew (61) sprach von einer "Provokation". Er soll das Schmiergeld im Zusammenhang mit einer Konzernübernahme erpresst haben.

Uljukajew hatte sich erst gegen den Verkauf von 50 Prozent Staatsanteilen am Ölkonzern Baschneft an Rosneft gewehrt. Später genehmigte sein Ministerium das Geschäft doch noch. Als Kaufpreis wurden im Oktober vergangenen Jahres 330 Milliarden Rubel (4,6 Milliarden Euro) genannt. Rosneft wird von Igor Setschin geführt, einem langjährigen Weggefährten von Präsident Wladimir Putin.

Schockwellenin der Moskauer Führungsschicht 

Das beispiellose Vorgehen gegen Uljukajew löste in der Moskauer Führungsschicht Schockwellen aus. Der Wirtschaftsminister, vorher Vizechef der Zentralbank, galt als einer der Spezialisten, die Russlands Wirtschaft trotz Krise am Laufen halten. Experten wiesen auf Merkwürdigkeiten hin: Die angebliche Bestechungssumme sei für jemanden von diesem Rang eher gering, ein Minister wäre auch kaum zum Bargeldempfang in der Rosneft-Zentrale erschienen.

Die Verhaftung passt aber zu Putins Kurs der vergangenen Monate, im Kampf gegen Korruption demonstrativ auch gegen ranghohe Staatsdiener vorzugehen. Unter anderem warten ein Vize-Kulturminister, mehrere ehemalige Regionalgouverneure und zahlreiche Polizeioffiziere auf ihren Prozess.