Prüfung der Nazi-Urkunden
Landesregierung gerät wegen Enteignung von Gemeinden im Dritten Reich unter Druck. Expertise über Urkunden von Haller beschlossen.

Foto © RuggenthalerHaller agierte auch in Hopfgarten. Von Enteignungen betroffen sind in Osttirol 30 Gemeinden
Lange haben ÖVP und SPÖ als Regierende in Tirol zu den Nazi-Urkunden offiziell geschwiegen. Doch: Die Urkunden, die die rechtswidrige Übertragung von Gemeindegut an Agrargemeinschaften während des Dritten Reiches in Osttirol dokumentieren, sorgen inzwischen für landesweite Diskussionen.
Der Druck steigt, hinter den Kulissen der Parteien geht es heiß her - das zwingt zum Handeln. Jetzt beschloss die Landesregierung, eine Expertise zur Aufklärung der sogenannten Haller'schen Urkunden einzuholen. Gefordert wurde eine derartige Prüfung, wie berichtet, bereits im März von Landtagsmandatar Gerald Hauser (FPÖ).
Keine Rechtsgrundlage
Der aktuelle Auftrag für das Gutachten folgt, so heißt es, auf Initiative von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), dessen Stellvertreter und BauernbundObmann Anton Steixner (ÖVP) sowie Landeshauptmannstellvertreter Hannes Gschwentner (SPÖ). Sie erläutern: "Mit den Haller'schen Urkunden wurde zur Zeit des 2. Weltkrieges der Besitzstand landwirtschaftlicher Grundstücke in Osttirol gesetzlich geregelt. Im Detail sollen die Behördenvorgänge rund um den damaligen Leiter der Agrarbehörde Wolfram Haller beleuchtet werden." Inzwischen ist jedoch bekannt, dass es für die Enteignungsaktion in Osttirol keine gesetzliche Grundlage gab. Sie war in der Deutschen Reichsgemeindeordnung nicht vorgesehen.
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Daten & Fakten
Wolfram Haller. War während des Nazi-Regimes Leiter der Agrarbehörde in Villach.
Haller'sche Urkunden. Haller wickelte in Osttirol die Enteignungen von 30 Gemeinden ab. Übereinkommen dazu sind in den Haller'schen Urkunden dokumentiert.















