"In Osttirol ist Kirche stark präsent"
Nach dem "Krisenjahr" 2010, in dem gewalt-tätige Übergriffe und sexueller Missbrauch im kirchlichen Bereich bekannt wurden, waren die Kirchen-austritte 2011 in Tirol wieder rückläufig.
Freude herrscht bei den Verantwortlichen der Diözese Innsbruck über den Rückgang der Kirchenaustritte im vergangenen Jahr. "Erfreulich ist für mich die positive Veränderung, obwohl die Zahl noch immer sehr hoch ist", sagt Generalvikar Jakob Bürgler. In der gesamten Diözese Innsbruck ging die Zahl um 34,53 Prozent auf 3818, in Osttirol um 15,95 Prozent auf 274 Austritte gegenüber 2010 zurück.
Der 1967 in Lienz geborene Generalvikar freut sich über die noch "sehr starke kirchliche und katholische Prägung des Bezirkes Lienz". Bürgler: "Eine derartig starke Prägung nicht nur der ländlichen Gegenden, sondern auch der Stadt Lienz ist nicht selbstverständlich und sticht im Vergleich zu großen Teilen der Diözese wirklich heraus." Aber das Abwenden von der katholischen Kirche macht auch vor dem Bezirk Lienz nicht halt.
Bildungshaus ist wichtig
"Die Traditionen sind heutzutage nicht mehr automatisch auf die nächste Generation übertragbar", erklärt Bürgler. "Es ist die Herausforderung für die Kirche in Osttirol, diesen Weg offensiv und mit starken Kräften zu begleiten." Im Bezirk Lienz gäbe es noch eine relativ starke Präsenz der katholischen Kirche mit vielen Priestern. Eine wichtige Rolle spiele das Bildungshaus Osttirol. "Die übernehmen sehr viel an Bildungs- und Begleitungsarbeit für uns", sagt der Generalvikar. Aber auch die Bereitschaft, ehrenamtlich in den Pfarren mitzuarbeiten, sei in Osttirol noch sehr stark. "Es werden auch immer mehr pfarrliche Mitarbeiter und Koordinationsmitarbeiter geringfügig angestellt, damit die Gemeindemitglieder wissen, wo sie hingehen können."
Nur mit diesen Mitarbeitern vor Ort könne sichergestellt werden, dass die Pfarrgemeinden lebendig bleiben können. Leicht gestiegen sind die Wiedereintritte und Widerrufe. "Nach Gesprächen merken Leute oft, dass sie etwas verlieren, wenn sie die Kirche verlassen", meint Bürgler.
Features
FAKTEN
Osttirol. Austritte 2011: 274, 2010: 326, Rückgang: 15,95 Prozent;
Anzahl. Im Bezirk gibt es 46 Pfarren und Seelsorgeräume
Diözese Innsbruck: Austritte 2011: 3818, 2010: 5832, Rückgang: 34,53 Prozent; 218 Wiedereintritte, 79 Widerrufe des Austrittes, Gesamt 395.855 Katholiken














