Alpenverein setzt Kals endgültig vor die Tür
Unerwartet klare Ansage. Das Großglocknerdorf Kals wurde diese Woche vom Österreichischen Alpenverein aus dem Netzwerk "Bergsteigerdörfer" ausgeschlossen.
Jetzt ist es amtlich: Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) kündigte Kals die Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative "Bergsteigerdörfer" auf. Aus verwässerten Aussagen über einen möglichen Ausschluss wurden harte Fakten. Dem Kalser Bürgermeister Klaus Unterweger flatterte am Donnerstag ein Schreiben von Peter Haßlacher (Leiter der ÖAV-Fachabteilung Ramplanung-Naturschutz) ins Haus.
Haßlacher ging darin gleich zur Sache. "Ich möchte Dir ohne Umschweife mitteilen, dass wir uns nach einem längeren internen Diskussionsprozess und einer nochmaligen Überprüfung des Sachstandes endgültig dazu durchgerungen haben, die Gemeinde Kals am Großglockner nicht mehr länger im ,Bergsteigerdörfer'-Netzwerk des ÖAV zu führen", begann er sein Schreiben an Unterweger. Ausführlich dargelegt sind die Entscheidungsgründe. Massive Eingriffe in die Landschaftsstruktur durch touristische Bauten werden erwähnt.
"Kals hat sich für eine touristische Entwicklungsrichtung entschieden, die mit Ausrichtung, Philosophie und Image der ,Bergsteigerdörfer'-Initiative nicht mehr in Einklang zu bringen ist - selbst bei großzügigster Dehnung der Kriterien."
Ein Ausschluss von Kals war laut Haßlacher schon nach dem Bau der Schischaukel angezeigt. Damals habe man die Ausschlusskriterien aber zugunsten von Kals verändert. "Leider", sagt Haßlacher.
Unterweger verweigerte eine Stellungnahme. Vizebürgermeister Martin Gratz will den Ausschluss so nicht anerkennen: "Ich warte noch immer auf einen Termin für ein abschließendes Gespräch." Sollte in der Causa aber tatsächlich das letzte Wort gesprochen sein, ist Gratz überzeugt: "Kals als Zugpferd der ,Bergsteigerdörfer' auszuschließen, ist für den Alpenverein der größere Schaden als für Kals."
Features
FAKTEN
"Bergsteigerdörfer". Gegründet 2007, eine Initiative des ÖAV und ein Umsetzungsprojekt der Alpen- konvention. Bis zum Ausschluss von Kals gab es 17 "Bergsteigerdörfer" (Gemeinden oder Regionen) in Österreich. Sie haben sich laut Alpenverein nicht am sogenannten Erschließungs-Kapital-Event- Kreisel beteiligt.
Osttirol. Hat derzeit die "Bergsteigerdörfer" Tiroler Gailtal und Villgratental.
Alleinstellungsmerkmal. "Kleine, feine Ortschaften".









