Streit um das Ortsbild
Kollektoren und Module zur Gewinnung von Solarenergie als Störelemente. In Innervillgraten brach Diskussion darüber los.
Energiethemen bergen Konfliktpotenzial. Nicht nur Projekte für Wasserkraftwerke rufen "Schutzmächte" auf den Plan. Für Osttirol völlig ungewohnt steigen nun "Landschaftsschützer" wegen Kollektoren und Modulen zur Gewinnung von Solarenergie auf die Barrikaden.
Brennpunkt ist Innervillgraten, wo Orts- und Landschaftsbild zwar noch sehr authentisch sind, durch moderne Entwicklungen aber bereits leiden. Es gibt "Bausünden", die schon beim Ortseingang ins Auge stechen - und unübersehbar sind die Sammler von Sonnenlicht für Solar- und Photovoltaikanlagen auf Dächern, in Gärten und in Feldern. Aufgerüstet wurde seit rund 20 Jahren. Mehr als 50 solcher Anlagen existieren bereits. Bürgermeister Josef Lusser und seine politischen Mitstreiter orten jetzt eine "Verschandelung" des Dorfes.
Projekte gestoppt
Seit Monaten harren in der Gemeinde Ansuchen für neue Projekte der Erledigung. "Ich warte seit Jänner auf einen Baubescheid für eine Photovoltaikanlage", sagt Josef Schett von "Villgrater Natur". Und Benjamin Schaller hat bereits vor einem Jahr sein Interesse für die Errichtung eines Heizwerkes mit Photovoltaikanlage zur Versorgung von fünf Häusern in Kalkstein in der Gemeinde deponiert. Die Reaktion bisher: null. Stattdessen brach Roland Lanser, Bauauschussobmann und Leiter des örtlichen Energie-Teams, eine öffentliche Diskussion zum Schutz von Landschafts- und Ortsbild vom Zaun. Darin eingebunden wurden unter anderen Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt oder Helene Brunner vom Regionsmanagement Osttirol.
Beweggründe, plötzlich das Ruder herumzureißen, ließ sich Lanser nicht entlocken. "Momentan sind Richtlinien in Ausarbeitung und wir haben beschlossen, uns zu diesem Thema derzeit nicht öffentlich zu äußern", sagt er. Klar definierte Hauser die Intention des Denkmalamtes, in der Diskussion mitzumischen mit "Kulturlandschaft und Dachlandschaft". Dass die Diskussion um Jahre zu spät kommt, sieht er nicht so.
Hauser: "Man kann auch die Bremse ziehen und nicht jede Anlage auf ein Dach hinaufpicken." Und er wirft die Idee in den Raum, Flächen für Solarparks zu widmen. Details seien jedoch Aufgabe der Arbeitsgruppen, die installiert werden soll.
Josef Schett ist bereit, auf einen Vorschlag von Hauser einzugehen. Er will seine auf Schafstall, sowie Wohn- und Wirtschaftsgebäude geplanten Photovoltaikmodule als Modell für die Erarbeitung von Richtlinien zur Verfügung zu stellen.
Features
FAKTEN
Solarkollektoren (thermisch). Sammeln die im Sonnenlicht enthaltene Energie, die in Wärme umgewandelt wird.
Solarmodule. Über sie wird elektrische Energie zur Erzeugung von Strom gewonnen (Photovoltaik).















