Neue Eisenbahnbrücke in Vollbetrieb
Nach der Belastungsprobe rollten am Freitagabend die ersten Züge über das Jahrhundertprojekt. Der Start S-Bahn Linie 2 von Villach nach Rosenbach kann pünktlich am Sonntag den 10.6.2012 erfolgen.

Foto © HasslerIn nur 16 Monaten errichteten die ÖBB eine neue Eisenbahnbrücke über die Drau, die mitten durch Villach führt. Nachdem die Belastungsprobe erfolgreich bestanden wurde, werden die Züge ab Sonntag wieder direkt in den Villacher Hauptbahnhof einfahren
In einer Rekordbauzeit von nur 16 Monaten errichteten die ÖBB die beeindruckende neue Eisenbahnbrücke über die Drau, mitten in der Stadt Villach. Sämtliche Bauarbeiten wurden bei laufendem Bahnbetrieb durchgeführt. Eine besondere Herausforderung, denn der Bahnknoten Villach durfte zu keiner Zeit beeinträchtigt werden. Die ÖBBInfrastruktur AG setzte am 7.2.2011 den Startschuss für die Modernisierung der über 100 Jahre alten Villacher Draubrücke als wichtigstes Bauwerk im Eisenbahnknoten Villach. Bis Juni 2012 entstand anstelle der alten Stahlfachwerkbrücke aus dem Jahre 1906 eine moderne Stahl-Verbund-Brücke, die nicht nur Vorteile für den Bahnverkehr sondern vor allem auch für die Bürger der Stadt Villach in Puncto Lärmschutz bringt.
Belastungsprobe erfolgreich bestanden
Die neue Brücke bestand am Freitag ihre erste Feuerprobe: Die Belastungs- und Bremsversuche, ausgeführt von drei ÖBB und einer Slowenischen Lokomotive verliefen erfolgreich. Es wurden unter verschieden Lastsimulationen die Durchbiegungen des durchlaufenden Stahl- Verbund-Tragwerkes gemessen. Selbst der Abschlusstest, die Bremsprobe aller Lokomotiven auf dem Tragwerk verlief erfolgreich. Somit stand der Inbetriebnahme des zweiten Brückenteiles am Freitag um 16:35 nichts im Wege. Damit wurde die volle Leistungsfähigkeit des Villacher Eisenbahnknotens wieder hergestellt.
Verkehrseinschränkungen ab Sonntag beendet
Um den raschen Bau des zweiten Tragwerks zu ermöglichen waren umfangreiche Vorarbeiten wie die Errichtung eines achten Bahnsteiges am Villacher Hauptbahnhof notwendig. Aus Kapazitätsgründen konnten während der 16-monatigen Bauzeit nicht alle Züge den Villacher Hauptbahnhof anfahren sondern wurden nur bis zum Westbahnhof geführt. Pünktlich zum ?kleinen Fahrplanwechsel“ am morgigen Sonntag werden alle Züge des Nah- und Fernverkehrs wieder den Villacher Hauptbahnhof direkt anfahren. Der neue Bahnsteig 8 wird künftig für die ebenfalls am Sonntag startende S-Bahn nach Rosenbach weiter genützt. Ebenso am Start sind am Sonntag die neuen grenzüberschreitenden Regionalexpresszüge von Villach nach Udine.
Gesamtfertigstellung noch im Sommer
Mit Hochdruck arbeiten die Bauexperten nun an der Komplettierung des Staatsbahnsteiges, der unter Co-Finanzierung der Stadt Villach seitlich an der Brücke angebracht ist. Ebenso werden die Baustellenflächen an beiden Drauufern sukzessive geräumt und die Schüttungen rund um die beiden Flusspfeiler entfernt. Damit erhält die Drau wieder ihren vollen Abflussquerschnitt. Nach dem Abschluss aller Arbeiten werden die Radwege beiserseits der Drau wieder durchgehend passierbar und alle Umleitungen aufgehoben sein. Auch die regionale Wertschöpfung wurde groß geschrieben: Die Brücke wurde vom Ebenthaler Bauunternehmen Massivbau errichtet. Das Stahltragwerk lieferte das Lienzer Stahlbauunternehmen Vito und Gleisschotter und Steinschlichtungen stammen von einem A&B Jakoministeinbruch aus Nötsch.
Dörfler: Kärnten setzt auf die Bahn als Verkehrsmittel der Zu(g)kunft
"Mit der Neuerrichtung der Draubrücke Villach konnte eines der wichtigsten Eisenbahnprojekte in Kärnten abgeschlossen werden. Der Neubau sichert nicht nur die durchgängige Befahrbarkeit der Südbahn als Teil der Baltisch-Adriatischen Achse sondern wird auch eine wesentliche Entlastung für die Anrainer bringen. Kärnten setzt auf die Bahn als das Verkehrsmittel der Zukunft und investiert gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr Innovation und Technologie im Rahmen des Konjunkturpaketes über 90 Mio. Euro in die Modernisierung der Infrastruktur. Damit wird die gute Erreichbarkeit Kärntens als Wirtschafts- und Tourismusstandort langfristig gesichert."
Stahl-Verbund-Brücke
Das besondere an der neuen Brücke ist die moderne Bauweise als Stahl-Verbund-Brücke. Dabei wurde auf einem besonders schlanken Stahl-Hohlkastentragwerk eine Stahlbetonplatte in mehreren Abschnitten errichtet, die den Gleiskörper trägt. Der Gleiskörper selbst wurde aus Lärmschutzgründen mit einem Schotterbett und mit Gummi besohlten Schwellen ausgestattet. Sämtliche Schienen sind lückenlos verschweißt. Zusätzlich wurden die neue Brücke und ein Teil der Bahnstrecke zum Villacher Westbahnhof mit Lärmschutzwänden ausgestattet. Sämtliche Bauarbeiten erfolgten bei laufendem Bahnbetrieb. Ermöglicht wurde dies durch einen exakten Bauzeitplan sowie durch ein auf diese anspruchsvolle Baustelle maßgeschneidertes Baustellenmanagement.
In der 145 jährigen Geschichte des Eisenbahnknotens in Villach errichteten die ÖBB in den letzten eineinhalb Jahren die bereits dritte Eisenbahnbrücke über die Drau. Mit der Eröffnung der Kronprinz Rudolf Bahn im Jahre 1873 wurde in Villach gleichzeitig die erste Eisenbahnbrücke in Betrieb genommen. Diese wurde 1906 mit der Vollinbetriebnahme der neuen Alpenbahnen (Tauernbahn) gegen eine leistungsfähige Brücke ersetzt. Die nun fertig gestellte neue Eisenbahnbrücke ist die bereits dritte Generation. Ein Teil der alten Eisenbahnbrücke bleibt aber erhalten: Ein Tragwerksteil wurde vor der Höheren Technischen Lehranstalt in Villach als Denkmal aufgestellt und begleitet die angehenden Technikerinnen und Techniker tagtäglich auf dem Weg zu ihrer Ausbildung.














