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Wirtschafts-ABC: Fachbegriffe einfach erklärt

Artikel zum Wirtschaftsgeschehen sind voller Worte wie Export, BIP, Kapital oder Vermögen. Aber was bedeuten diese Begriffe wirklich? Wir erklären es Ihnen.

 

Arbeitslosenstatistik

Zum Messen der Arbeitslosigkeit gibt es in Österreich zwei Methoden: Die des AMS und die der EU. Das AMS misst die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zu den unselbstständig Beschäftigten, Unternehmer werden nicht eingerechnet. Für die EU gelten nur jene Arbeitslos, die weniger als eine Stunde pro Woche einer bezahlten Arbeit nachgehen.

Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Viele Menschen stellen in Österreich im Laufe eines Jahres eine Menge von Gütern und Dienstleistungen her, wie Sonnenkollektoren oder das Unterrichten von Schülern. Diese Sachgüter und Dienstleistungen stellen einen bestimmten Wert dar - die Menschen bekommen ja auch Lohn dafür. Wenn man wissen will, wie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes aussieht, dann rechnet man den Wert der Dienstleistungen und der Sachgüter die in dem Land produziert wurden zusammen - auch von Ausländern - und erhält dann das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Börse

Eine Börse ist ein Markt, auf dem Wertpapiere oder Geld ge- und verkauft werden. Der Unterschied zu anderen Märkten liegt darin, dass man an der Börse die Ware nicht sehen und auch nicht mitnehmen kann, wie zum Beispiel ein Fahrrad oder einen Sack Äpfel. Man sieht lediglich an einer Tafel die Preise für Unternehmensanteile oder Waren, die Börsenkurse genannt werden. Diese Börsenkurse können sich von Minute zu Minute ändern. Da es sich nicht genau vorhersagen lässt, was die Anleger gerade kaufen oder verkaufen möchten, kann man an der Börse in kurzer Zeit sehr viel Geld verdienen, aber auch sehr viel Geld verlieren.

Einkommen

Die häufigste Einkommensform ist das Arbeitseinkommen für Erwerbstätigkeit. Daneben gibt es Einkommen aus Vermögen, z.B. Zinsen, Mieteinnahmen, oder auch Einkommen aus geistigem Eigentum, z.B. aus Patenten und Lizenzen; auch Dividenden aus Aktienvermögen zählen zum Einkommen.

Export

Als Export bezeichnet man die Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen. Für Waren ist das eindeutig: Steirischer Wein der in die USA geschickt wird, ist Export. Bei Dienstleistungen funktioniert Export ähnlich: Wenn ein Deutscher nach Österreich Schifahren kommt, „exportiert“ Österreich die Dienstleistung einer guten Schipiste und einem tollen Hotel nach Deutschland da ja ein deutscher Schifahrer dafür bezahlt.

Geld

Geld ist ein Mittel zum Austausch von Waren und Dienstleistungen. Es gibt an welchen Wert ein Produkt besitzt, hat jedoch selber nur ideellen Wert. Das Baumwollpapier eines 10 Euro-Scheins ist nur wenige Cent wert und seit den 1970ern werden Währungen nicht mehr mit Gold gedeckt.

Gewinn

Gewinn ist das Einkommen des Unternehmens. Dabei handelt es sich um den Betrag der nach Abzug aller Kosten vom Umsatz übrig bleibt. Der Gewinn wird üblicherweise entweder im Unternehmen reinvestiert oder an die Eigentümer bzw. Aktienbesitzer ausgezahlt.

Import

Als Import bezeichnet man die Einfuhr von Waren und Dienstleistungen. Nahezu jedes Auto in Österreich ist ein Import-Gut. Österreich importiert auch Erdgas und ist damit teilweise von Russland abhängig.

Globalisierung

Dieses Wort ist in den vergangenen Jahren in Ungnade gefallen. Es bezeichnet jedoch nichts anderes, als den weltweiten Abbau von Handelsschranken, wie Zöllen. Ursprünglich sollten Entwicklungsländer dadurch die Chance bekommen ihre Waren in die Industrieländer zu exportieren und so zu Wohlstand kommen. Vorerst sind allerdings eher die Industriestaaten die Nutznießer der Globalisierung.

Inflation

Dabei handelt es sich um einen Indikator für Preissteigerungen. Jedes Monat werden die Kosten für eine Sammlung virtueller Waren errechnet, die jeder im Laufe dieses Zeitraumes braucht. Je nachdem ob die Preise steigen oder sinken herrscht Inflation oder Deflation – auch Gehaltssteigerungen bedeuten für Unternehmen Inflation. Die Europäische Zentralbank sieht ihr Inflationsziel bei rund zwei Prozent.

Investition

Wenn ein Unternehmen mehr produzieren möchte, muss es investieren. Es benötigt neue Maschinen, mehr Arbeitskräfte oder eine neue Halle. Ein Investor agiert anders: Er kauft Anteile eines Unternehmens – investiert – mit der Erwartung auf ausgeschüttete Gewinne oder eine Wertsteigerung, so dass er die Aktien mit Gewinn verkaufen kann.

Kapital

Dabei handelt es sich keineswegs um Geld. Kapital sind die Produktionsmittel eines Unternehmens: seine Maschinen, sein Fuhrpark, die Fabrikhallen und Anteile an anderen Firmen.

Kapitalismus

Begründet durch den Moralphilosophen Adam Smith behauptet die Theorie des Kapitalismus, dass der Markt mit seiner „unsichtbaren Hand“ alles regelt. Da alle Menschen wollen, dass es ihnen gut geht, führe der freie Markt zu mehr Wohlstand, so die Theorie. Manche Ökonomen meinen, dass die Finanzkrise von 2007/08/09 das Gegenteil bewiesen hat.

Kommunismus

Begründet durch den Philosophen und Staatstheoretiker Karl Marx predigt der Kommunismus die Befreiung der Arbeiterbewegung und den Verzicht auf Eigentum. Alles Eigentum soll dem Staat gehören, dieser soll es gerecht auf seine Bürger verteilen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion gilt der Kommunismus als gescheitert. Die letzten Kommunistischen Länder sind z.B. China, Nordkorea, Vietnam und Kuba.

Kartell

Wenn mehrere Unternehmen die gleichen oder ähnliche Waren herstellen und verkaufen, können diese sich zusammenschließen um Preise, Produktionsverfahren oder Vertriebsgebiete abzusprechen um so höhere Umsätze zu erzielen. Die OPEC ist das klassische Beispiel eines Preiskartells.

Kaufkraft

Eine Semmel kostet 50 Cent; dann beträgt die Kaufkraft des Euro zwei Semmeln. Erhöht sich der Preis der Semmeln, sinkt die Kaufkraft. Verdoppeln sich alle Preise, halbiert sich die Kaufkraft: Man bekommt für einen Euro nur noch eine Semmel.

Konjunktur

Mit diesem Begriff bezeichnet man die wirtschaftliche Gesamtlage eines Staates, den Zustand seiner Volkswirtschaft. Es gibt Anzeichen, an denen man erkennen kann, wie es um die Konjunktur bestellt ist. Das sind zum Beispiel Arbeitslosenquote, Zinsniveau, die Auftragslage für die Industrie und viele andere. Meistens verläuft die Konjunktur in einem ständigem Auf und Ab zwischen starker und schwacher Wirtschaft.

Leistungsbilanz

Am Ende eines Jahres werden Exporte und Importe gegenübergestellt. Zusammen mit den Geldübertragungen zwischen In- und Ausland ergibt das die Leistungsbilanz. Österreich war lange ein Land das mehr Einfuhren hatte als Ausfuhren. Das hat sich in den vergangenen Jahren umgekehrt.

Markt

Ein Markt ist ein Ort, an dem Anbieter und Nachfrager zusammentreffen und Tauschgeschäfte tätigen. Ist das Angebot knapp, ziehen die Preise an – gibt es viele Waren und wenig Nachfrage werden die Preise sinken. Neben den konkreten, sinnlich erfahrbaren Wochenmärkten gibt es in "Markt"-Wirtschaften verschiedene "virtuelle" Märkte: Warenmärkte, Dienstleistungsmärkte, Arbeitsmärkte, etc. Durch den Wettbewerb zwischen Anbietern und Nachfragern bilden sich die Preise.

Monopol

Jeder Unternehmer strebt nach Gewinnmaximierung. Die höchsten Gewinne hat ein Monopolunternehmen – es ist der einzige Anbieter und kann die Preise nach Gutdünken festsetzen, Kunden können auf keine Alternative ausweichen. Aktuelle Beispiele: Austria Tabak, die Österreichische Post und in weiten Teilen die ÖBB.

Rendite

Wie viel Geld verdiene ich mit einer Investition. Z.B. Am Sparbuch bekommt man 3 Prozent Zinsen fix. Mit Aktien könnte ich 20 Prozent „Zinsen“ bekommen, vielleicht aber auch minus 20 Prozent. Dieser Wert spiegelt die Rentabilität wieder. In Marktwirtschaften verfolgen Unternehmen das Ziel, eine möglichst hohe Rentabilität zu erreichen, also den Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital zu maximieren.

Soziale Marktwirtschaft

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland die Wirtschaftsordnung der Sozialen Marktwirtschaft von Ludwig Erhard und Alfred Müller-Armack eingeführt. Österreich hat sich bei seinem Wirtschaftssystem am Beispiel Deutschland orientiert. Die leitende Idee war dabei, den Kapitalismus sozialverträglich zu gestalten. Eine breit angelegte Sozialpolitik sollte für "sozialen Ausgleich" sorgen, d.h. soziale Sicherheit bieten.

Sozialpartner

Die Wirtschafts- und Sozialpartnerschaft ist ein österreichisches Unikat. Sie ist ein informelles Modell der politischen Entscheidungsfindung unter Einbeziehung gesellschaftlicher Interessenvertretungen (z.B. Industriellenvereinigungen oder auch Gewerkschaften). Sie dient der außerparlamentarischen Konsensbildung in Bezug auf Wirtschafts- und Sozialthemen, wie Gehaltsverhandlungen, Urlaubsansprüche usw. Dank der Wirtschafts- und Sozialpartnerschaft hat Österreich EU-weit am wenigsten Streiks.

Steuer

Steuern sind Geldzahlungen des Bürgers. Der Staat verwendet dieses Geld, um seine Aufgaben zu erfüllen. Das heißt, er baut Straßen, Schulen, Sportanlagen, Krankenhäuser und vieles mehr. Mit den Steuern bezahlt er auch die Lehrerinnen, die Polizisten und alle anderen, die für den Staat arbeiten. Steuern werden auf unterschiedliche Weise bezahlt.

Umsatz

Verkauft ein Unternehmen im Jahr 100 Maschinen zum Preis von je 400.000 Euro, dann beträgt sein Umsatz (= Menge mal Preis) 40 Mio. Euro Jahr. Aber Achtung: Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Von dem Umsatz muss das Unternehmen noch alle Gehälter, Kreditraten und alle übrigen Kosten begleichen. Es kann daher durchaus sein, dass ein Unternehmen in einem Jahr mehr Umsatz macht aber weniger Gewinn.

Vermögen

Damit werden alle Güter bezeichnet, die ein Mensch, Unternehmen oder Organisation ihr Eigentum nennt – Häuser genauso wie Aktien. Nicht mit Geld gleichzusetzen. Denn wenn jemand zehn Häuser besitzt, ist er zwar vermögend, vielleicht aber trotzdem Bettelarm, da er die Kosten nicht tragen kann.

Volkswirtschaft

Alle privaten Haushalte, sämtliche kleine und große Firmen und Unternehmen sowie staatliche Einrichtungen eines Staates bilden zusammen die Volkswirtschaft. Vereinfacht kann man sagen: Alle, die produzieren (erzeugen) und konsumieren (verbrauchen), gehören zur Volkswirtschaft.

Wirtschaftswachstum

Zunahme des Wertes aller im Land produzierten Waren und Dienstleistungen- und damit des Volkseinkommens. Die Quellen des Wachstums sind a) mehr Produktion, b) verbesserte Produktion (technischer Wandel, höhere Qualifikationen). Gemessen wird das Wachstum als prozentuale Veränderungsrate des realen BIP gegenüber dem Vorjahr.

Wirtschaft

Wenn die Menschen arbeiten, dann erzeugen sie sehr oft etwas. Sie bauen Autos, Maschinen, Häuser, sie fertigen Kleidung, backen Brot, pflanzen Getreide oder bauen Obst an. Diese Waren werden dann wiederum an andere Menschen verkauft. Alle Bereiche zusammen, in denen Menschen etwas herstellen und kaufen, bezeichnet man mit Wirtschaft. Dazu gehören auch die Dienstleistungen. Das sind alle Tätigkeiten, wo nichts direkt hergestellt wird, also im Handel, Verkehr, Banken, Versicherungen, Verwaltung, Polizei usw. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Wirtschaft eines Landes dafür sorgen muss, dass die Menschen die Güter und Dienstleistungen erhalten, die sie brauchen.

Zentralbanken

Die Zentralbanken haben mehrere Funktionen. Einerseits stellen sie Geld her und garantieren für den Wert des Geldes. Andererseits können Banken ihrerseits bei Zentralbanken Kredite aufnehmen oder Geld auf eine Art „Sparbuch“ legen. Weiters setzten die Zentralbanken die Zinsen fest, für die andere Banken sich Geld borgen können. Diese Zinsen werden im Normalfall an die Kunden der normalen Banken weitergegeben.