Ein Lienzer "Schandfleck" ist Geschichte
Die alte Getreidemühle im Zentrum der Bezirksstadt wurde mit einem Spezialbagger in zwei Nächten abgerissen. Auf dem Areal entsteht "Kaufhaus Lienz".
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stand Karl Krassnitzer mit der Kamera Donnerstag zu später Abendstunde in der Lienzer Mühlgasse. Zum einen war der städtische Mitarbeiter froh, dass, wie er sagte, "ein Schandfleck der Stadt verschwindet" und zum anderen arbeitete er doch bis zur Schließung im Jahr 1990 über 20 Jahre in der Getreidemühle der Raiffeisengenossenschaft Osttirol. "Es tut schon weh zu sehen, wie der riesige Bagger Stück für Stück abträgt", so Krassnitzer -besonders als der drei Tonnen starke Löffel in das Herzstück, den "Mühlenkegel" an der Spitze des alten Turms griff und nach mehreren Versuchen alles herausriss und zu Boden transportierte. Krassnitzer hatte mit 50 Kollegen noch bis zuletzt Säcke von Futtermittel, Roggenmehl oder Weizenkleie geschleppt. Krassnitzer: "Jetzt freue ich mich aber auf das neue Kaufhaus."
Abriss wie am Reißbrett
Mit dem Auftakt zum spektakulären Abriss Donnerstag kurz nach 21 Uhr wurde ein Kapitel Geschichte dem Erdboden gleichgemacht, dass in der Nacht zum Samstag sein Ende fand. Vier Nächte haben Behörden der bauausführenden Firma Mariacher aus Virgen gewährt. In der ersten Nacht verfolgten bis zu 100 Schaulustige, bewaffnet mit Kameras und Videogeräten, die Abrissarbeiten. Als das Dach mit seinen mächtigen Balken fiel, gab es Szenenapplaus für den Baggerfahrer. Immer wieder musste die Tiroler Straße (B 100) für den Verkehr 20 Minuten und länger gesperrt werden. Herausgebrochene Betonklotze donnerten aus 30 Metern Höhe herunter. Firmenchef Ludwig Mariacher leistete mit seinem neunköpfigen Team ganze Arbeit. "Wir haben alles im Griff", sagte er mit Stolz.
Sein Auftraggeber, die Südtiroler Baufirma Hobag aus Innichen, hat mit ihrem Inhaber Günther Bachmann nach der Gemeinderatssitzung am 24. April in Lienz angekündigt: "Unmittelbar nach dem Abriss werden wir mit dem Bau des Kaufhauses Lienz beginnen." 50 Millionen Euro will man dafür investieren.
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FAKTEN
Geschichte. Der Osttiroler Nationalrat Franz Kranebitter kaufte 1959 die "Winkler-Mühle" für die Raiffeisengenossenschaft.
Schließung. Bis 1990 wurden in der Mühle Roggen, Weizen und Mais gemahlen. Im Zuge des EU-Beitrittes wurde der Betrieb mit zwei Mitarbeitern für die Firma Sandoz bis 2007 zur Penicillinerzeugung weitergeführt.







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