Millionen für Wege zu den Berghöfen
Unter Zugzwang: Die Zahl der Bergbauernhöfe mit nur notdürftiger Erschließung ist in Osttirol mit 79 immer noch hoch. Abwanderung bleibt Thema, das Land investiert.
Keine wöchentliche Müllabfuhr, keine Chance, Baustoffe anzuliefern, keine ganzjährig gesicherte Straße für Arztbesuche, für Rettungs- oder Sozialsprengeleinsätze und keine Sicherheit, das ganze Jahr über am Leben im Dorf, das oft weit unten liegt, teilzunehmen. Was für Menschen in urbanen Bereich nicht vorstellbar ist, gehört für ein paar 100 Osttiroler noch zum Alltag. 79 Bergbauernhöfe im Bezirk haben keine zeitgemäße Zufahrt. Was das heißt, erklärt Hubert Mühlmann vom Amt für Landwirtschaft in Lienz: "Hier gibt es notdürftig befahrbare Wege, die im Winter mit Pkw fast unmöglich zu passieren sind. Ein Lkw kommt zu diesen Höfen überhaupt nicht hin." Allein die Gemeinde Matrei hat noch 19 solcher Höfe. Zu zwei davon (Mentles Huben-Moos und Asslab) führen sogar noch Seilbahnen.
Bürgermeister Andreas Köll ist aber mit dem Fortschritt in seiner Gemeinde zufrieden: "Die Erschließungen Stoan und Presslab um insgesamt fast sieben Millionen Euro sind nahezu abgeschlossen." Auf Platz zwei der "Negativbilanz" liegt Außervillgraten, wo acht Höfe eines Wegausbaues harren. Das Land steht unter Zugzwang.
Sichern der Landwirtschaft
"Wenn wir nicht dafür sorgen, dass entsprechende Straßen und Wege zu den Bauernhöfen führen, bedeutet dies meist das Ende der jeweiligen Landwirtschaft und damit auch das Ende der flächendeckenden Bewirtschaftung unserer Wiesen und Almen", sagt Landeshauptmannstellvertreter Anton Steixner.
Aus der Güterwegförderung stellt das Land im heurigen Jahr für das ländliche Straßen- und Wegenetz in Osttirol knapp 1,4 Millionen Euro bereit. Insgesamt fließen 2,5 Millionen Euro in den Ausbau des ländlichen Wegenetzes (25 Bauvorhaben in 15 Gemeinden) investiert. Interessenten und Gemeinden tragen 990.000 Euro bei, der Zuschuss der EU beträgt 105.000 Euro und aus Bundesmitteln kommen weitere 65.000 Euro. Zur Reihung der Ausbauten sagt Mühlmann: "Es gibt für alle 79 Höfe konkrete Ansuchen, die Dringlichkeit läuft über eine Projektbewertung nach definierten Kriterien."
Features
FAKTEN
Jahresplan. In 15 Gemeinden gibt es 25 Erschließungsprojekte.
Vorhaben. Unter anderem Gemeindestraße Bichl in Strassen und Geselhaus-Abfaltern in Abfaltersbach, Hoferschließung Fronholz/Strassen, Lindsberg-Michelsberg/Nikolsdorf, Oberlahnberg/Innervillgraten, Wachtler/Matrei, Wallnig/Iselsberg.














