Staatsanwalt ermittelt gegen Piloten
Schock und Trauer nach dem Tod von Franz Franzeskon. Der Staatsanwalt ordnete Erhebungen gegen den Piloten von "Martin 4" wegen fahrlässiger Tötung an. Der Slowake wurde Montagnachmittag tot aus der Gletscherspalte geholt.

Foto © Brunner Images
Der "Schwarze Sonntag" von Prägraten sitzt bei den Osttiroler Alpinrettern tief. Schmerz und Fassungslosigkeit über den Tod von Franz Franzeskon wurden aber rasch von der Realität eingeholt. Franzeskon, Leiter der alpinen Einsatzgruppe des Bezirkes, starb im Zuge der Bergung eines Slowaken am Rainerkees auf dem Großvenediger nach einem Hubschraubermanöver. Am Montag lief die Erhebungsmaschinerie an. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck leitete Ermittlungen gegen den Piloten ein, der mit Hubschrauber "Martin 4" im Einsatz war und zuletzt Franzeskon mit zwei Bergrettern an seinem Tau hatte. "Fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Umständen" ist Ermittlungsgegenstand.
Der Pilot, auch Fluginspektor bei der Austro-Control, soll das Flugtau mit Franzeskon und seinen Begleitern wegen plötzlich eingefallenem Nebel und nach Funkkontakt mit Franzeskon über dem Gletscher ausgeklinkt haben, um einen Absturz des Hubschraubers zu vermeiden.
Obduktion abgeschlossen
Mit Bestätigungen oder Details zum Unfallhergang konnte am Montag noch niemand aufwarten. "Der Pilot wollte bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage machen", konstatierte Osttirols Bezirkspolizeikommandant Silvester Wolsegger. "Dazu hat er sich noch nicht imstande gefühlt", sagte Roy Knaus, zu dessen Helikopterunternehmen Heli-Austria "Martin 4" gehört. Der Hubschrauber war bereits am Sonntag nach dem tödlichen Unfall beschlagnahmt und nach Begutachtung wieder freigegeben worden. Dazu konnte Wolsegger mitteilen: "Laut Sachverständigen ist ein technisches Gebrechen als Unglücksursache auszuschließen."
Keine Überlebenschance
Die Obduktion der Leiche des Alpinpolizisten, Berg- und Flugretters war Montagmittag abgeschlossen. Kurz ging Wolsegger auf das Ergebnis ein. "Für Franzeskon, der nach dem Unfall auf dem Landweg talwärts gebracht werden musste, hat keine realistische Überlebenschance bestanden, auch nicht, wenn er per Hubschrauber geborgen worden wäre." Er sprach von "schweren inneren Verletzungen". Dem Vernehmen nach erlitt der tödlich Verunglückte unter anderem ein schweres Thoraxtrauma.
Rückkehr und Totbergung
Trotz der Tragödie am Sonntag kehrten die Einsatzkräfte am Montag auf das Rainerkees - an den Ort des Schreckens - zurück. Hinauf trieb sie der Slowake, der seit Samstag dort 40 Meter tief in einer Spalte lag und dessen Bergung Franzeskon das Leben kostete. Prägratner Bergretter und Alpinpolizisten drangen zum Spaltenopfer vor. "Sämtliche Sicherungen waren schon am Sonntag vor dem verheerenden Unfall mit Franzeskon aufgebaut", sagte Josef Walder, der am Montag den Einsatz leitete. Dennoch nahm die Bergung des 36-jährigen slowakischen Polizisten, der tief im Eis seinen Tod fand, rund sieben Stunden in Anspruch. Nebel vereitelte den Abtransport seiner Leiche mit dem Polizeihubschrauber. Die Retter mussten sie in einem Drei-Stunden-Marsch auf dem Landweg ins Tal bringen.



















