Barrierefreiheit weist in Lienz noch einige Lücken auf
Menschen mit Behinderung haben es in Lienz schwer. Trotz vereinzelter Adaptierungen zeigen Betroffene auf, wo es immer noch Schwachpunkte gibt.
Anton Thaler ist seit einem Arbeitsunfall vor über 20 Jahren Rollstuhlfahrer. "In den letzten 20 Jahren hat sich einiges in Lienz getan. Allerdings finde ich es schwer in Lienz Gaststätten zu finden, die über eine behindertengerechte Toilette verfügen", beklagt Thaler. Für ihn wird der Toilettengang in der Stadt zur Odyssee. Ein weiterer Punkt sei, dass er sich nicht aussuchen könne, zu welchem Arzt er gehe, da manche Praxen in der Bezirksstadt für Rollstuhlfahrer unerreichbar seien.
Margarethe Forcher wurde als Baby mit sechs Monaten von Kinderlähmung befallen. "Ich konnte zwar früher noch mit Krücken gehen, doch bin ich seit 15 Jahren an den Rollstuhl gefesselt", sagt sie. Mit Lienz sei sie weitgehend zufrieden. Ins Postamt komme sie seit der Abtrennung der nördlichen Seite jedoch nicht mehr. "Ich muss hinten ranfahren und nach Hilfe klingeln", so Forcher. Anton Schett vom Lienzer Postamt erklärt, dass seit dem Umbau der Zugang mit dem Rollstuhl nur noch hinten möglich sei. "Von der Rollstuhlrampe profitieren jetzt die Parfümerie und der Telekom-Shop", so Schett.
Schauplatzwechsel: Der Bahnhof ist auch eine Hürde für Forcher. Sie muss weitab vom zentralen Bereich mithilfe eines Bahnangestellten einen freien Übergang queren. Die zu steilen und zu schmalen Rampen sind ungeeignet für einen Rollstuhl. 2013 soll der Startschuss zum Umbau des Bahnhofs fallen. Forcher hofft, dass dann mehr Rücksicht genommen wird.
Barrieren kosten Kraft
Jannik Rogl ist seit seiner Geburt gelähmt. Seine Mutter Susanne sorgt liebevoll für ihn und fördert seine Entwicklung. "Ich bin Mitglied der Selbsthilfegruppe ,Hand in Hand', die von Angehörigen Betroffener ins Leben gerufen wurde. Mir und anderen Betroffenen ist das Dolomitenbad negativ aufgefallen", sagt Rogl. Sie könne ihren Sohn nur liegend umziehen, komme mit dem Rollstuhl schwer über die Stiegen, sie müsse ihn jedes Mal ins Wasser heben und das zehre an ihren Kräften. Rogl: "Ich möchte, dass mein Sohn sich sinnvoll beschäftigt. Das Schwimmbad liebt er sehr. Stiegen zum Becken und fehlende Einstiegshilfen machen es zur Tortur."
Features
FAKTEN
Behindertenparkkarte. Ist für Personen mit schweren Geh-behinderungen erhältlich in der Bezirkshauptmannschaft Lienz.
Euroschlüssel. Dieser öffnet Türen für Behinderte, wie beispielsweise Toiletten auf den Autobahnen.
Rollstuhlsymbolaufkleber. Kann bei der Bezirkshauptmannschaft beantragt werden.
Parkplatzabstandsschild. Kann am eigenen Pkw montiert werden, um Bedarf anzuzeigen.














