Entsiedelung als Schreckgespenst
Beim Bürgerforum des Europäischen Parlaments äußerten Osttiroler vor allem Sorge über die Entsiedlung der Dörfer. Aber auch die Bahnverbindung Lienz-Innsbruck wurde heiß diskutiert.
Mit Bürgern vor Ort zu diskutieren und ihre Probleme und Anliegen kennenzulernen, ist der Sinn des Bürgerforums des Europäischen Parlaments. In der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz stellten sich die EU-Abgeordneten Eva Lichtenberger (Grüne) und Richard Seeber (ÖVP) der Diskussion. Auch die Lienzer Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Elisabeth Blanik (SPÖ) saß am Podium und stellte sich selbst als "regionale Spitze" vor.
"Der Bezirk profitiert massiv vom Wegfall der Grenzen. Südtiroler Kaufkraft fließt verstärkt nach Osttirol, nicht nur über die EU-geförderten Radwege", erklärte sie. Die Achse Lienz-Bruneck will Blanik mithilfe der Union noch stärker ausbauen. Lichtenberger betonte, "dass durch die EU auch kleinere Projekte, wie der Lienzer Stadtmarkt, gefördert werden können".
Worthülse "Regionalität"
Ihre Sorge über die Entsiedelung des Bezirkes, mit seinen engen Tälern, der dünnen Besiedlung und der ungünstigen Verkehrslage, wie es schon in den Pyrenäen und in den italienischen Alpen passiert, äußerten Teilnehmer. "Rein wirtschaftlich gesehen wäre ein geordneter Rückzug aus den Tälern oft richtig", sagte Richard Seeber. Aber: "Die Union muss zentralistische Bewegungen unbedingt verhindern. Sie gibt dafür viel Geld aus."
"Die Stärkung der Regionalität ist vielfach eine Worthülse, spüren tut man sie nicht wirklich", fand Elisabeth Blanik. Eva Lichtenberger meinte dazu, dass "es schon wegen des Klimawandels verstärkt zu Wanderungs- und Schrumpfungsprozessen kommen wird".
Problem Zugverbindung
"Der 20-Minuten-Takt der Südtiroler geht vor, da rennt man gegen Wände", befand Blanik zum Problem, eine zufriedenstellende Bahnverbindung nach Innsbruck zustande zu bringen. "Die nationalen Bahnverwaltungen spielen sich auf wie Fürstentümer", erwiderte Eva Lichtenberger. "Das ist alles im europäischen Recht verankert, aber die Italiener bewegen sich da nicht", so Lichtenberger. Das sei "hart an der Grenze zum Verstoß gegen europäisches Recht". Lichtenberger abschließend: "Ich gebe in dieser Sache aber sicher nicht auf."
Features
FAKTEN
Europawahl. Alle 27 Mitgliedstaaten der 2007 zuletzt erweiterten EU nahmen teil
Termin. 4.-7. Juni 2009, in Österreich 7. Juni 2009
Ergebnis Osttirol in Prozent. ÖVP 50,28, Bürgerliste Martin 17,42, SPÖ 9,96, FPÖ 8,79, Grüne 7,48, BZÖ 5,14
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