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Handbuch

Börse-ABC: Fachbegriffe einfach erklärt

Artikel rund um börsenotierte Unternehmen sind voller Worte wie Rendite, Derivate, Dividende oder Future. Aber was bedeuten diese Begriffe wirklich? Wir erklären es Ihnen.

 

Aktie

Bei diesem Wertpapier handelt es sich um eine Urkunde, die ihrem Inhaber einen Anteil und bestimmte Rechte am Unternehmen gibt, wie Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen und Auszahlung von Gewinnen (Dividenden).

Anleihe

Damit bezeichnet man eine festverzinsliche Schuldverschreibungen und vorgeschriebener (meist längerer) Laufzeit sowie vertraglich fixierter Tilgung – vergleichbar mit einem Privat-Kredit. Unternehmen, Banken, Staaten geben Anleihen aus, um sich Kapital für eine Investition zu beschaffen.

ATX

Der Austrian Traded Index ist der wichtigste Index der Wiener Börse. Der Index enthält die Aktien der 20 größten börsennotierten Unternehmen Österreichs und wird täglich errechnet.

Aufsichtsrat

Vom Gesetz vorgeschriebenes Organ für Aktiengesellschaften. Aufgaben des Aufsichtsrats: Bestellung des Vorstands, Überwachung und Beratung des Vorstands, Prüfung von Jahresabschluss bzw. Geschäftsbericht.

Bilanz

Meistens am Ende des Geschäftsjahres, das nicht immer mit dem Kalenderjahr übereinstimmt, erstellter Gesamtabschluss des Rechnungswesens eines Unternehmens. In der Bilanz werden die Vermögenswerte dem Eigen- und Fremdkapital gegenübergestellt. Die beiden Werte müssen sich dabei gleichen.

Blue Chips

Amerikanischer Börsenausdruck für Spitzenwerte unter den Aktien, das heißt Aktien großer, international bekannter und solider Unternehmen mit bekannten Markennamen, wie Siemens, Magna, Roche, Microsoft und viele andere.

Bulle und Bär

Synonyme für Aufschwung oder Abschwung an den Finanzmärkten. Der Bär rechnet mit fallenden Kursen, der Bulle setzt auf steigende Kurse. Börsianer sprechen daher auch von Bullen- und Bärenmärkten.

Depot

Verwahrung von Wertpapieren bei einer Bank, wobei auch die Verwaltung (z.B. das Einziehen der Dividenden oder Zinsen und die Ausübung von Bezugsrechten) mit einbezogen ist.

Dividende

Den erwirtschafteten Gewinn eines Geschäftsjahres kann die Aktiengesellschaft im Unternehmen behalten und/oder als Dividende an ihre Aktionäre ausschütten. Die Zahlung ist freiwillig, ihre Höhe wird von der Gesellschaft selbst festgelegt und pro Aktie angegeben.

EBIT und EBITDA

Das Einkommen eines Unternehmens vor Abzug von Zinsen, Steuern und Abschreibung wird EBITDA genannt. Das ist eine aussagekräftige Kennzahl zur Beurteilung der operativen Ertragskraft eines Unternehmens. Das EBITDA ist wesentlich wichtiger als der Umsatz. Oft wird auch nur das EBIT angegeben. Damit wird das Einkommen vor Abzug der Zinsen und Steuern bezeichnet. Die Abschreibung ist jedoch bereits einberechnet.

Eigenkapital

Grund- oder Stammkapital, gesetzliche und freie Rücklagen sowie der Gewinnvortrag einer Kapitalgesellschaft. Im Prinzip alle Vermögenswerte einer AG, wie die Fabriken, Patente, Rücklagen, Barreserven etc.

Fonds

Aktien verschiedener Gesellschaften oder Anleihen werden zu einem Fonds zusammengefasst. Anteilscheine an solchen Fonds werden dann wieder weiterverkauft.

Fremdkapital

Mittel, die nicht vom Unternehmen, den Unternehmensinhabern oder Aktionären aufgebracht, sondern von anderer Seite zur Verfügung gestellt werden: z.B. Anleihen, Schuldscheindarlehen, Kredite.

Future

Vertrag, der an einer Terminbörse zum Zweck der Lieferung einer bestimmten Ware oder Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft (Future) gehandelt wird. Das heißt: Der Händler kauft ein Fass Rohöl, bekommt es aber erst in drei Monaten, dafür zum aktuellen Preis des Futeres.

Genussschein

Genussscheine verbriefen schuld- und eigentumsrechtliche Ansprüche verschiedener Art, vor allem das Recht auf Beteiligung am Reingewinn oder Liquiditätserlös der Gesellschaft. Im Gegensatz zu Aktionären haben Genussschein-Inhaber kein Stimmrecht.

Gewinnwarnung

Eine Gewinnwarnung ist eine Bekanntmachung eines börsennotierten Unternehmens. Die Mitteilung besagt, dass der prognostizierte Gewinn nicht erreicht wird.

Grundkapital

Grundkapital ist das Kapital (Geld, Immobilien, Maschinen etc.), das bei der Gründung einer Aktiengesellschaft eingebracht werden muss, in Österreich mindestens 70 000 Euro.

Hauptversammlung

Grundsätzlich nur HV genannt... Organ der Aktiengesellschaft und Kommanditgesellschaft auf Aktien, in dem die Aktionäre ihre Aktienrechte ausüben können (Parlament der Aktionäre).

Insider

Insider sind Personen, die aufgrund ihrer Stellung in einem Unternehmen, beispielsweise als Mitglieder des Aufsichtsrates oder der Geschäftsleitung, Kenntnis von kursrelevanten, aber noch nicht bekannt gegebenen Tatsachen haben. Auch Personen, die wegen ihres Berufs (z. B. Journalisten) über noch nicht publizierte Informationen verfügen, gelten als Insider. Insidern ist es verboten, ihr Wissen auszunutzen, um Aktien gewinnbringend zu kaufen oder verkaufen.

Index

Von der Statistik geliefertes Instrument, um Preis- und Mengenbewegungen von Gütern und Wertpapieren im Zeitablauf darzustellen. Die betrachteten Zeitreihen werden prozentual bzw. relativ auf eine Basisgröße bezogen, die gleich 100 Prozent gesetzt wird. Beispiele: ATX, DAX, Dow Jones.

Jahresüberschuss

Positive Differenz aller in die Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens ausgewiesenen Erträge und Aufwendungen. Auf Deutsch: Das was eine AG in einem Jahrverdient hat.

Kapitalerhöhung

Erhöhung des Gesellschaftskapitals – innere Wert des Unternehmens. Bei einer Aktiengesellschaft erfolgt sie aufgrund eines Beschlusses der Hauptversammlung durch Ausgabe und Verkauf neuer Aktien; üblicherweise wird den Aktionären ein Bezugsrecht eingeräumt.

Kursmanipulation

Die Einflussnahme auf den Kurs (Marktpreis) eines Wertpapiers ist laut Börsengesetz strafbar. Dazu gehören: Falsche Angaben über Gewinne oder Umsätze oder sonstige irreführenden Angaben über das Unternehmen.

Leitzinsen

Mit dem Leitzins setzt eine Zentralbank fest, zu welchen Zinsen sich Geschäftsbanken bei ihr kurzfristig Geld ausborgen können. Am Leitzins orientiert sich sowohl der Zinssatz für Interbankengeschäfte als auch der Zinssatz für Unternehmens- und Privatkredite.

Management-Buyout

Übernahme eines Unternehmens durch sein Management; die Manager kaufen die Anteile der bisherigen Aktionäre.

Nennwert

Der Nennwert ist der auf dem Wertpapier aufgedruckte Betrag. Bei Aktiengesellschaften bildet die Summe der Nennwerte aller Aktien das Grundkapital.

Operativer Gewinn

Der Gewinn, den ein Unternehmen mit seinen eigentlichen Geschäftsfeldern erzielt. Beispiel: Gewinne aus dem Absatz von Autos zählen bei Volkswagen zum operativen Gewinn – die Gewinne aus Bankgeschäften nicht.

Option

Eine Option gibt dem Käufer das Recht, den Optionsgegenstand (Aktien oder Devisen) zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem im Voraus festgelegten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Dabei handelt es sich um eine Art Wette auf steigende oder fallende Kurse.

Performance

Damit bezeichnet man die Wertentwicklung von Kapitalanlagen. Sie wird meist in Prozent ausgedrückt und auf einen bestimmten Zeitraum bezogen. Verdoppelt sich beispielsweise der Kurs einer Aktie, so spricht man von einer Performance von 100 Prozent. Unter diesem Begriff versteht man die Gesamtheit aller Wertpapiere bzw. im weiteren Sinne aller Vermögensanlagen, die jemand besitzt.

Portfolio

Unter diesem Begriff versteht man die Gesamtheit aller Wertpapiere bzw. im weiteren Sinne aller Vermögensanlagen, die jemand besitzt.

Ratingagentur

Eine Ratingagentur untersucht die Veranlagungen und Verpflichtungen eines Unternehmens oder eines Staates. Anhand der gewonnenen Daten beurteilt die Agentur die Kreditwürdigkeit der Firma oder des Landes.

Rendite

Gesamterfolg einer Kapitalanlage, gemessen als tatsächliche Verzinsung (Effektivverzinsung) des eingesetzten Geldes. Dividendenzahlungen und der Wertzuwachs/-verlust der Aktie werden zusammengerechnet. Eine Rendite kann auch negativ sein.

Risikoaufschlag

Wenn Unternehmen oder ein Staaten mit schlechter Bonität eine Anleihe vergibt, müssen diese höhere Zinsen als üblich zahlen.

Rücklagen

Rücklagen sind Kapitalreserven. Für Aktiengesellschaften schreibt das Gesetz die Ansammlung einer Rücklage von zehn Prozent des Aktienkapitals vor.

Sperrminorität

Beteiligung (üblicherweise 25 Prozent oder mehr) am Grund- oder Stammkapital einer Kapitalgesellschaft, durch die Mehrheitsbeschlüsse verhindert werden können (zum Beispiel Fusion, Satzungsänderungen).

Streubesitz

Teil der Aktien des Unternehmens, der sich in Umlauf befindet, der also tatsächlich an den internationalen Börsen gehandelt werden.

Transaktionssteuer

Derzeit Zahlen Händler für ihre Gewinne keine Steuer. Devisenhändler machen sich bei ihren Spekulationen die unterschiedlich hohen Kurse von Währungen an den Börsen zu Nutze (so genannte Arbitrage). Eine Besteuerung der Transaktionen senkt die Rendite dieser Devisenspekulationen und wirkt somit stabilisierend auf die Wechselkurse. Ein weiterer Name: Tobin-Steuer, benannt nach dem Nobelpreisträger James Tobin. Die Tobin-Steuer wurde bisher in keinem Land der Welt eingeführt.

Venture Capital

Unter einer Venture-Capital-Finanzierung (Wagnisfinanzierung) versteht man die Bereitstellung von Beteiligungskapital für kleine und mittlere Unternehmen mit Wachstumspotential. Dabei handelt es sich um hochriskante Geschäfte. Unternehmen, die Venture-Capital zur Verfügung stellen, rechnen damit, dass nur eines von zehn Investments sich rechnet.

Vorbörslicher Handel

Der Wertpapierhandel an der Vorbörse (auch: Handel per Erscheinen) ist der Handel mit Wertpapieren vor dem eigentlichen Börsenbeginn. Er geschieht ohne Aufsicht.

Zinstender

Ausschreibungsverfahren bei Devisengeschäften der Europäischen Zentralbank. Bei einem Zinstender müssen die Kreditinstitute in ihren Verkaufswünschen den Zinssatz angeben, zu dem sie bereit sind, Devisen einer bestimmten Höhe zu leihen.