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Zuletzt aktualisiert: 22.04.2011 um 20:16 UhrKommentare

Spielsucht als unterschätzte Gefahr

Rund 500 Osttiroler haben problematischen Umgang mit Glücksspielen. Der Verein BIN (Beratung, Information, Nachsorge) in Lienz will Spielsuchtkranke erreichen und ihnen helfen.

Lange Zeit bleibt Spielsucht völlig unsichtbar. In Osttirol haben rein statistisch gesehen laut Verein BIN (Beratung, Information und Nachsorge) 500 Personen einen zwanghaften Umgang mit Glücksspielen.

Ob Spielautomaten, Kasinobesuche, Wettbüros sowie Spiele und Wetten im Internet können ein problematisches Suchtverhalten auslösen. Als ein Alarmzeichen, dass eine Spielsucht vorliegen könnte, nennt Elisabeth Pfeiffer von der Suchtberatungsstelle BIN in Lienz, den Kontrollverlust: "Wenn man sich beispielsweise vorgenommen hat nicht zu spielen und es trotzdem tut." Finanzprobleme, Verschuldung, Arbeitsplatzverlust, Kriminalität oder Suizid können die Folgen sein. "Sehr oft ist das pathologische Glücksspiel, welches wir zunehmend wahrnehmen, mit anderen psychischen Erkrankungen oder Störungen verbunden, wie mit Alkohol und Nikotin", so Pfeiffer. Der Einstieg in die Suchtspielkrankheit ist meist ein Gewinnerlebnis. "Das schnelle und leicht verdiente Geld hat eine hohe Anziehungskraft. Die Spieleinsätze und die Spielfrequenz steigen", erklärt die Beraterin. Das Spielen wird zunehmend zum zentralen Lebensinhalt. Die Familie sowie das soziale Umfeld rücken immer mehr in den Hintergrund.

Hemmschwelle zu groß

Der Verein BIN, der in Lienz Betroffene unterschiedlicher Abhängigkeitskrankheiten betreut, erreicht derzeit keine Spielsuchtkranke: "Entweder kennen die Betroffenen das Angebot nicht oder die Hemmschwelle eine Beratungsstelle aufzusuchen, ist zu groß", sucht Pfeiffer nach einer Erklärung, die betont, dass die Beratung anonym, vertraulich und kostenlos ist. An BIN können sich nicht nur Suchtkranke wenden, sondern auch Angehörige. "Die Spielsucht bleibt lange Zeit unentdeckt. Erst wenn die psychischen Belastungen unerträglich werden, wird das Problem für Außenstehende sichtbar. Gerade neue Glücksspiele im Internet bieten immer mehr versteckte und anonyme Spielmöglichkeiten", berichtet Christian Haring, Obmann des Tiroler Vereins. Vor allem Männer mittleren Alters sind gefährdet. Aber auch immer mehr Frauen sind betroffen: "Es gibt Möglichkeiten zur Behandlung", so Haring.

KRISTINA PRANTER-KREUZER

FAKTEN

Abhängigkeitserkrankungen. Der Verein BIN hilft und berät bei Abhängigkeitserkrankungen. Im Jahr 2010 wurden in der Beratungsstelle in Lienz 571 Klienten betreut, davon hauptsächlich alkoholkranke Personen.

Hotline. Unter (04852)-73450 können sich Spielsüchtige und Angehörige an BIN in Lienz, Rosengasse 12, wenden.

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