Bei ihm ist alles Gold, was glänzt
In unserer Serie stellen wir Männer und Frauen in traditionsreichen Handwerksberufen vor. Diesmal: den Osttiroler Vergolder Josef Kollreider.

Foto © Guggenberger
Ungewöhnlich ist die Werkstatt von Josef Kollreider in Anras in Osttirol in jeder Hinsicht. Auf den ersten Blick sticht vor allem der Schaugarten mit für die Region ungewöhnlichen Figuren ins Auge. Die Skulpturen bezieht der Maler aus Italien und sie sind aus hochwertigem Carrara Marmorkies und Weißzement.
Das Malerhandwerk hat Josef Kollreider bei der Firma Lukasser in Mittewald erlernt. Damit wollte sich der 45-Jährige aber nicht zufriedengeben. Er besuchte die Kirchenmalerschule in München und erwarb dort die Fachkenntnisse, die man als Kirchenmaler und Vergolder benötigt. Zurück in Osttirol gründete er vor elf Jahren sein eigenes Unternehmen. Kunden hat er auch in Kärnten und im benachbarten Südtirol.
Ein Blick in die Werkstatt Kollreiders zeigt sofort, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Wand- und Fassadengestalter handelt. Da stehen renovierungsbedürftige Schränke aus dem 19. Jahrhundert, ein Holzkreuz, das restauriert werden soll und eine halb fertige Madonna auf dem Arbeitstisch: "Momentan habe ich kaum Zeit, diese Einzelstücke zu bearbeiten", sagt Kollreider. Von Frühjahr bis Herbst stehen verschiedene Außenarbeiten auf dem Terminkalender. Kleinere Restaurierungen kann auch einer seiner vier Mitarbeiter erledigen. Vergolden hingegen nimmt viel Zeit in Anspruch und ist Chefsache. Kollreider hat zwei verschiedene Vergoldungstechniken erlernt. Die Ölvergoldung ist eine relativ einfache und günstige Art der Vergoldung. Sie kann auf nahezu jedem nur erdenklichen Untergrund erfolgen und wird auch Mattvergoldung genannt. Kollreider nennt sie "Hausfrauenvergoldung". Es kann nur annähernd ein Glanz wie bei einer Polimentvergoldung erzielt werden. "Die Polimentvergoldung war schon in der Antike bekannt und hat sich seit dem Mittelalter nicht wesentlich verändert", weiß Kollreider. Bevor die hauchdünnen 23,5 Karat-Goldblätter aufgetragen werden können, muss der Grund mit acht bis zwölf Anstrichen aus verschiedenen Präparaten behandelt werden.
Kollreider ist immer wieder auf der Suche nach Neuem. Sonnenuhren und Wappenmalereien sind solche Herausforderungen. "Die Sonnenuhr sollte im Sommer und Winter die richtige Zeit anzeigen", sagt er. Stolz ist er auch auf die Arbeit an der Dreifaltigkeitskirche in Strassen. Er hat der Außenfassade neuen Glanz gegeben. HANS GUGGENBERGER















