Jährlich wird 1600 Frauen geholfen
Auch 2012 haben die Beraterinnen des Osttiroler Frauenzentrums alle Hände voll zu tun. Die Seifenblase der heilen Welt platzt, wenn Gewalt im Spiel ist. 1600 Betroffenen wird jährlich geholfen.
Von einer wirklichen Gleichstellung der Geschlechter sind wir noch heute weit entfernt, obwohl die Familienreform 1975 den Mann als Familienoberhaupt außer Kraft gesetzt hat. Erwerbstätigkeit, Haushalt und Kindererziehung sind seither einvernehmlich zu gestalten. Die Reform 1978 verpflichtete beide Ehepartner zur gemeinsamen Verantwortung und Erziehung.
"Frauen helfen Frauen" hat mit Geschichten zu tun, in denen Gemeinsamkeit nicht möglich ist, wo Gewalt eine Rolle spielt. "Fälschlich wird Gewalt immer im Zusammenhang mit Schlägen wahrgenommen. Wir erleben auch Gewalt durch Existenzgefährdung, Herabwürdigung und Verbalinjurien, Psychospielchen oder erzwungene Sexualität", erklärt die Pädagogin und Geschäftsführerin Anna-Maria Eder. Die traditionellen Rollenbilder werden noch immer transportiert und das Patriarchat ist in Osttirol noch stark präsent.
Im letzten November feierte die Einrichtung ihr 25. Jubiläum. Die Beraterinnen führen im Jahr gemeinsam um die 1600 Beratungen für 220 Frauen und Mädchen durch. Sie stabilisieren Frauen mental, helfen dabei sie existenziell abzusichern, bieten Berufsorientierung und stehen als Begleiterinnen zur Seite, wo es um familiäre Gewalt geht. Die Situation der Klientinnen ist oft sehr komplex, sodass eine langfristige Begleitung notwendig ist.
Ein Punkt, der immer wieder Aufgaben bereitet, ist das Überleben zu sichern. "Solange die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen noch so dramatisch auseinanderklafft, haben Frauen nicht wirklich persönliche Freiheit", ist die Pädagogin und Lebensberaterin Barbara Brandstätter überzeugt.
Um sich in der Frauenberatungsstelle weiterhelfen zu lassen, braucht "frau" Courage. Groß ist die Angst, drückend das schlechte Gewissen. So ist manchmal immenses Leid nötig, um Hilfe anzunehmen. "Frauen helfen Frauen" beraten auch präventiv. Die Beratung ist anonym und kostenlos.
Als Unterstützung für ihre Arbeit wünschen sich die Beraterinnen nur eines: Zivilcourage. Oft ist es so, dass man etwas mitbekommt, und es reicht Stellung zu nehmen, um Missstände zu ändern. Ein Notfallfonds für bedürftige Mädchen in Osttirol sammelt Spenden unter Kontonummer 53660, Bankleitzahl 40730, bei der Volksbank Osttirol, Kennwort "Mädchen".
Tipp. Zum heutigen Weltfrauentag der Kinofilm: "Nader und Simin -eine Trennung", (drei Termine im CINE X in Lienz). Das Psychodrama beschäftigt sich mit einem Frauenschicksal im Iran.
Features
FAKTEN
1910: Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin forderte auf der Internationalen Frauenkonferenz das Wahlrecht für Frauen.
1919: In Österreich wurde das aktive und passive Wahlrecht für Frauen gesetzlich festgehalten.
1920: Erstmals 5,9 Prozent Frauenanteil im Österreichischen Parlament.















