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Zuletzt aktualisiert: 28.09.2011 um 22:52 UhrKommentare

Anonymous schlug wieder zu

Nach der Veröffentlichung von 600.000 Datensätzen von Versicherten bei der Tiroler Gebietskrankenkasse schlug Anonymous am Mittwoch erneut zu. Die Datensätze waren allerdings nur wenige Minuten lang übers Internet erreichbar.

Foto © APA

AnonAustria, der Österreichableger der Internet-Gruppierung Anonymous, hat am Mittwochabend neuerlich Daten via ihres Twitteraccounts veröffentlicht. Betroffenen waren offenbar alte Daten von Ministerien, eine Umfrage der Stadt Wien oder auch das Strahlenregister. Das Material dürfte aber nicht die Brisanz haben, wie jenes der Tiroler Krankenkasse (TGKK), das am Mittwoch in der Früh geleakt worden ist. Anonymous dürfte die Daten durch Internetrecherche bekommen haben. "Das findet man durch eine einfache Suche bei Google", schrieben sie in Twitter.

Die jüngste Serie an Datendiebstählen in Österreich sorgt für Unbehagen in der Bevölkerung. Hinter den Datenlecks steckt eine Gruppe von Internet-Aktivisten namens "Anonymous", die international tätig ist und mit "AnonAustria" einen aktiven Österreichableger hat.

Nach persönlichen Daten von 214.000 GIS-Zahlern (vielfach mit Bankdaten) und 25.000 Polizisten sind nun 600.475 Tiroler Opfer des jüngsten "Coups" von AnonAustria geworden. Mitglieder der Gruppe "stolperten" über Daten aller bei der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) versicherten Personen. Gestern Abend meldete man sich dann mit Daten aus Ministerien, einer Umfrage der Stadt Wien oder des Strahlenregisters. Sie dürften aber nicht die Brisanz wie jenes Material aus Tirol haben. Nach eigenen Aussagen hat AnonAustria diese Daten nicht einmal von GKK-Servern entwendet. Man habe sie auf einem frei zugänglichen Server buchstäblich gefunden und musste sie nur herunterladen. Betroffen sind alle Tiroler - vom Schlagersänger Hansi Hinterseer über Schauspieler Tobias Moretti bis zur Skifahrerin Nicole Hosp. Bei der TGKK spricht man von einer "unangenehmen Situation", Krankendaten seien aber nicht betroffen.

Daten völlig ungeschützt

Der Datendiebstahl sei bei einem Partner geschehen, der über Versicherungsnummern, Namen, Adressen und Angaben über Mitversicherte aller TGKK-Versicherten verfügt. Mit diesen Daten wird die Gültigkeit der E-Card überprüft. Ähnliche Schwachstellen könnte es somit bei jeder Krankenkasse geben. Anders als bei den erbeuteten Daten aus dem Computer eines Polizeivereins will AnonAustria diese Daten nicht veröffentlichen.

Hans Zeger, Mitglied des Datenschutzrates im Bundeskanzleramt, warnt seit vielen Jahren vor strukturellen Mängeln bei der Internet- und Datensicherheit in Österreich. Mit bescheidenem Erfolg, "offenbar bedarf es des Holzhammers", um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Gutheißen will er das Vorgehen von Anonymous freilich nicht: "Persönliche Daten müssen persönlich bleiben." Tatsache sei jedoch, dass viele Behörden, Ärzte oder Firmen die Sicherheit der Daten ihrer Klienten nicht im Griff hätten.

Noch befinden sich auf der E-Card wenige Daten. Ob des Datenlecks warnte ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger vor einer schnellen Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte und der E-Medikation. Würden solche Daten an die Öffentlichkeit gelangen, gäbe es einen "Supergau", so Rasinger.

Im österreichischen Rechtssystem existiert kein Delikt für Datendiebstahl. Auch das Hacken sei nur dann strafbar, wenn dabei Sicherungsmaßnahmen wie etwa Passwörter überwunden werden, so Zeger. Das Verwenden bzw. der Missbrauch persönlicher Daten sei entweder eine Verwaltungsübertretung oder ein Strafdelikt.

Wer dahintersteckt

Eine zentrale Forderung von AnonAustria ist es, dass die Politik ihre Pläne zur Vorratsdatenspeicherung aufgeben soll. Dabei sollen sämtliche Daten von Telefongesprächen und Internet-Verbindungen wie Standort, Uhrzeit und Anrufteilnehmer sowie Empfänger und Absender aller E-Mails gespeichert und Behörden für Ermittlungen zur Verfügung gestellt werden. Das Argument der Internet-Aktivisten: Wo Daten gesammelt werden, passiert auch Missbrauch. Und wenn mit Daten so schlampig umgegangen wird wie in den aktuellen Fällen, ist der Missbrauch fast garantiert.

Anonymous ist weder an einer Gruppe festzumachen, noch gibt es einen Sprecher. Da sich die Mitglieder nicht einmal untereinander kennen, ist die Gruppe für die Behörden kein einfaches Ziel. Entstanden ist Anonymous in den zwielichtigen Diskussionsforen von www.4chan.org. Kommuniziert wird in IRC-Kanälen, einem textbasierten Chatsystem im Internet, das dezentral organisiert ist. Ähnlich locker dürfte der Österreichableger organisiert sein.

Auch aus "Spaß" an diversen Aktionen beteiligten sich Tausende oder gar Zehntausende Computernutzer weltweit und legten Websites von Konzernen lahm.

GEORG HOLZER, MANFRED NEUPER/APA

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